Lovely Saturday - Marianne Breslauer - Unbeachtete Momente

21. August 2010 von Nadin  
Abgelegt in Kultur, Lovely Saturday

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Wenn euch dieses Foto sehr vertraut vorkommt, seid ihr entweder Schwarzenbach-Fans (und hab das Kweens-Portrait gelesen) oder viel in Berlin unterwegs. Dort hängen seit Juni allerorts die Plakate zu der Ausstellung “Marianne Breslauer - Unbeachtete Momente - Fotografien 1929-36″. Als Eyecatcher haben die Kuratorinnen das wohl berühmteste Motiv der Fotografin gewählt, die in nur wenigen Jahren ein beeindruckendes Werk schuf, bevor sie sich als Schweizer Kunsthändlerin einen Namen machte.

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Selbstportrait, 1929

Marianne Breslauer (1909-2001) entsprach ganz dem Bild der unabhängigen “Neuen Frau”, wie sie sie in vielen Aufnahmen festhielt. Neben berühmten Zeitgenossen - sie traf so legendäre Künstler wie Man Ray und Paul Citroen - zeigte sie das Leben ihrer Freundinnen. Zu den schönsten “unbeachteten Momenten” gehören die kleine Reihe eines Sommertages im Jahr 1934 und Straßenszenen, die Breslauers Reisen dokumentieren.

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Paris, 1929

Paris, 1929

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Pamplona, 1933

Alexandria, 1931

Alexandria, 1931

In einer Zeit, als Fotografieren noch als rein dokumentarische Technik verstanden wurde, konnten Frauen neue künstlerische Wege gehen. Nach einer Ausbildung beim Berliner Lette-Verein war Breslauer inspiriert von Frieda Ries eine der ersten, die Fotografie als eigenständige Kunstform in die Galerien bringen wollten. In den frühen Dreißiger Jahren stellte sie im Fotoatelier Ullstein aus und veröffentlichte in renomierten Zeitschriften. Auf ihren Reisen besuchte sie mal ihre Freundin Djemila Nord in Palästina, mal war sie mit Ruth Landshoff oder Annemarie Schwarzenbach unterwegs. Als sich die gesellschaftlichen Verhältnisse änderten, kehrte Breslauer 1936 Deutschland und der Fotografie den Rücken.

Djemila, Jerusalem 1931

Djemila, Jerusalem 1931

Djemila, Jerusalem 1931

Djemila, Jerusalem 1931

Maud Thyssen, Ascona 1933/34

Maud Thyssen, Ascona 1933/34

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Ruth Morgen, 1934

Ruth von Morgen, 1934

Annemarie Schwarzenbach

Annemarie Schwarzenbach

In der ersten großen Breslauer-Retrospektive mit etwa 130 Fotografien werden zudem andere Fotografinnen ihrer Zeit mit sehr unterschiedlichen Arbeiten vorgestellt, darunter Yva, Steffi Brandl, Lotte Jacobi und Marta Astfalck-Vietz.

Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie wurde jetzt verlängert bis zum 1. November!

Also aufbrezeln und hingehen!

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alle Fotos (c) Fotostiftung Schweiz, Winterthur

Magazines to discover #1 Hugs and Kisses

16. August 2010 von Nadin  
Abgelegt in Entertainment, Featured, Kultur, Literatur

Wer gern unterhaltsame Magazine liest, sich aber ungern von angepasster Massenware verdummen lässt und noch dazu einen feministischen Anspruch oder zumindest weibliche Präsenz erwartet, hat im Presseshop nicht viel Auswahl. (Mainstream-Lesbenmedien spare ich hier aus, sie sind ohnehin sehr rar gesät.) Gelegentlich stößt man auf einige amerikanische Zeitschriften wie Nylon, die “Frauenthemen” mit Selbstbewusstsein und Popkultur verbinden. Solche unabhängigen Publikationen wie Bust, VenusZine und Co. sind aus der GrrrlZine-Kultur der 90er hervorgegangen und optisch auf das Niveau bekannter Mode- oder Musik-Magazine gestiegen. Dieses Konzept wurde hierzulande vor zweieinhalb Jahren hochlobenswert und erfolgreich vom Missy Magazine übernommen.

Abseits dieser Nischen lassen sich mit etwas Geduld weitere Perlen der Magazin-Kultur entdecken. Man bezeichnet sie als Zines oder als “independent pop culture magazines” und erhält sie in ausgewählten Geschäften oder Veranstaltungsorten. Indem ich mir langsam den Weg durch das Land der abseitigen Printprodukte bahne, möchte ich an dieser Stelle regelmäßig neue Funde, Wiederentdecktes und Hervorhebenswertes präsentieren. Bevorzugt sollen Hefte mit lesbischen/queeren/feministischen/kritischen/künstlerischen Inhalten präsentiert werden.

Den Anfang macht ein deutschsprachiges Magazin aus Hamburg:

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Diese erste Ausgabe von Hugs and Kisses erschien im Oktober 2007, bisher folgten - halbjährlich - fünf weitere. Der schöne Untertitel “tender to all gender” ist nicht nur ein Wortspiel, sondern verweist auf das Anliegen, hier ein im Wortsinn queeres Magazin vorzugelegen. Man distanziert sich von Labels und Geschlechternormen ebenso wie vom modischen Gebrauch des Wortes “queer”, wo oft eher schwul und/oder lesbisch stehen müsste. Dieser Ansatz spiegelt sich in den Portraits, Interviews, Reflexionen  und Rezensionen wider. Neben dem jeweiligen Schwerpunkt gibt es Artikel zu gesellschaftspolitischen und kulturellen Themen - von Pop über Party bis zu Postporn und politischer Theorie. Das Vereinende der Texte ist die radikale Offenheit für Lebensentwürfe aller Art, was Selbstkritik einschließt. Gleichzeitig sind Illustrationen und Fotostrecken ein fester Bestandteil der Hefte - hier Beispiele aus Issue 2  zum Thema Queer Burlesque:

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photos by Emily Jouvet
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Nach einer Queer Cinema-Ausgabe ist die aktuelle Nummer 6 mit dem Schwerpunkt Queere Feminitiäten hier für 4 Euro erhältlich. Diesmal werden Tunten, Femmes, weibliche Drag Queens u.a. portraitiert und Klischees innerhalb der Szene hinterfragt. Dazu gibt es Fotos aus dem Buch Femmes of Power des “gender variant visual artist” Del LaGrace Volcano. Absolut empfehlenswert sind auch der Artikel über die Berliner Aktivismus-Gruppe “Fight Lookism” und das Gespräch zwischen Cindy Wonderful (Scream Club) und God-des and She über lesbischen Hip Hop. Das Reinblättern lohnt sich! Und im Oktober kommt schon das nächste Hugs and Kisses.

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Blick in die 3.Ausgabe

Lovely Saturday - Annemarie Schwarzenbach

1. August 2009 von Charly  
Abgelegt in Featured, Kultur, Literatur, Lovely Saturday

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“Dann tritt mir mein Bild entgegen, das Bild eines jungen Menschen, ich stütze die Hände gegen das Glas und betrachte es, mir ist, als gewänne ich dieses blasse und von heimlichem Fieber bebende Gesicht lieb, als hätte ich vordem nicht so gut gekannt, ich ging an seiner Traurigkeit vorüber, kein Lächeln schenkte ich diesen von Frage und schwermütigem Ernst erfüllten Augen, keine Nachsicht hatte ich für diese Hände, die hell und mager sind und deren Schlankheit mir heute zum ersten Mal schön erscheint.”

(Annemarie Schwarzenbach - Eine Frau zu sehen)

Als Annemarie Schwarzenbach diese Sätze für ihre Novelle “Eine Frau zu sehen” schreibt, ist sie gerade 21. Die, die nach eigener Aussage “nur Frauen mit wirklicher Leidenschaft lieben kann”, geht erst zwei Jahre später, 1931, als freie Schriftstellerin nach Berlin, nachdem sie in ihrem Heimatland der Schweiz promoviert hatte. Ihr erster Roman “Freunde um Berndhard” erscheint ebenfalls 1931.

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Annemarie Schwarzenbach ist sicherlich eine der traurigeren Figuren der Geschichte: Von einer ständigen Umtriebigkeit getrieben, reiste sie ab 1933 durch die halbe Welt und heiratete den, ebenfalls homosexuellen, schweizer Diplomaten Claude Clarac. Sie selbst war unsterblich in Erika Mann verliebt, die ihre Liebe jedoch nicht erwiderte und sie an Morphin heranführte. Eine Sucht, von der sie ihr kurzes Leben lang nicht mehr loskommen sollte.

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Erika Mann und Annemarie Schwarzenbach

Die Freundschaft zu den Geschwistern Mann blieb jedoch lange erhalten und Schwarzenbach traf Jahre später wieder mit ihnen in den USA zusammen, wo sie sich erneut aufgrund ihrer Drogenabhängigkeit und Depressionen in psychiatrische Behandlung begab. Thomas Mann bezeichnete sie später in einem seiner Tagebücher als “verödeten Engel”.

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Eine ihrer Reisen, die sie zusammen mit der Schriftstellerin Ella Maillart in ihrem geliebten Ford nach Kabul unternommen hatte, wurde 2000 mit dem Titel “Reise nach Kafiristan” und Jeanette Hain in der Rolle von Annemarie Schwarzenbach verfilmt.

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Der Film ist nicht schlecht, nicht so furchtbar wie der Trailer vermuten lässt, sehr ruhig und gut geschauspielert.

Erst 1942 kehrt Schwarzenbach nach einer Reise in den Kongo in die Schweiz zurück, nachwievor depressiv und morphinsüchtig. Wenig später, stirbt sie, erst 34, an den Folgen eines Fahrradunfalls.

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Nach ihrem Tod geriet sie zunächst in Vergessenheit, nicht zuletzt aufgrund ihrer hitlerliebenden Mutter, der sie ein ständiger Dorn im Auge war und welche gegen ihren testamentarischen Willen, viele Briefe und Manuskripte einfach verbrannte. Auch innerhalb der eigenen Familie wurde sie weiterhin einfach totgeschwiegen.

Erst später wurde sie wieder entdeckt, nicht zuletzt von ihrer eigenen Großneffe, Alexis Schwarzenbach, der es in ihrem ZEIT-Artikel gut auf den Punkt bringt:

“Annemarie Schwarzenbach war eine freie Frau, ein freier Geist, eine Freibeuterin auch. Die Erinnerung an sie, in der engen Nachkriegszeit gelöscht, entfaltete sich gegen Ende der achtziger Jahre neu. Inzwischen ist sie das, was man ein wenig hilflos ob all ihres posthumen Ruhms eine Kultfigur nennt.”

Wer mehr über Schwarzenbach wissen möchte, kann mit diesem Artikel anfangen oder sich gleich eines der Bücher von oder über sie besorgen. Wert ist es das allemal.

“Das Leben zerfetzt sich mir in tausend Stücke.”

(Schwarzenbach in einem Brief an Thomas Mann)

Bilder Copyrights: Schweizerische Nationalbibliothek Bern

Lovely Saturday meets Buchtipp – “Women before 10 a.m.” von Véronique Vial

25. Juli 2009 von Nadin  
Abgelegt in Kultur, Literatur, Lovely Saturday



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Vor zehn Uhr morgens ist ja nicht so meine Zeit. Dank Véronique Vial und ihrem charmanten Bildband weiß ich nun, dass es Salma Hayek offenbar ähnlich geht:

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Aber was könnte uns das Aufstehen besser versüßen, als schönen Frauen bei ihren ganz normalen Morgentätigkeiten zuzuschauen?

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Das Buch bietet erfreulich unterschiedliche Frauen und noch so einige Entdeckungen: Natasha Lyonne beim Ketterauchen, Gina Gershon beim Kochen, Sigourney Weaver beim Tai Chi…
Offen bleibt: Heißt Nim Kim wirklich so? Warum hat ausgerechnet Sean Penn das Vorwort geschrieben? Und nehmen tatsächlich so viele Frauen ihre Hunde mit ins Bett?? Was soll ich zum Beispiel davon halten, Courtney:

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Véronique Vial hat (neben Babys, Tieren und „lifestyle“) viele attraktive Celebritys fotografiert. Also vielleicht gibt es ja mal eine Fortsetzung mit Farbfotos…

Alfred Hitchcock vs. Lesbian Angels

1. Juli 2009 von Charly  
Abgelegt in Entertainment, Film, Kultur

Ihr wolltet doch sicherlich immer schon einmal wissen, was der gute Alfred so von uns Lesben hält.

Nicht? Nunja, auch nicht weiter schlimm. Lehnt euch einfach zurück, versucht nichts trinkbares in der Hand zu halten und genießt das Opening und die letzten fünf Minuten eines amerikanischen Propagandafilmes, schätzungsweise aus den 50er Jahren, namens: The Disease of Lesbianism.

- dramatische Musik und theatralische Lichteffekte mit dem Lichtschalter bitte hier einfügen -

Vor allem gefällt mir ja, dass Bull Dyke Pfeife raucht, die “Arbeit” macht und die anderen Frauen im Raum quasi als Fesselersatz dienen. Ganz, ganz großes Tennis.

Im Kontrast dazu jetzt der Trailer zu “Lesbian Angels“, einer Doku über Lesben in L.A. 2009, in dem die Mädels erfreulich unstereotypisch aussehen.

Lesbian Angels ~ Trailer #2 from Karla Eduvia

Wann genau Lesbian Angels erscheint und wie, habe ich leider nicht gefunden. Wer mehr Infos hat, immer her damit!

Also Mädels, wer gewinnt? Die Zombielesben? Oder die 2009er L.A.-Lesbe?

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