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Happy Birthday, Gloria Steinem!

25. März 2017
Gloria Steinem, 1995 (WikiCommons)

Gloria Steinem in Miami 1995 (WikiCommons)

„We are talking about a society in which there will be no roles other than those chosen or those earned; we are really talking about humanism.“

Eine der einflussreichsten aktiven Feministinnen wird heute 83 Jahre alt:

Happy Birthday, Gloria Steinem!

Die amerikanische Journalistin gründete 1972 die bis heute wichtige Zeitschrift Ms. Magazine, die Vorbild für Emma und viele andere Medien wurde. Schon zehn Jahre zuvor trat sie mit einem feministischen Artikel im Magazin Esquire auf, bevor sie 1963 mit ihrer Undercover-Reportage A Bunny’s Tale. I was a Playboy’s Bunny (scan.pdf) auffiel. Als der „Zweite-Welle-Feminismus“ so richtig am Rollen war, befand sich Steinem überall in der ersten Reihe: National Women’s Political Caucus, Abtreibungsdebatte, Women’s Action Alliance, Kritik an der bürgerlichen Ehe, Women against Pornography, Women’s Voices. Women Vote usw.

Daneben veröffentlichte sie zahlreiche Bestseller, darunter Revolution from Within: A Book of Self-Esteem [dt. Was heißt schon emanzipiert. Meine Suche nach einem neuen Feminismus], Outrageous Acts and Everyday Rebellions [dt. Unerhört. Reportagen aus Ms.], Moving Beyond Words und Marilyn: Norma Jean, eine Monroe-Biografie.

Während einige Männer tatsächlich Steinem für eine Lesbe halten, mag sie für junge Feminist*innen gerade die „alte Schule“ verkörpern: eine bürgerliche, gebildete, weiße, heterosexuelle Cis-Frau, die scheinbar in erster Linie für die Rechte ebensolcher Frauen kämpft. Immerhin war schon ihre Großmutter eine Persönlichkeit der Suffragetten-Bewegung – was Steinem allerdings erst spät erfuhr. Außerdem musste Gloria nach der Scheidung ihrer Eltern nicht nur die kranke Mutter pflegen, sondern neben der Schule für ihr Einkommen arbeiten. Einen Status neben den Elite-Studentinnen am Smith College konnte sie sich nur durch herausragende Noten und Engagement erarbeiten.

Mit Ms.-Co-Founder Dorothy Pitman Hughes, 1972

Der Bourgeois-Stempel passt also ebenso wenig wie die vereinfachende Kritik: „Gloria Steinem is a Transmisogynist„. Viele Gedanken ihrer 60er-/70er-Jahre-Artikel sind definitiv überholt, da sie in einem völlig anderen Kontext standen. Doch ist Steinem selbst ja nicht dort stehen geblieben. Dass sie auch im Alter offen für andere Perspektiven bleibt und sich für heutige Kämpfe einsetzt, zeigt zum Beispiel ihre Antwort an die Trans-Community. Überhaupt ist ihr sehr viel am Austausch zwischen den Generationen gelegen:

„We need to remember across generations that there is as much to learn as there is to teach.“

Stellen wir unserer „Stein-mom“ (Amelia Richards) also ein paar inhaltliche Fragen – ein 5-Minuten-Interview zu Post-Feminismus, Schönheit und Tattoos:

Vielleicht erinnert ihr euch, dass Gloria bei The L Word zu Besuch war auf einem Plausch mit Alice, Dana & Co.

Und die Band Betty hat sie mal live auf der Bühne angekündigt (nicht ohne Verweis auf Kinderarmut). Eine andere L-Word-Alumna traf sie auf der Konferenz der feministischen Video-Plattform Makers:

Steinem-Lynch

mit Jane Lynch auf der Makers Conference 2014

Jane Lynch asked Gloria: “You say that you’re a ‘hope-aholic.’ What makes you hopeful?” – “What makes me hopeful is just listening. Because I’m accidentally recognizable as part of a movement, I get to hear stories. People come up to me in the street, in the supermarket, in the airport and tell me how their lives have changed. It’s just so incredibly, incredibly moving.” (aus: Jennifer Aniston interviews feminist icon Gloria Steinem)

Für alle, dies mehr wissen wollen, gibt es hier ein langes CBS-Gespräch mit Gayle King, anlässlich der HBO-Doku Gloria: In Her Own Words (erst Intro zum Film, Gespräch ab 10:50): über Aktivismus, Weiblichkeit, Ehe, Altern und „instant friendship“.

„The future depends entirely on what each of us does every day; a movement is only people moving.“

“So whatever you want to do, just do it…Making a damn fool of yourself is absolutely essential.”

Darum geht’s hier nämlich: Geschichte umschreiben und Geschichten neu schreiben.

Denn nicht zu vergessen: auch Avengers haben Idole!

From Daredevil #91, by Gerry Conway and Gene Colan.

 

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