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Star-Kunst-Kino: Song to Song

24. Mai 2017

Wer als Carol-Fan die Castliste von Song to Song liest und sich auf ein Wiedersehen von Rooney Mara und Cate Blanchet freut, wird von Terrence Malick enttäuscht; die beiden spielen faszinierende Figuren, die sich leider nie begegnen. Nicht enttäuscht wird, wer eine verschachtelte (weiße) Liebesgeschichte erwartet, bei der monogame Heterosexualität nicht die einzige Option bleibt. Ganz zu schweigen von der hochrangigen Besetzung und den vielen Musiker*innen-Cameos.

Wie der Trailer ahnen lässt, hat Terrence Malick sowas wie einen 130-minütigen Videoclip gedreht. Expressiv geschnitten wird von drei Menschen aus dem Musikbiz in Austin, Texas, berichtet. Zwar gibt es einen verzwickten Plot und viele Dialogschnipsel, doch die Mehrheit des Texts wird als Gedankengänge mit wechselnden Perspektiven aus dem Off eingesprochen, sogar über die Gespräche hinweg. Um Musik geht es dabei allerdings nur vordergründig.

Zwischen der Musikerin Faye (Rooney Mara), dem Produzenten Cook (Michael Fassbender) und dem Songschreiber BV (Ryan Gosling) entwickelt sich eine lebenslustige Ménage á trois (wobei das Verhältnis zwischen den beiden Männer nie über die klassische Bromance hinausgeht). Die Interessen der drei liegen allerdings weit auseinander: Cook geht es nur um Geld und Dominanz, wohingegen Faye das Leben um jeden Preis bis aufs Letzte auskosten will, während BV tatsächlich von Musik und Liebe träumt. Letzterer wird von beiden getäuscht, das Gespann zerfällt – doch der Film geht weiter. Alle drei lassen sich auf neue Beziehungen ein. Cook treibt sein Machtspiel nun mit der Kellnerin Rhonda (Natalie Portman) und deren Mutter (Holly Hunter). Gosling alias BV hat das Glück, nach der jüngeren „Therese“ auch die ältere „Carol“ (Cate Blanchett) zu daten. Und Rooney Mara spielt überraschend wieder eine lesbische Affäre (mit „Bond Girl“ Bérenice Marlohe als Zoey).

So ganz erfüllt scheint Malick von seinem gewählten Sujet nicht zu sein. Über die Arbeit des Trios, vor allem von Maras Figur Faye, wird fast nichts gezeigt. Der Film streift auch Lykke Li, Die Antwoord, Iggy Pop oder Florence Welch nur kurz auf ihren Konzerten oder im Backstage. Zwar inszeniert er in berauschenden Bildern (von Kamerastar Emmanuel Lubezki) einen elitären Lifestyle zwischen Poolpartys, Clubszene und Rockfestivals, doch wirft er am Ende einen verklärten Blick auf das „einfache Landleben“.

Was ihm authentisch gelingt, sind die Suchbewegungen der getriebenen Hauptfiguren, deren Liebe und Begehren, Ausgelassenheit und Depression immer intensiver werden. Dabei sind die Männer genauso emotional zerrissen wie die Frauen. Ihnen allen (vom bad boy Cook vielleicht abgesehen) ist einfach mehr von der Leichtigkeit zu wünschen, die in den schönsten Szenen zu spüren ist. Weightless lautete tatsächlich der Arbeitstitel des Films, basierend auf einem Zitat Virginia Woolfs:

How can I proceed now, I said, without a self,
weightless and visionless, through a world weightless, without illusion? (The Waves)

Damit ihr auf den Geschmack kommt, hier ein paar offiziell veröffentlichte Szenen – darunter Lebensweisheiten von keiner Geringeren als Patti Smith, die als einzige authentische Person eine tragende Rolle einnimmt:

Song to Song startet am 25. Mai in den deutschen Kinos.

Alle Bilder und Trailer © Studiokanal

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