Musik

Musikvideo-Mittwoch: Kat Frankie live

Kat Frankie, Volksbühne Berlin © franziskadonath.de

Kat Frankie, Volksbühne Berlin © franziskadonath.de

Diskutiert nur alle pro und contra Castorf! Nie war ich so oft in der Volksbühne Berlin wie seit seiner Entthronung – zwar nicht zum Theater, doch zu großartigen Lesungen (iO Tillett Wright!!), Kurzfilmen (Interfilm Festival) oder Konzerten. Jetzt kam ein außergewöhnliches Erlebnis dazu. Kat Frankie, die seit zehn Jahren schon Kweens beehrt, habe ich bisher in diversen Spielstätten erleben dürfen. Im großen Saal der Volksbühne hatte sie eine Präsenz wie nie.

Zur Einstimmung ein wenig Musik: Für Finite, das Lied einer überfälligen Trennung, fand Kat selbst klare Bilder.

Der Abend begann mit einer anderen Altbekannten: Charlotte Brandi, lange Teil des Duos Me and My Drummer, trat mit ihrem Soloprojekt samt Cellistin und Gitarristin auf – erstere nicht im Bild, letztere dafür mit zarter Annemarie-Schwarzenbach-Aura. Mit dem Personal hat Charlotte auch den Stil gewechselt, vom Pop zur Nachdenklichkeit.

Charlotte Brandi, Volksbühne Berlin © franziskadonath.de

Charlotte Brandi, Volksbühne Berlin © franziskadonath.de

Fast kann man sagen, dass Kat Frankie den umgekehrten Weg eingeschlagen hat. Ihr im Februar erschienenes viertes Album Bad Behaviour hat den Folksound in Richtung Rock, Pop und Soul deutlich erweitert. Um „rein ins Pop-Geschäft“ zu kommen (wie der RBB titelt), ist auch die neue Bandbreite zu wenig gefällig. Die Kontraste des Konzerts reichten vom solo vorgetragenen, digital vermehrten Acapalla bei Frauen verlassen und Please Don’t Give Me What I Want über Back to Life, bei dem sie ihre kraftvolle Stimme in männliche Tiefen verzerrt, bis zum tanzbaren Headed for the Reaper. Zu letzterem erzählte Kat amüsiert eine längere Kriminalanekdote.

Überhaupt ist die inzwischen 39-Jährige sichtlich kommunikativ und gelassen. Ihr Publikum holt sie gerade mit dieser Coolness am Ende doch noch von den Stühlen. Das dankt, indem es nicht nur eine, sondern zwei Zugaben einfordert. Am Ende steht die komplett rot gewandete Band – Kat bildet gar vom Scheitel bis zu den Socken eine farbliche Einheit – Arm in Arm am Bühnenrand und intoniert Take Care of Him. Das nächste Mal möchte ich Kat mindestens in einer Kirche erleben.

Kat Frankie, Volksbühne Berlin © franziskadonath.de

Kat Frankie, Volksbühne Berlin © franziskadonath.de

Zum Abschluss noch einmal Musik, und zwar das Stück, mit dem auch das Konzert (zunächst) endete: das rockende Home, in einem von Antonin B. Pevny inszenierten und von Lyn Lim choreographierten Video. Es darf sich erhoben und getanzt werden!

Mehr vom aktuellen Album „Bad Behaviour“

Musikvideo-Mittwoch: Kat Frankie – Bad Behaviour

 

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