Lovely Saturday Serien

Lovely Saturday – Miss Phryne Fisher

26. März 2016

MsFisher

Vor Miss Fisher’s Murder Mysteries muss gewarnt werden. Diese auf den ersten Blick etwas seichte australische Krimiserie kann eine akute Obsession auslösen. Folge für Folge werden hier Morde aufgeklärt von einer Person, die das komplette Gegenbild zu Miss Marple ist. Phryne Fisher ist neureich, sophisticated, extravagant, schlagfertig und vor allem kick-ass. In den Roaring Twenties kommt sie von London nach Melbourne und beschließt Privatdetektivin zu sein.

Mit kriminalistischem Gespür und einer unerschöpflichen Garderobe steht sie Inspektor Jack Robinson zur Seite, ob er nun will oder nicht (natürlich merkt er bald, dass er will). Genau genommen ist sie ihm stets zwei Schritte voraus, selbst wenn der Weg über den Zaun oder aufs Dach führt. Nebenbei kommt sie dem jahrzehntelang unaufgeklärten Verschwinden ihrer Schwester auf die Spur.

 

Neben der unwiderstehlichen Miss Fisher wachsen auch die anderen Figuren ans Herz. Jacks Phlegmatismus hat seinen eigenen Charme. Immer wieder kommt er, um Miss Fisher zu retten – die sich just zuvor immer wieder selbst rettet. Trotz ihrer zahlreichen intimen Männerbekanntschaften pflegt sie einen intensiven Dauerflirt mit Jack.

Phrynes Assistentin Dorothy „Dot“ Williams macht eine herrliche Entwicklung durch, vom verängstigten Hausmädchen zur selbstbewussten Detektivin, die selbst ihren Priester in der Hand hat.

Und da wäre noch Dr Elizabeth „Mac“ Macmillan, Phrynes älteste Freundin. Die geniale Ärztin, stets im Hosenanzug, ist den Freuden des Lebens sowie den Frauen nicht abgeneigt. Leider ist sie erst in der 3. Staffel regelmäßig dabei. Eindruck macht sie aber schon ab der Pilot-Folge.

Neben dem regulären Cast tauchen auch in einzelnen Folgen unkonventionelle Figuren auf, denn die Fälle führen in allerlei Subkulturen und Parallelwelten. Eine tote Intersex-Person, eine lesbische Mörderin, perspektivlose Aboriginies usw. zeigen bei aller Diversity allerdings doch nur, dass Freiheit den Privilegierten vorbehalten ist.

Trotz all der Bonmots ist nicht zu vergessen, dass die Serie zwischen Erstem Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise spielt – mit einem deutlichen Augenzwinkern.

Das bezaubernde Gesicht von Essie Davies erinnert ihr vielleicht von kleinen Rollen aus Girl with a Pearl Earring, Matrix oder Baz Luhrmanns Australia. Im vielgelobten Horrorfilm Babadook spielte sie 2014 eine Hauptrolle. Ab April wird sie in der 6. Staffel von Game of Thrones zu sehen sein. Nach ihren turbulenten Auftritten als Miss Fisher traut man ihr sowieso alles zu.

Wie es bisher aussieht, hat sich Miss Fisher nach drei Staffel leider endgültig verabschiedet. Wir müssen also andere Wege finden, um sie weiter leben zu lassen.

Wer die Charaktere und Ploteinfälle liebt, kann sich auf die zugrunde liegende Romanserie von Kerry Greenwood stürzen (siehe phrynefisher.com): ganze 20 Krimis plus ein Band mit Stories!

Wer sich eher für die atemberaubenden Kleider und Scenerien begeistert, sollte eine Melbourne-Reise in Erwägung ziehen. Dort lassen sich viele der original Drehorte besuchen und eine Ausstellung der Kostüme, Requisiten usw.: Miss Fisher’s Murder Mysteries Costume Exhibition.

Und wer einfach Phryne Fisher vergöttert, kann ihr Tag für ein Tag ein wenig näher kommen: mit furchtloser Neugier, extravaganten Outfits …

… und dem richtigen Lebensmotto (übernommen von Phrynes Zeitgenossen Cole Porter): Let’s Misbehave!

 

Staffel 1 gibt es bei Netflix, Amazon Video und als deutsche DVD, alle drei Staffeln als Import-DVD.

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