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Lovely Birthday Saturday – Amanda Palmer

30. April 2016

HAPPY BIRTHDAY, AMANDA PALMER! We love you!

Charly und Arina feiern zu ihrem 40. Geburtstag zusammen die großartige AFP!

Fuck! Yeah!

Charly: Es ist ein paar Jahre her, dass ich das erste Mal etwas von Amanda (fucking) Palmer auf Kweens gepostet habe – ohne genau zu wissen, wer sie war. Es war ihr Video zu Map of Tasmania, das mich eigentlich mehr wegen des Kontextes ansprach, als alles andere. Ein Song über schamlose Schambehaarung, pun intended – ich war dabei.

Und wie das Schicksal oder einfach nur der Humor des Universums es wollte, war dieser Post der allererste, der je auf Kweens geflattered wurde. Amanda würde das gefallen. Warum? Weil niemand es so gut drauf hat, die Fans zu Crowdfunding im Internet zu animieren wie Amanda. Ihr Album Theatre is Evil wurde komplett von Fans über Kickstarter finanziert und auch heute ist Amanda noch unabhängig von Verträgen und Plattenfirmen. Über das Portal Patreon unterstützen sie heute fast 8000 Leute, so dass Amandas Fans jedes neue Projekt, das sie angehen möchte, mit ca. 36.000 € finanzieren. Aber Amanda nimmt nicht nur einfach das Geld. Es hat sich eine richtige Community auf Patreon formiert, die miteinander kommuniziert, Amandas häufige Blogposts kommentiert, untereinander austauscht und selbst als „Sloths“ tituliert. Ihre Patreon-Seite ist ein kleiner Safespace für selbsternannte Freaks im Internet geworden. Auch auf Facebook kann man sich unter Sloths austauschen: Offiziell und auch inoffiziell!

Aber zu Patreon, zur Ehe mit Neil Gaiman, bis hin zu Baby Anthony und bis zum eigenen Buch war es ein langer Weg. Ein Weg, den ich sie die ganze Zeit am Rande begleitet habe. Denn Map of Tasmania war längst nicht mein erster Song, den ich von ihr kannte. Tatsächlich war es Half Jack von den Dresden Dolls. Eine Freundin hatte mir das Lied geschickt, es fand seinen Weg auf meinen iPod und jedes Mal, wenn es mir geshuffelt wurde, wollte ich mehr von dieser Band hören.

Amanda gründete The Dresden Dolls 2000 zusammen mit Brian Viglione in Boston. Im September 2003 erschien das großartige (offizielle) Debütalbum The Dresden Dolls. Als selbsternannten Brechtian Punk Cabaret vereinten die beiden Punk mit Kabarett: von dramatisch bis theatralisch über messerscharf und explosiv oder ekstatisch bis melancholisch.

Arina: Mein erster Amanda-Ohrwurm und ein absolutes Lieblingslied ist Coin Operated Boy. Veröffentlicht als Singleauskopplung des ersten Dresden Dolls-Albums, geistert das Lied seit 2003 oder 2004 immer wieder durch meinen Kopf. Und es ist auch so ziemlich das einzige Lied, das ich freiwillig zum Besten gebe, wenn ich gezwungen werde, mich auf Partys am Karaoke zu beteiligen.

Eine Sammlung der frühen Lieder unter dem Titel A Is For Accident war lange Zeit vergriffen, ist aber dank Bandcamp & Co. wieder digital verfügbar – zum Anhören oder Kaufen, so wie (fast) alle Songs und Alben von Amanda Palmer oder The Dresden Dolls.


2006 folgte das zweite Studioalbum Yes, Virginia, 2008 ergänzt durch No, Virginia mit bisher unveröffentlichten Liedern und Material der Yes, Virginia…-Sessions. Nach ihrer großen Tour durch Nordamerika und Europa wurde es ruhiger um das Duo.

2010 erschien Evelyn and Evelyn des gleichnamigen Projekts. Amanda und Jason Webley erzählen die Geschichte eines siamesischen Zwillingspaars, schufen die beiden Figuren Evelyn & Evelyn Neville und wurden dafür teilweise harsch kritisiert und angefeindet. Amanda kommentierte den Fall in ihrem Blog. 2010 veröffentlichte sie Amanda Palmer Performs The Popular Hits Of Radiohead On Her Magical Ukulele – was 2012 dazu führte, dass Arina sich eine Ukulele kaufte und ganz selten, dafür aber umso leidenschaftlier darauf spielt.

2011 folgt das Live-Album Amanda Palmer Goes Down Under – aufgenommen im Sydney Opera House, auf dem Adelaide Fringe Festival und in Wellington.

Die legendäre Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter für ihr neues Projekt THE GRAND THEFT ORCHESTRA, das Album Theatre Is Evil, ein Artbook und eine Tour startete im Mai 2012 mit einem Video:

24.883 Unterstützer haben 1.192.793 $ beigetragen, die Verwirklichung des Projekts zu ermöglichen.

Im Februar 2013 sprach Amanda auf einer TED Conference über ihre Zeit nach der Kunsthochschule als The Eight Foot Bride, den „Flop“ ihres Albums bei einem Major Lables, wie sie sich aus dem Plattenvertrag herauskämpfte, wie es zu der Crowdfunding-Kampagne kam und wie sie mit Kritikern umging, die ihr das Recht auf weitere Unterstützung aufgrund ihres immensen Kickstarter-Erfolges absprachen.

Dieser Auftritt sollte später der Ausgangspunkt für ihr Buch The Art of Asking (2014) werden.

Part manifesto, part revelation, this is the story of an artist struggling with the new rules of exchange in the twenty-first century, both on and off the Internet. THE ART OF ASKING will inspire readers to rethink their own ideas about asking, giving, art, and love.
– From the inside cover of The Art of Asking

Charly: Mit The Art of Asking ist Amanda ein Buch gelungen, das den Leser*innen ein Kaleidoskop an Gefühlen, Geschichten und Lebensweisheiten in die Hand gibt. Es ist Amandas Art zu sagen: „Ich bin hier, das ist meine Stimme, hier ist mein Abenteuer und wenn du möchtest, kannst du dabei sein. Wenn nicht? No hard feelings.“

Es ist genauso intensiv (manchmal ein bisschen zu sehr), wie die Frau selbst, aber es lässt die Hand der Leser*in nie los. Besonders eindringlich ist das Hörbuch, das Amanda selbst eingelesen hat: Hier kann man ihr dabei lauschen, wie sie von der Zeit erzählt, in der sie als lebende Statue arbeitete, ihren Mentor/besten Freund Anthony kennenlernte, über das Impostersydrom (aka The Fraud Police) quatscht, den Kampf mit dem Recordlabel rekapituliert, sich daran erinnert, wie sie Neil Gaiman begegnete, und ihre Angst vor der Ehe gesteht. Und noch so vieles mehr. Langweilig wird es in keinem Moment.

Here is the thing: all of us come from some place of wanting to be seen, understood, accepted, connected. Every single one of us wants to be believed. Artists are often just…louder about it.

Artists connect the dots – we don’t need to interpret the lines between them. We just draw them and then present our connections to the world as a gift, to be taken or left. This IS the artistic act, and it’s done every day by many people who don’t even hink to call themselves artists.

Everything I’d been doing in my life, artistically, could be summed up like this: PLEASE BELIEVE ME. I’M REAL. NO REALLY, IT HAPPENED. IT HURT.

theartofasking

Arina: Ich muss leider gestehen, dass ich das Buch noch immer nicht vollständig gelesen habe. Einerseits bewegt mich, was Amanda in diesem Buch über sich als Privatperson aber auch ihr Leben als Künstlerin erzählt – viel und ehrlich auch über Zeiten, in denen sie nicht (kommerziell) erfolgreich war und von ihrer Arbeit nicht leben konnte. Auf der anderen Seite ist es mir manchmal ein bisschen zu viel: zu viel von ihrem Innenleben, zu ehrlich, zu intim, zu exhibitionistisch. Ich finde das bewundernswert und inspirierend, aber verstörend und einschüchternd zugleich. Die überragende Leistung ihres TED-Talks und des Buches liegen letztlich darin, zu zeigen, dass um Hilfe zu bitten und zur eigenen Verletzlichkeit und Schwäche zu stehen, die eigentliche Stärke ist.

Charly: Ach ja, 2011 heiratete Amanda Palmer den berühmten britischen Schriftsteller Neil Gaiman. Am 16. September 2015 wurde ihr gemeinsamer Sohn Anthony geboren, was beide am 21. September bekannt gaben:

He was born at 8:37 in the morning on September the 16th, which is, I am told, the commonest birthday in the US. It was a long but rewarding labour. The name on his birth registration is Anthony, but mostly I call him Squeaker. He makes the best noises in the world, mostly squeaks and peeps and snuffles.
Neil Gaiman

after 24 hours of labor at home (well, someone’s home, at least) with three magical midwives and our doula and loving friend, whitney, we’re finally all safely landed on the other side of childbirth…me, neil and little anthony.

someday i’ll tell you the whole story. it was a crazy, beautiful trip.
Amanda Palmer

Bei einem live Q&A mit The Guardian sollte Amanda übrigens beschreiben, wie sie es ist, mit Neil Gaiman verheiratet zu sein – in nur fünf Wörter! Ihre Antwort: „two children in mutual confusion“.

Viel Zeit ließ Amanda sich mit ihrer Rückkehr auf die Bühne aber nicht. Am 29. März stand sie in der City Winery für A String Quartet Evening with Jherek Bischoff, John Cameron Mitchell, Anna Calvi & Amanda Palmer und am 1. April mit Anna Calvi, Jherek Bischoff und the Kronos Quartet für The Music of David Bowie at Radio Music City Hall auf der Bühne:

Dieser Gig, wie auch ihre anderen neuen Tracks inklusive Machete, wurden komplett über Patreon finanziert. Mehr noch: Wer Amanda mit min. 3$ unterstützt hat, konnte die Show live im Stream, sogar mit mehreren Kameras und Pre- und After-Show verfolgen. Näher kommt man ganz sicher keinem anderen (Rock-)Star!

Arina: Dank Patreon beginnt kaum mehr ein Tag ohne eine Nachricht von Amanda auf meinem Handy. Ich schaffe es nicht immer, alles zu lesen, aber ich muss jedes Mal lächeln, wenn ich ihre E-Mails in meinem Postfach sehe. Ich liebe Amanda Palmer, weil sie so offen, genial, direkt, verrückt, mutig und laut ist, wie ich es oft gern wäre. Sie tut einfach all das, was sie tut, selbst wenn sie dafür angefeindet und gehasst wird. Obwohl vieles bei ihr ganz leicht aussieht, gesteht sie offen ein, dass es nicht so ist. Sie ist nicht der strahlende, unnahbare, perfekte Star und sie weiß durchaus, dass sie polarisiert. Aber wenn man sie liebt, dann richtig! Das ist ihr bewusst und dafür liebt und schätzt Amanda ihre Fans umso mehr. Das schreibt und sagt sie oft und jeder kann es spüren – mit jedem Bild, jedem Blogpost, jeder Patreon-Nachricht und jedem Stück Kunst, das sie mit uns teilt.

Charly: Weil ich eben ich bin, erreichte Amanda dann erst so richtig meine Aufmerksamkeit mit ihrem Video zum Song Do it with a Rockstar auf. Warum? Naja:

Seitdem ist es ein stetes Verlieben in eine Frau, die sich nie vom Berufswunsch „Rockstar“ hat abbringen lassen, die ihre Kunst und Fans über alles liebt. Eine Frau, die sich nicht scheut zu sagen, dass sie als Pro-Dom und unter dem Strippernamen „Berlin“ gearbeitet hat, um Geld zu verdienen. Sie ist ein außergewöhnlicher Mensch, deren Musik mich happy, traurig, beschwingt oder nachdenklich stimmt, deren Mut ihr Leben so zu leben, wie sie und niemand anderes es ihr vorschreibt, immer wieder inspiriert. Amanda Palmer ist laut, unangenehm, kratzbürstig und gleichzeitig liebevoll, verletzbar und deine Freundin, ohne, dass du sie kennen musst. Aber vor allem ist Amanda fucking Palmer … Amanda fucking Palmer!

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Amandas Buch auf Deutsch:

The Art of Asking im Original
Das Hörbuch zu The Art of Asking, gelesen von Amanda

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