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Mutig? Rose McGowans #metoo-Memoir „Brave“

Als ich so etwa 12 Jahre alt war, habe ich Charmed wahnsinnig geliebt. Ganz besonders toll fand ich Paige (nachdem Prue weg war), gespielt von Rose McGowan. Aber natürlich war ich nicht nur deshalb gespannt auf ihr Buch „Brave“. Die Harvey-Weinstein-Sache (Rose war eine der allerersten, die sich wegen ihm an die Öffentlichkeit trauten) und #metoo geben allein genug Anlass hineinzulesen. Doch um ehrlich zu sein, es lohnt nicht wirklich. Warum?

Wenn es um Rose McGowan geht, bin ich ein wenig hin- und hergerissen. Zum einen habe ich ein großes Problem damit, wie sie über trans Menschen spricht. Das wurde für mich das erste Mal sehr deutlich, als sie sich zu Caitlyn Jenner ausließ. Kritik an Jenner finde ich mehr als berechtigt, hätte aber anders ausfallen müssen. Nun fühle ich mich als cis Frau nicht wirklich in der Lage, über Rose McGowans Äußerungen bezüglich trans Personen zu sprechen (zumindest nicht in einer kurzen Review ihres Buches), denke aber das sie dafür kritisiert gehört. Daher sollten wir vor allem den Stimmen Gehör schenken, die dies bereits tun. Hier zum Beispiel Evan Urquhart in Slate:

The point is not that a trans woman’s experience is identical to that of a cis woman but that the experiences of women vary widely, and that feminists who forget this—or undermine it in order to exclude trans women—weaken feminism immeasurably.

Zum Anderen fällt im Buch auf, wie oft sie auf Aussagen zurückfällt, die in Richtung „Woman is the N***** of the World“ gehen. Immerzu vergleicht sie Situationen und fordert dazu auf, uns statt einer Frau einen schwarzen Mann vorzustellen. Diese Art Aufregung zu produzieren, ist nicht nur faul, sondern schlichtweg gefährlich. Dazu Amelia (Mia) Smalls in medium.com:

Really? Black women exist, Rose. Transgendered people of color exist, Rose. Black women and children who have a statistically higher rate of experiencing sexual assault knows how it feel, Rose. Black men are victims of assault too, Rose. Terry Crews, an African American actor, tweeted his degrading experience with an Hollywood exec in front of his wife. Crews wanted to react and defend himself against the harassment however due to unfair, racial biases he was afraid of getting painted as the “aggressive black man” and jeopardizing his livelihood.

Einiges in ihrem Buch hat mich tatsächlich angesprochen. Leider bleibt der ganze Text wahnsinnig oberflächlich. Das meiste sind aneinandergereihte kurze Gedankenfetzen. Wer sich für Rose McGowans Leben interessiert und ihre Filme mag, kann dieses Buch gut lesen. Alle, die ein feministisches Manifest erwarten, sollten lieber die Finger davon lassen!

In der Tat finde ich Rose mutig – ich hoffe allerdings, dass sich ihr Feminismus entwickelt und inklusiver wird. Dann bin ich gespannt, was als nächstes kommt.

 

Rose McGowan: Brave. Harper One, Januar 2018, 272 Seiten, ab ca. 12,99 Euro.

Die deutsche Ausgabe erscheint am 3. April unter dem Titel „MUTIG. Das Enthüllungsbuch aus der Traumfabrik Hollywoods“ ebenfalls bei Harper Collins für 16 Euro.

 

 

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