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SNL: Die feministische Generation

23. Mai 2017

Mae Becker, freie Autorin und Redakteurin (zuletzt Libertine), zieht zur Sommerpause von Saturday Night Live Bilanz über das mittlerweile 42. Jahr der Sketch Show. Die besten Quoten seit Jahrzehnten, stellt sie fest, hat die Sendung zum einen der Angriffsfläche Trump zu verdanken – zum anderen dem neuen SNL-Feminismus.

 

Smarte Frauen kennen wir schon lange von Saturday Night Live. Sei es Maya Rudolph als Beyoncé, Amy Poehler als Hillary Clinton oder Tina Fey als Sarah Palin. Doch in den letzten Jahren ist in die alteingesessene Sketch Comedy Show ein frischer Wind gefahren: eine neue politische Dimension, die vor allem von den Frauen der Besetzung ausgeht. Mit innovativen Inhalten, wie etwa Songs über Feminismus und über weibliche Sexualität, ändern sie den ganzen Ton der Sendung, die lange stark auf sogenannten „guy humor“ ausgerichtet war. Während es früher viele Sketche gab, die auf Kosten effeminierter Männer gingen oder die auf Fäkalhumor basierten, verschiebt sich die Dynamik nun. Die neue Feminismuswelle, die auch durch die misogynen Kommentare des Präsidenten losgetreten wurde, hält ganz klar Einzug in die Show.

SNL richtet sich nun wieder an ein jüngeres Publikum. Die Show akquiriert Millennials mit Sketchen über Bernie Sanders und die Women’s Marches und sie nimmt Homosexualität nicht mehr als Punchline, sondern als Normalzustand hin. Ein Umstand, an dem nicht nur das junge Autorenteam hinter den Kulissen und die aus einer Frau und einem schwulen Mann bestehende Doppelspitze einen Anteil hat, sondern sicher auch die lesbische Darstellerin Kate McKinnon.

Kate McKinnon: „The big gay middlefinger“

McKinnon, die euch vielleicht noch aus der Big Gay Sketch Show und vor allem als Ghostbuster Holtzmann ein Begriff ist, hat es inzwischen zu weltweiter Bekanntheit gebracht. Für SNL spielte sie nicht nur Hillary Clinton, sondern auch die Managerin der Trump-Wahlkampagne Kellyann Conway, die Senatorin von Massachusetts Elizabeth Warren und zuletzt den unter Rassismusvorwürfen stehenden Attorney General Jeff Sessions.

Kate McKinnon ist eine lesbische Demokratin: Ihre Charaktere sagen daher oft mehr als andere. Sie lassen das Publikum nicht vergessen, dass Trumps Vize Mike Pence Homosexualität für eine „heilbare“ Krankheit hält oder dass ein Mann wie Jeff Sessions als Justizminister eine ernsthafte Gefahr für alle Minderheiten darstellt. Ihre Kunstfiguren geben der Show einen neuen Dreh: etwa Debette Goldry, eine Diva, die in komischen Rückblenden vom Hollywood der 30er Jahre erzählt, oder auch Barbara DeDrew, eine lesbische Tierretterin, die versucht Heimkatzen an den Mann zu bringen. Auch ihre Parodien berühmter Lesben – Jodie Foster, Ellen DeGeneres, Billie Jean King – sind äußerst sehenswert. Im letzten Jahr gewann sie für ihr Spiel einen Emmy und auch in diesem Jahr wird sie für den Preis hoch gehandelt.

Auch die Performances anderer Frauen sind nicht zu vernachlässigen. Cecily Strong setzt sich beispielsweise permanent für demokratische Werte und Frauenrechte in ihren Sketchen ein: Zuletzt machte sie sich über Männer lustig, die die Women’s Marches nutzen, um Frauen abzuschleppen. Und ihre Kunst-Figur Cathy Anne, proklamiert – ständig high – Wahrheiten über die Regierung.

Unpresidential und unprecedented

Überhaupt hat auch der neue Präsident einen enormen Anteil am derzeitigen Erfolg der Sendung. Bereits vor der Wahl wurde heftig gegen Donald J. Trump ausgeteilt. Damals bemühte sich die Show aber noch (zumindest scheinbar) beide Präsidentschaftskandidat*innen aufs Korn zu nehmen. Man wollte keinen Wählerfang betreiben und natürlich auch keine Zuschauer*innen durch einseitiges Bashing verlieren. Mit seinem Amtsantritt hat Trump allerdings den „Welpenschutz“ der im liberalen New York produzierten Show verloren. Mitarbeiter*innen und Produzent*innen sind fast ausschließlich Demokraten, Sender NBC ist ebenfalls links ausgerichtet. Noch dazu stellen sich Trump und sein Kabinett wirklich fahrlässig – um nicht zu sagen selten dämlich – an und bieten so den Comedians wöchentlich regelrechte Steilvorlagen.

Dass die Show unter Trumps Haut geht, zeigen seine Tweets, mit denen er unter anderem auf Alec Baldwins Trump-Parodie reagierte. Not very presidential. Außerdem berichten Maulwürfe aus dem Weißen Haus immer wieder davon, wie sehr die Sketche den Präsidenten aufregen. Angeblich soll er den Mitgliedern des Kabinetts sogar Standpauken halten, wenn diese als Figuren bei SNL auftauchen. Perfekte Voraussetzungen also für das Team der Sketch Show, sich weiterhin über den Mann an der Spitze und sein Gefolge lustig zu machen.

Trump Bashing deluxe

Besonders soll eine Rolle Trump verärgert haben: Melissa McCarthy als Press Secretary Sean Spicer. Und zwar nicht nur, weil der Sketch, in dem McCarthys Spicer sehr ungeschickt versucht, Reportern klarzumachen, dass der sogenannten „muslim ban“ überhaupt kein „ban“ gewesen sei, Spicers Manierismen und Unzulänglichkeiten perfekt auf den Punkt brachte, sondern vor allem weil Spicer von einer Frau gespielt wurde. Trump, der ja spätestens bei seiner kleinen Einlage mit Billy Bush im Access Hollywood-Bus klar gemacht hat, was er von Frauen hält, konnte über diesen Twist nicht lachen. Fühlte er doch, dass sein lieber Angestellter Spicer durch McCarthys Geschlecht noch zusätzlich herabgesetzt wurde. Als dann eine Woche später auch noch Kate McKinnon mit grauen Haaren und Abstehohren in die Rolle von Jeff Sessions schlüpfte, dürfte es mit Trumps Toleranz für SNL vorbeigewesen sein.

Angespornt von den (geleakten) Reaktionen im White House, ließen die Autoren der Sendung Melissa McCarthy noch mehrfach in ihrer Rolle brillieren. Immer mit wechselnden neuen Gimmicks: Hier spielt Sean mit Barbies und Actionfiguren, kaut A4-Seiten große Kaugummis und benutzt eine Wasserspritzpistole, um der angeblichen Lügenpresse die „Münder auszuwaschen“; da fährt er auf seinem rollenden Podium quer durch die USA, um seinen Freund Trump zu fragen, ob er ihn je belogen habe, und am Ende von ihm noch einen innigen Kuss zu bekommen.

Mehr Satire geht nicht.

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