Musik

Konzerteindrücke: Agnes Obel plus Lisa Hannigan

15. November 2016

© Franziska Donath

Am Montagabend durften Politik & Alltag kurz vergessen werden mit einem sehnsuchtsvollen Blick auf den „Supermond“. In Berlin fand das astronomische Ereignis eine musikalische Spiegelung: Agnes Obel trat im mondweißen Catsuit plus Glitzerkörperpuder auf die Bühne des Admiralspalasts, um ihr drittes Album Citizen of Glass vorzustellen. Anstelle verschwommener Himmelsschnappschüsse präsentieren wir euch hier ein paar original Eindrücke aus dem alten Theatersaal an der Friedrichstraße (alle Fotos von Franziska Donath).

© Franziska Donath

Den Abend eröffnete die Irin Lisa Hannigan, die nach drei Alben (aktuell At Swim) längst eigene Fans um sich scharen kann. Ihr einsames Duett mit der Gitarre hatte eine erstaunliche Präsenz und beeindruckte auch das steife Novemberpublikum. Im nur halbstündigen Auftritt konnte sich die klare Poesie ihrer Lieder so gut entfalten, dass er mit einem fast überrascht klingenden Jubel und einer entzückten Musikerin endete.

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Über Hannigan strahlten die Lampen noch passend zum minimalistischen Auftritt ruhig auf die Bühne; nur der Lurexpulli glitzerte ein wenig. Als nun Agnes Obel und ihre Musikerinnen übernahmen, änderte sich die Lichtstimmung mit jedem Stück dramatisch und ließ die weiße Kleidung der vier Frauen zu Leinwänden werden. Kein Zufall, sind doch die schwermütigen Lieder der Wahlberlinerin eine ebenso dankbare Projektionsfläche für tiefe Emotionen.

© Franziska Donath

Natürlich bleibt bei Agnes Obel das Klavier das zentrale Instrument – neben dem herzerweichenden Gesang. Dabei war das Klavier mal ein E-Piano und mal ein Trautonium, der Ur-Synthesizer. Die Begleiterinnen wechselten ebenso die Mittel. Vor allem sorgten zwei wunderbare Celli und die E-Drums der Klarinettisten für Atmosphäre. Auch am Backgroundgesang waren alle drei beteiligt. Anders übrigens als auf der Platte, dessen erste Single Familiar von Obel in allen Stimmlagen gesungen wird.

Da ihr euch gerade eingehört habt, lege ich gern noch das neu veröffentlichte Video It’s Happening Again drauf.

Das Lied, dessen Text (samt digitalem Sternenhimmel im Clip) wie ein ironischer Verweis auf den Supermond wirkte, gehörte beim Konzert zu den Stücken, die eine reifere Agnes Obel zeigten. Während ihre ersten beiden Alben schmerzhaft die eigene Seele entblößten (oder zumindest so rezipiert werden konnten), dominiert nun eine reflektierte Haltung. Was lediglich bedeutet, dass mir, im Vergleich zu früheren Konzerten, erst spät Tränen in die Augen stiegen. Wer leise Schwermut liebt, wird auch diesmal glücklich werden.

© Franziska Donath

Der musikalischen Wirkung taten der dichte Bühnennebel und die kontrastreiche, dunkle Lichtshow im Admiralspalast nicht nur gut. Von Nahem wirkte es mitunter technisch überladen. Bis in die hinteren Reihen reichte die Stimmung nicht immer, dort wurde laut über den Sound gemosert. Etwas, das die „neue“ Agnes, nach Jahren in dieser Stadt, ungerührt schmunzelnd konterte. Denn davon handelt Citizen of Glass: Wann es klüger ist, sich Trojan Horses zu bedienen: „Silent reader of my mind, do you know what I will ask you to?“

© Franziska Donath

Ob golden oder blue, ob Clubsession oder Philharmonie, ich freue mich auf das nächste Wiedersehen mit Agnes Obel.

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Musikvideo-Mittwoch: Agnes Obel II.

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