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Marvel At Its Best: Doctor Strange

24. Oktober 2016

The English version of this review can be found here

Zugegeben: Ich habe versucht eine objektive Review über mein jüngstes Kinoerlebnis zu schreiben. Problem ist nur, dass das bei meiner Ausgangsposition nicht ganz geklappt hat. Schließlich habe ich mich auf das neueste Marvel-Abenteuer Doctor Strange schon gefreut, seit angekündigt wurde, dass Benedict Cumberbatch die Titelrolle übernimmt – und Tilda Swinton eine weitere Hauptrolle. Meine beiden Lieblingsschauspieler in einem Film, das ist noch immer ein Gedanke, der mich hibbelig macht. Selbst die Kontroversen, die dem Film vorausgingen – Swintons Figur ist in der Comicvorlage eigentlich ein alter, asiatischer Mann – , konnten meine Freude kaum eindämmen.

Sinnlos also, jetzt so zu tun, als hätte ich vor dem Film nicht ein paar der Comics gelesen, oder zu verschweigen, dass ich vor Aufregung einen ganzen Tag lang kaum etwas essen konnte und hinterher noch stundenlang richtig aufgedreht war.

Ich wäre schon zufrieden gewesen, wenn der Film sich am Ende als durchschnittlich herausgestellt und mir ein paar schöne Szenen mit Swinton und Cumberbatch beschert hätte. Doctor Strange hat es allerdings geschafft nicht nur meine Erwartungen zu erfüllen – er hat es geschafft mich regelrecht zu begeistern.

Bereits die ersten Szenen bereiten die Zuschauer auf Großes vor: Nichts Geringeres als Dimensionen werden während der beeindruckenden Kampfszenen zwischen The Ancient One (Tilda Swinton) und Kaecilius (Mad Mikkelsen) geformt, verändert und verwoben. Erst danach lernen wir den Protagonisten Stephen Strange an seinem Arbeitsplatz, während einer OP kennen und können die nächsten Zeit erst einmal ein wenig Luft schnappen.

Doctor Stephen Strange ist ein begabter, wenn auch extrem arroganter Chirurg, der mit Preisen überhäuft wurde, weil er das Unmögliche mehr als einmal möglich machte. Auf dem Weg zu einem dieser besagten Preise, macht Strange den Fehler, während der Autofahrt dorthin auf sein Handy zu gucken. Er verliert Kontrolle über sein Auto, es fliegt eine Klippe herunter und Stranges Hände werden beim Aufprall zertrümmert. Etliche Operationen an seinen Händen später, die Strange sein gesamtes Vermögen kosten, scheint er alles verloren zu haben, selbst seine Exfreundin Christine, die sich nach dem Unfall weiter um ihn gekümmert hat, hat er aus seinem Leben vertrieben. Gerade, als er nicht mehr weiter weiß, erzählt ihm sein Therapeut von einem ehemaligen Patienten, der nach einem Trip nach Kathmandu plötzlich wieder laufen und schmerzfrei leben konnte. Strange sammelt sein letztes Geld zusammen und macht sich auf die Reise.

 

Als The Ancient One und Stephen Strange dann endlich aufeinander treffen, kann man den beiden Schauspielern nur bewundernd dabei zusehen wie gut sie ihr Handwerk beherrschen. Swinton spielt The Ancient One mit einer Coolness, die ihres gleichen sucht, während Cumberbatch den inzwischen von ihm perfektionierten Part des arroganten Genies gibt.

Wenig später zeigt der Film dann, wie genau sie die verschiedenen Dimensionen aus den Comics umgesetzt haben und wie nah sie dabei tatsächlich an der Vorlage geblieben sind. Ein Fantasytrip, wie ich ihn noch nie gesehen habe.

The Ancient One willigt nach einigem Hin und Her schließlich ein, Strange zu unterrichten. Der nimmt seine Rolle als Schüler sehr ernst und wird in relativ kurzer Zeit einer der belesensten und begabtesten in der Gruppe um The Ancient One. Zu diesem Zeitpunkt will er allerdings eigentlich immer noch nur eines: die Kontrolle über seine Hände und sein altes Leben zurück. Bis er Magie wirklich beherrscht, der Sorcerer Supreme wird und die Welt beschützt, ist es noch ein sehr langer Weg. Auch, bis wir einen ganz bestimmten Umhang kennen lernen und sofort ins Herz schließen. „The Cloak of Levitation“ ist zwar zu großen Teilen Comic Relief, aber definitiv der kleine, heimliche Star des Films.

 

Doctor Strange ist eine solide Basis für weitere Filmabenteuer mit ihm im Marvel Universum, die dabei den Wurzeln der in den Comics erzählten Geschichten sowohl inhaltlich als auch visuell treu bleibt. Eine Szene in der Strange von Christine operiert wird und er mit ihr währenddessen durch sein astrales Ich kommuniziert, wurde zum Beispiel direkt aus dem Comic The Oath übernommen.

Sowohl Fans von Stephen Strange als auch Neulinge können von dem Film mitgerissen und begeistert werden. Das liegt nicht nur am Plot, den Effekten oder Cumberbatch und Swinton, sondern auch dem Rest der Besetzung. Chiwetel Ejiofor als Mordo, Rachel McAdams als Exfreundin Christine, Benedict Wong als Bibliothekar/Mönch Wong und Bösewicht Mads Mikkelsen liefern alle eine gute Performance ab.

Marvel's DOCTOR STRANGE L to R: The Ancient One (Tilda Swinton) and Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) Photo Credit: Film Frame ©2016 Marvel. All Rights Reserved.

©2016 Marvel. All Rights Reserved.

 

Eine Empfehlung, die ich wohl das erste und letzte Mal mache, ist außerdem sich Doctor Strange in 3D und IMAX anzusehen. Als jemand, die bei 3D Filmen den feschen Brillen-Doppelschlag tragen muss und auch sonst kein großer Fan von diesen Effekten ist, war ich erstaunt, wie gut die Technik für diesen Film umgesetzt wurde. Auch wenn ihr, im Gegensatz zu mir, vielleicht ganz cool in den Kinosaal spazieren könnt und nicht ständig happy auf eurem Sitz hin und her rutschen werdet, sei euch dieses zweistündige Kinoerlebnis wärmstens ans Herz gelegt.

★★★★

Kinostart: 27.Oktober

dr-strange-poster

Eine der besten Dinge übrigens, wenn deine zwei Lieblingsschauspieler in einem Film sind? Sie machen zusammen die Promotour! In den letzten Tagen wurde ich nicht nur Zeuge davon, wie Cumberbatch und Swinton zusammen völlig gejetlagged Jenga spielen (25 perfekt investierte Minuten!), sondern auch so schöne Momente wie diese hier:

http://cumberbatchlives.tumblr.com/post/151753406007/benedict-being-interviewed-in-hong-kong-x

 

http://cumberbatchlives.tumblr.com/post/151758841617/x

Hach. So viel Liebe.

Viel Spaß im Kino!

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