The infamous Round Up.

30. April 2010 von Charly  
Abgelegt in Entertainment, Film, Literatur, Musik, Round Up

Es ist Zeit für eine neue Runde, eine neue Wahnsinnsfahrt beim einem spritzigen Round-Up am Freitagmittag, mit ein paar schockierenden oder nicht so schockierenden Neuigkeiten aus der Welt des lesbischen Entertainments.

Die schlechte Neuigkeit zuerst:
Melissa Etheridge und ihre Frau Tammy haben sich getrennt.

etheridge-tammy

Kein Scherz. Beide waren seit 2003 verheiratet und haben zwei Kinder miteinander.
Warum beide sich getrennt haben, wurde nicht verlautet, nur dass man hoffe, dass man ihre Privatsphäre respektieren möge.
Etheridge hat sich letzte Woche bei Oprah ausgeheult:

Und der Brüller dieser Ausgabe:
Tila Tequila wird zum nächsten David Hasselhoff. Tila hat nämlich die queere Mauer eingerissen, indem sie Ellen ermutigt hat sich zu outen. Ganz recht, die Tila wars! Aber lest selbst:


“You know what? I was the first one to put out a TV show about bisexuality and a lot of people came out to me at the time and said, “Your show really helped me come out.” And then, right after season 2, Katy Perry made “I Kissed a Girl” and then everybody was kissing girls and then Ellen DeGeneres came out and everybody started coming out, slowly. It became a topic of conversation. So I definitely think that it allowed people to talk about it and pay attention to it and not turn a blind eye to what’s out there. So, you don’t have to like me but I did it firs
t.”

Abgesehen davon, dass Ellen ihr Coming Out ca. 1997 hatte, macht die Story ja total…keinen Sinn.
Well. Don’t hassle the Tila.
Verwirrende News über Lindsay Lohan.

lindsay-lohan

Die soll nämlich angeblich die Pornodarstellerin Linda Lovelace in einem Film namens “Lovelace” verkörpern. Alles nicht wahr, zurück auf Anfang, denn in diesem Film, wird sie das nicht,sondern in einem anderen Film Namens “Inferno“. Produzent für dieses zukünftige Meisterwerk mit Naturkatastrophentitel soll Chris Hanley sein, der damals zum Beispiel “The Virgin Suicides” und “American Psycho” produziert hat. Die ganze Geschichte soll nächsten Monat in Cannes offiziell angekündigt werden.

Gut. Lindsay Lohan als Pornostar? Okay. Als Lovelace? Also ich weiß ja nicht.

Die bereits verstorbene Darstellerin hat zum Anfang ihrer Karriere nur in Hardcoreproduktionen mitgespielt und später nach der Scheidung von ihrem Mann behauptet, dass dieser sie mit Waffengewalt zum Spielen in Pornos gezwungen habe. Außerdem ist sie die Hauptdarstellerin in Amerikas nachwievor erfolgreichstem Porno: Deep Throat. Nach ihrer Karriere wurde Lovelace engagierte Gegnerin von Pornographie, bis sie 2002 nach einem Autounfall starb.
Soviel zu Lovelace, zurück zu Lohan.
Sagen wir es so: Es ist nicht so, dass ich es ihr nicht zutraute diese Rolle zu spielen, ich bin nur sehr skeptisch, ob sie eine solche Rolle in ihrem gesamten Ausmaß händeln kann.
Gut für mich also, dass Lohan sich bisher noch nicht dazu geäußert hat.
In other News: Lohan ist pleite.
Okay, next.

Wenn wir schon bei Lesben sind oder solchen, die es werden wollen: Rihanna.
Angeblich schon immer als bisexuell “geoutet”, flanierte sie jetzt mit ihrer besten Freundin Melissa inkl. Partnertattoo am Arm durch die Straßen. Na sowas! Beweisfoto gibt es hier:

tattoo

Rihanna hat genau dasselbe Tattoo an ihrer Brust. Zufall? Schicksal? Oder sind sie wirklich nur BESTE Freunde?
Oh, was würde es mein latent sensationsgeiles Herz freuen, wenn es wirklich etwas zu bedeuten hätte, und die gute Melissa keinen Aufkleber am Arm hat.
Rumor has it: Rihanna hat sich außerdem das Geburtsdatum von Melissa an ihre Schulter tätowieren lassen.
Na. Wenn DAS mal nicht lesbisch ist!

Noch mehr Filmnews:
In einem Film, von dem bisher eigentlich kaum jemand gehört hat, wird Gwyneth Paltrow nicht Nicole Kidmans Frau spielen. Paltrow möchte mehr Zeit mit ihrer Familie und ihrem Mann verbringen. Gut. Aber WAS ist das für ein Film?!
The Danish Girl”, ist der Name. Klar, macht Sinn. Sind ja auch beide blond.
Mehr Informationen dazu, wer Paltrow ersetzten soll, sind bisher nicht zu finden.

Der Film wird eine Adaption des Romans “The Danish Girl” von David Ebershoff. Das Buch gibt es bei uns inzwischen für alle, die es nicht erwarten können, zu kaufen. Inwiefern das ganze gut oder überhaupt lesbischen Inhalt hat, kann ich nicht sagen. Aber ich bin für Input immer offen!

Was war noch?
Achja, GLAAD Awards in L.A., die jährlichen Awards für die, die irgendwas Tolles für die LGBT-Szene tun.
Auf dem Roten Teppich unter anderem die Kinder von der Serie Glee, die endlich mal in Deutschland anlaufen sollte, McSteamy und Frau, der Typ aus Sex and the City, von dem Samantha sich im letzten Film getrennt hat, Wanda Sykes und ganz viele andere komische Leute, die ich in meinem Leben noch nie vorher gesehen habe.
Gewonnen haben unter anderem:

Drew Barrymore, weil…ich habe keine Ahnung warum. An “Whip it”, der mit zwei Stunden meines Lebens unwiederbringlich geraubt hat, kann es nicht gelegen haben.
RuPaul hat für “RuPaul’s Dragrace” und der Erschaffer von Glee, vermutlich wegen Kurt, gewonnen. Wer Kurt ist? Das ist Kurt.

Und weil ich Chris Colfer liebe, noch das Video von ihm bei Ellen, in dem er von seiner ersten Begegnung mit Lady Gaga berichtet:

Und dann gibt es ja noch Santana und Brittany..

Wanda Sykes hat auch einen Award bekommen, der ihr von Constance McMillen überreicht wurde. Ihr wisst  schon, die mit dem Abschlussball.

Wo wir beim Thema wären: Die Arme fand sich nämlich als sie zu ihrem Abschlussball ging, auf einer parallel organisierten “Loser-Prom” wieder, wohin man nur die “Freaks” eingeladen hatte.
Die “coolen Kids” feierten derweil irgendwo anders und hatten danach vermutlich schlechten und unangenehmen ersten Sex auf Rückbänken, während die Hand voll Freaks auf dem anderen Ball sich ohne Hemmungen amüsiert hat.
Das beweist vieles, aber vor allem leider eines: Wäre Ellen Oprah, wäre das nicht passiert!
Wobei, die hört ja bald auf. Vielleicht schafft Ellen ja noch, in die Fußstapfen zu treten.

Last but not least:
Nicht lesbisch, auch schon alt, aber für die, die es nicht bekommen haben, schreibe ich diese schockierenden Neuigkeiten gerne noch einmal:
Ricky Martin hat sich als schwul geoutet. Doch, wirklich! Ich weiß, unglaublich, aber wahr.
In other news: Regen ist nass.

Achja.

Liebes L-Mag. Ich weiß, es ist alles furchtbar stressig bei euch und es ist ja auch unglaublich anstrengend und aufreibend lesbisch zu sein. Aber mal ernsthaft: “Wer ist diese Frau?”?!

bild-15

Ihr seid vieles, aber nicht aktuell.
Hier wurde bereits im letzten Juni über “diese Frau” berichtet. Die bezaubernde Nanna Grundfeldt. Und mal abgesehen davon, dass sie T-Shirts selbst schön bemalen kann, kann sie auch noch etwas anderes - modeln!
Aber vielleicht gingen euch auch die Themen aus oder ihr brauchtet einfach einmal zur Abwechslung ein hübsches Cover? Falls dem mal wieder so sein sollte - ihr wisst ja bestimmt wie ihr uns erreicht. :)

Bis dahin, Ladies, feiert in den Mai! Ihr habt es euch verdient!

The Round Up

2. Mai 2008 von Charly  
Abgelegt in Film, Round Up

Und wieder ist es Zeit für einen kleinen Round-Up Post.
Viel hat sich erreignet, nicht umbedingt viel lesbisches war dabei.
Also haltet euren Post-Erster Mai-Katerkopf und eure Kaffeetassen fest und ..was red ich hier eigentlich?


Das Uh Huh Her Album wurde einmal mehr verschoben, diesmal von Mai auf August.
Wie es die heutige Internetwelt aber so will, ist es längst geleaked.
Wer also schonmal reinhören will und das Album eh vorbestellt hat, der kann sich einmal umhören.
Für die anderen heißt es: Warten.
Und nachwievor auch: Importieren.
Einen deutschen Release gibt es noch nicht.
Wer allerdings über eine Kreditkarte verfügt, kann das Album (signiert!) hier für ca. 16$ vorbestellen.
Ein paar neue Tracks kann man auf der offiziellen Website und bei MySpace bereits anhören.

Die Nachricht ist nicht besonders neu, jedoch bemerkenswert:
Bei Cynthia Nixon wurde 2006 Brustkrebs diagnositiziert und sie hat den Kampf damals gewonnen. Nachdem sie zwei Jahre geschwiegen hat, hat sie nun in einem Interview darüber gesprochen und ebenfalls erwähnt, dass auch ihre Mutter damals überlebt hat.
Nixon setzt sich seitdem vermehrt für Brustkrebsvorsorge ein und hat sogar einen extra Aufruf an lesbische Frauen aufgezeichnet:

Außerdem war sie auf dem Cover des US Magazins More, wo über ihre Beziehung stand:

Perhaps the best description of how Nixon ended up with Marinoni is this: “Don’t ask me just how it happened, I wish I knew. I can’t believe that it’s happened, and still it’s true” — lyrics of a song from “Annie Get Your Gun,” which Nixon sang at Marinoni’s 40th birthday party and renamed “I Got Lost in Her Arms.”


Das ganze, sehr offene Interview, könnt ihr hier lesen.
Außerdem war Nixon mit den anderen Sex and the City Mädels bei Oprah, die sich natürlich nicht verkneifen konnte, Nixon ein wenig über sie und ihre Freundin auszufragen.
Sie habe gehört, dass Nixon ihre Freundin getroffen und sich sofort verliebt hat, dass es ihr egal gewesen wäre, ob sie ein Mann oder eine Frau ist und schloss das ganze mit einem verwirrten “So how does that work?” ab.
Cynthias Antwort war ein einfaches, lächelndes:
“You haven’t met my girlfriend.”
Ist Nixon nicht wundervoll?
Der Sex and the City Film, in dem sie wieder als Miranda durch die Straßen stöckeln wird, läuft bei uns am 29.05 an.


Zwei haben sich gefunden:
Nicole Kidman und Michael Cunnigham (Autor von The Hours) haben sich zusammengetan um eine Verfilmung von Dusty Springfields leben zu verfilmen. Die Hauptrolle soll auch Kidman übernehmen.
Ob der Film Dustys Bisexualität ausklammern oder beleuchten wird, ist noch nicht klar. Aber jeder der The Hours kennt weiß, dass sowohl Kidman als auch Cunnigham (der selbst schwul ist), das Thema nicht scheuen.
Dusty Springfield hatte in den 60er Jahren ihren Durchbruch und war dafür bekannt, dass sie sowohl zu Männern als auch zu Frauen Beziehungen hatte. Sie starb 1999 an Brustkrebs, nachdem sie davor schon Jahre mit psychischen Problemen und ihrem Alkoholismus gekämpft hat.

Nachdem Janet Jackson den GLAAD-Award (ein Award für Schwul-lesbisches in den Medien) als Person, die sich besonders für uns einsetzt (?!) bekommen hat, hat sie nun E-Online! ein Interview gegeben, was relativ..gay war.
Ein paar Auszüge, die auch auf Afterellen gepostet wurden:

EO: I actually think Ellen [DeGeneres] may have a little crush on you. You two had a great rapport when you were on her show.
JJ:
I absolutely adore here. She’s smart. She’s funny. She’s fun to be around. I really enjoy her. She’s very talented.

EO: You’ve said it doesn’t bother you if someone says you’re gay or bisexual. So if you were, who would be your top three girl crushes?
JJ: I don’t know if I have three. I think I would pick Alicia Keys, for sure. I think she’s wonderful.

EO: Why does it seem that strong women like yourself, Oprah and Alicia always get the lesbian rumors?
JJ: Maybe because it’s just that we’re strong women. I don’t know. Maybe they want to put something else behind it because of the strength. Like, you can’t be a woman and be strong, and there has to be something else to it.

Erinnert sich noch wer an das Gerücht, dass Alicia Keys lesbisch ist?
Was ist eigentlich mit denen passiert?

Diese Woche hat der Schwul-lesbische TVSender Logo einen neuen Award (man kann nie genug davon haben), angekündigt:
Der NewNowNext wird in Kategorien wie “Most Addictive Reality Star” und “Most Raddest Sickest Blog”. (was wohl gay-ish für “Bester Blog” ist)
Laut offizieller Beschreibung, wird der Award nicht für Vergangenes, sondern für etwas aus dem Jahr 2008 und Zukünftiges vergeben. Klingt ein wenig seltsam, aber warum nicht.
Abstimmen kann…jeder!

Und zwar hier

Tut mir einen Gefallen und voted beim Blog für Dorothy Surrenders - schließlich bezieh ich viel von diesem wundervollen Blog und wurde mehr oder weniger von ihr dazu inspiriert das hier zu starten.
Den Rest überlass ich natürlich euch (ist ja nicht so, dass ich da wirklich drauf Einfluss hätte..).
Die Preisverleihung ist am siebten Juni und wird auf Logo und Afterellen (vllt eine Chance für uns?) übertragen. Mit von der Partie sind bei der Verleihung u.a. Heather Matarazzo, The Cliks und..ein paar Namen die mir gar nichts sagen.
Na, vielleicht arbeiten sie an der Liste der Moderatoren ja noch ein wenig..


Und noch mehr Awards…
Ellen DeGeneres ist bei den Daytime (mal wieder) nominiert.
Ellen hat für ihre Talk Show in den letzten Jahren dort schon viele..viele…VIELE Awards gewonnen. Dieses Jahr ist sie achtmal nominiert, inkl. für Outstanding Special Class Writing.
Würde sie letzteres gewinnen, bedeutete das, dass auch Liz Feldman ein paar Awards mehr ihr eigen nennen wird.
Liz Feldman hat jahrelang für Ellens Sendung geschrieben und ist eine herausragende Comedian. Davon abgesehen…oh..diese NASE!!!


Um meiner neugewonnenen Liz Feldman Obesession noch eins draufzusetzen, wird sie bei afterellen.com ihren eigenen Video Blog bekommen. Oh my god!
Und ich werde, wenn es meine Zeit die momentan irgendwie knapp bemessen ist, erlaubt, versuchen auf einigermaßen regelmäßiger Basis, lesbischen Comedians hier vorzustellen. Inkl. kleiner Videoausschnitte, angefangen natürlich mit der wundervollen Liz Feldman!

Apropos wundervoll.
Im letzten L-Mag war der einzige Lichtblick, das Porträt der begabten wundervollen Antje Rávic Strubel, die gott sei dank auch darauf bestanden hat, dass eins ihrer eigenen Pressefotos und keins der L-Mag Fotografen, neben dem Artikel auftaucht.
Das Porträt ist mittelmäßig, das Foto machts aber wieder gut.
Außerdem im letzten L-Mag: Der Versuch die Lesben-Kreuzfahrt Olivia Cruise in Deutschland nachzuahmen ist gescheitert. Wegen Schwierigkeiten mit der Reederei wurde nun aus der lesbischen Kreuzfahrt eine lesbische Gruppenreise.
Schade, da hatten wir uns doch alle so drauf gefreut?
Mehr vom letzten L-Mag, hoffentlich, die nächsten Wochen hier.

Außerdem: In der letzten Greys Anatomy Folge in den USA gab es eine kleine, aber feine, lesbische Entwicklung.
Oh dear.
Wie gut, dass sowas online gezeigt wird, sonst würde ich die Sommerpause auf Pro7 glatt hassen!
Kleiner Spoiler?
Erica Hahn und Callie.
Enough Said.

Außerdem ist es wieder Zeit die Top 100 der Lesben zu wählen.
Afterellen ruft wie schon letztes Jahr dazu auf, eure Top 10 hier einzutragen.
Wird es wieder Leisha Hailey? Wer weiß. Die Ergebnisse gibt es Anfang Juni.

L-Mag Ranting - Mein Standpunkt zum Anne Will Thema

11. Januar 2008 von Charly  
Abgelegt in Entertainment

ranting: eng. für schimpfen, sich ereifern

Gestern Nacht hab ich es doch tatsächlich getan: Ich habe das L-Mag abonniert.
Da ich eh alle zwei Monate dieses Meisterwerk queerer, journalistischer Arbeit aus dem Kioskregal ziehe und mich jedes Mal ein wenig dafür schäme, wie schlimm die Cover aussehen, habe ich es jetzt doch geschafft online (wer macht sowas schon auf dem Postweg?!) ein Abo abzuschließen.
Gut, ein wenig hab ich mich heute morgen schon erschrocken, aber dafür hab ich jetzt regelmäßig einen “unauffälligen, braunen Umschlag” im Briefkasten. Wer fühlt sich noch an etwas erinnert?
Ja. Genau. Leider Allem Anschein nach, werden sich wohl auch keine Sextoys in diesem Umschlag befinden.
Aber gut, es geht mir hier ja gar nicht um den Umschlag, sondern um die jetzige L-Magausgabe und vor allem das Thema Anne Will.

Zu allererst muss ich wohl etwas klarstellen:
Ich finde das L-Mag zwar nicht mehr so schlimm wie zu dem Zeitpunkt, als es in den Kinderschuhen steckte, aber ein wenig frage ich mich immernoch, ob es das Geld wert war.
Warum ich es mir dann kaufe und sogar abonniere?
Weil es nichts anderes gibt. Das ist leider die traurige Wahrheit.
Denn Manuela Kays (Chefredakteurin) Aussage, dass das L-Mag das „erfolgreichste Magazin für moderne Lesben“ ist, finde ich fast frech.
Das L-Mag ist Platzhirsch, wird es, wie es aussieht, wohl noch eine Weile bleiben und wir alle wissen ja, dass der Anreiz etwas tolleres, schöneres, besseres zu machen eher gering ist, wenn die Konkurrenz fehlt!

Auf zum neuen L-Mag Magazin:

Auf dem Cover Deutschlands Next Top Lesbian Anne Will.
Nun müsste man davon ausgehen, dass sich ein lesbisches Magazin eingehend mit dem Coming Out des Medienstars befasst, es auseinanderreißt, analysiert, dreht und wendet und von allen Seiten beleuchtet.
Doch leider trifft nur der Begriff ‘befassen’ zu.
Schon auf der ersten Seite auf der die ‘L-Mates’ (Frauen, die für das L-Mag arbeiten) vorgestellt werden, gleich neben einem schlechtgezeichneten Comic und den einleitenden Worten der Chefredakteurin Manuela Kay, springt die Zeitschrift auf den eh schon nervigen Zug von Namenswitzen auf:
“Für L-Mag fragte sie sich von Ost bist West durch die L-Szene und mutmaßt, was Anne will.”
Ächz.
Ich war von den Titeln der Zeitungen, die dieses Thema behandelt haben, eh schon genug genervt..
“Anne Will Frauen.”
“Anne Will Miriam”
“Anne Will ist lesbisch und das ist gut so!”
Ich erfinde mal eins dazu:
“Anne Will ihre Ruhe!”
Und ich auch, for that matter. Leider gönnt auch das L-Mag mir diese Ruhe nicht.
Als ich mich zum Anne Will Artikel durchblättere, stoße ich auf ein Bild von Daniela Sea, die für die L-Kampagne posiert. Diese Kampagne ist tatsächlich mal eine süße Idee.
Und obwohl ich ja grundsätzlich für die Freiheit jeder Frau bin, mit ihrer Körperbehaarung anzustellen, was sie will, so seh ich doch eher ungern, wenn mir selbige irgendwo beinahe entgegenspringen.
Aber Daniela Sea sieht ja grundsätzlich immer aus, als wäre sie gerade aus dem Bett ..oder von einem Berg gefallen.
(Daniela Sea spielt ab der dritten LWord Staffel Moira/Max und die Serie verfolgt ihre Wandlung zu einem Mann - mehr oder weniger gut. Daniela Sea hat außerdem bei “The Itty Bitty Titty Committee” mitgespielt. Ein Film der durchaus sehenswerter ist als ihre LWordrolle)

Ab Seite 12 wird das Anne Will Thema aufgerollt und die Zeitschrift beschäftigt sich die 4 Seiten lang mit diesem Thema. Unter dem Motto “Meinung statt Massenhysterie” gibt einen Pressespiegel und einen negativen und (angeblich) positiven Artikel.
Mich stört schon der Pressespiegel. Man bekommt Auszüge aus Presse und anderen Medien vorgesetzt, unkommentiert und darf sich seine Meinung selbst bilden.
Eigentlich ist da ja nichts gegen einzuwenden, aber warum kommen die Zitate alle aus einer Schiene?
Gala online, Bild, BZ, Brisant..und die taz darf auch mitspielen. Warum?
Die Auszüge sind größtenteils lächerlich oder Anne Will kritisch bis angreifend.
Die nächsten drei Seiten beschäftigen sich mit diesem Thema und auch mit dem Interview, was Manuela Kay welt-online gegeben hat.
Sicherlich, das, was die Redakteurinnen da geschrieben haben, lässt sich nicht von der Hand weisen. Es ist ein Wehrmutstropfen, dass es ein Outing in der Bild am Sonntag war, es ist schade, dass sie das Offensichtliche so lange verschwiegen hat, und dass sie allem Anschein nach keine Lust hat die deutsche Rosie O’donnell zu werden, ist bedauerlich.
Aber worüber sich die Schreiberinnen hauptsächlich aufregen ist folgendes:
Sie hat dem L-Mag kein Interview gegeben, will es auch nicht tun und es war wohl sogar schwer ein Coverfoto zu bekommen. Und das schlimmste: Das Coming-Out fand nicht im L-Mag statt! Oh, Überraschung!
Das L-Mag versucht nicht einmal objektiv zu sein, es ist…beleidigt.
Und welche Position sich das L-Mag auch immer schon erkämpft haben sollte, mit diesem unseriösen und teilweise klischeehaft weiblichen Verhalten, haben sie sich selbst heruntergestoßen.
Denn niemand, der auch nur bisher in Erwägung gezogen hatte, sich dort zu outen, muss nun damit rechnen von dieser Zeitschrift von hinten rum fertiggemacht zu werden und wird von diesem Plan Abstand nehmen.
So sehr die L-Magredaktion auch enttäuscht gewesen sein mag: In einer Berichterstattung, die immer darauf angelegt sein sollte objektiv zu sein, damit der Leser sich seine Meinung bilden kann, sind Artikel wie diese im höchsten Maße unprofessionell.

Jede Spekulation ob Anne Will nun erpresst wurde, sich in der Bild am Sonntag zu outen, halte ich für abwegig. Auch, dass sie ihre Show, die eh gut lief, pushen wollte. Ich denke, dass für die gute Frau Will bei der Sache auch eine Menge bei rausgesprungen ist - und zwar nicht nur Schlagzeilen.
Immer wieder fragt man sich in den Artikeln, ob ihre Karriere eine andere gewesen wäre, wenn sie von Anfang an offen lesbisch gewesen wäre. Sicherlich, das kann keiner beantworten.
Aber ich möchte meinen, dass Frau Will das Coming-Outdrama um Ellen DeGeneres damals wohl mitbekommen hat und wenn nicht das, jedes andere, das es bisher gegeben hat.
Man weiß nie was passiert, wenn man sich outet, schon gar nicht in den Medien. Es ist mutig, vor allem ab einem gewissen Level im Berufslesben sein Outing offen und mit dem Wort “Lesbe” und “Partnerin” zu machen. Aber meiner Meinung nach erfordert es noch mehr Mut, es einfach zu leben, sich eben nicht im Büro auf den Stuhl zu stellen und es über alle Köpfe zu brüllen.
Denn das ist schnell vorbei und zieht schiefe Blicke nach sich.
Es erfordert mehr Mut nicht zu lügen, wenn eine Kollegin fragt, was man am Wochenende macht und einfach zu sagen, dass man mit seiner Freundin/Partnerin wegfährt. Und es ist die Königsklasse des Outings seine Partnerin selbstverständlich als seine Begleitung mit auf berufliche Veranstaltungen zu nehmen. Denn je selbstverständlicher die eigenen sexuellen Präferenzen sind, desto selbstverständlicher werden sie für die eigene Umgebung und für die Gesellschaft.
Wie auch immer man es macht, das ist jedem nachwievor selbst überlassen.

Es ist wahr, wir haben nicht viele “sexy, erfolgreiche” Lesben in den Medien, zu denen eine junge Lesbe aufblicken kann, der man nacheifern kann. Das ist schade, ja. Auch, dass es eben “sexy, erfolgreiche, vor allem aber sexy” Lesben sein müssen. Aber wie bei so vielem, wird das noch ein paar Jahre dauern. Denn ich bin definitiv der Ansicht, dass es keine Medienskandale braucht, damit diese Entwicklung schneller vonstatten geht.
Es ist wie mit der Gleichberechtigung der Frau: Man muss klein Anfangen, es muss sich etwas in den Köpfen der Menschen ändern.
Ich persönlich sehe Anne Will als kein Vorbild für mich was ihr Outing angeht. Aber ihre Karriere ist vorbildlich und vor allem diese sollte für uns als Vorbild dienen.
Und ganz ab von Anne Will, sehe ich viel mehr zu einer Frau auf, die ganz selbstverständlich und stolz mit ihrer Sexualität lebt, anstatt jeden daran teilhaben zu lassen.

Bleibt noch zu sagen: Anne Will ist keine Jodie Foster, denn die hat ihr Coming-Out so verschlüsselt in eine Rede eingebaut, dass sich jeder fragt, ob die Gute denn nun wirklich ‘out’ ist. Sie ist auch keine Kate Moennig, die mit Paris Hilton feiert und sozusagen im Rausch in ihr unfreiwilliges Coming-Out schliddert.
Anne Will hat zwar nicht das ‘L-Wort’ benutzt, aber doch endlich das Wort Partner in Verbindung mit ihrer Freundin.
Und die Nachrichten über ihr Outing schafften es in der Szene bis in die USA. So oder so, es ist eine große Sache.
Ob Anne Will nun eine Vorbildlesbe ist, sei dahingestellt. Das was sie erreicht hat jedoch, ist durchaus vorbildlich.

Und die Redaktion der L-Mag sollte aufpassen, dass sie nicht die lesbische Variante der Emma-Redaktion wird, die sich ja bekanntermaßen gerne schützend und gackernd vor ihre Chefredakeurin wirft.
Denn jetzt schon wirkt die L-Mag teilweise wie eine Schülerzeitung: Hauptsächlich von einer Person geschrieben bzw. von deren Meinung geprägt.

Es ist beides noch ein langer Weg. Sowohl hin zu einer Gesellschaft in der Lesben genauso angesagt sind wie Schwule und in der wir alle Rechte zugesprochen bekommen, die Heterosexuelle haben, als auch für das L-Mag hin zu einem gehobenen Magazin, dem jeder in Interviews gerne Rede und Antwort steht.