Filme Lovely Saturday

Lovely Saturday – Sidse Babett Knudsen

6. Februar 2016
DoB

© Salzgeber

Zum DVD-Release von Duke of Burgundy möchte ich euch dieses bestechende Stück Filmkunst vorstellen – und die unübertreffliche Sidse Babett Knudsen, die mit der Italienerin Chiara D’Anne den gesamten Film trägt.

Ein lesbisches Erotikdrama aus männlicher Feder, Kamera und Regie ruft zunächst ein wenig Skepsis auf. Doch Peter Stricklands Zweitling erschafft eine märchenhafte Welt, in der Männer komplett abwesend sind und Frauen alle Facetten der Macht selbst ausspielen.

Erstmal fängst alles ganz hübsch und harmlos an, mit einem bezaubernden Liedchen:

Dann tut sich ein Machtgefälle zwischen den beiden Frauen auf, das ganz anders aussieht, als zunächst angedeutet. Die elegante Cynthia ist eine erfolgreiche Insektenforscherin, die kokette Evelyn scheinbar ihre Hausangestellte – oder doch ihre Studentin? Nein, ihre Geliebte. Bald zeigt sich, dass beide in einem routinierten Rollenspiel agieren, wobei Dominanz und Subdominanz einen genauen Gegensatz zu den wahren Verhältnissen der Beziehung darstellen. Evelyn  ist es, die im unterwürfigen Spiel das Vertrauensverhältnis bis zum Letzten ausreizt.

Zeitlich und räumlich nicht genau verortbar – die Akzente, der Soundtrack, die alte Schreibmaschine, die modernen Dessous, die wenigen distanzierten Nebenfiguren – ist die Handlung aller realen Sorgen entrückt. Die erotische Spannung steht ganz im Mittelpunkt. Die Kamera hält die perfekte Wage aus Distanz und Nähe. Selbst die Handwäsche wird poetisch äthetisiert. Gegen Ende kippt der Film fast zu sehr ins Surreale. Die Entladung der bedrohlichen Stimmung wird dafür umso emotionaler.

© Salzgeber

Neben den kunstvoll ausgeleuchteten Bildern von Wald und Insekten, dem Anwesen und seinen schönen Bewohnerinnen beeindruckt vor allem das Minenspiel von Babett Knudsen. Ihr Blick drückt nie nur eine Emotion aus, sondern spiegelt die ganze Ambivalenz der Beziehung, ihre Kraft und Zerrissenheit.

© Salzgeber

Der inszenierte Dominanzkampf und auch die überbordende Inszenierung selbst dienen letztlich einer großen Liebesgeschichte in einer reiner Frauenwelt.

© Salzgeber

Wer die charismatische Knudsen bisher verpasst hat, wird sich spätestens nach dem Duke in ihrer Filmografie umsehen.

2001 versuchte sich die gebürtige Kopenhagenerin noch als nordische Amélie – in Monas Verden (Monas Welt).

Ein paar Jahre & Filme später – darunter das Drama Nach der Hochzeit (2006) mit Mads Mikkelsen

… wurde sie zur mächtigsten Person Dänemarks: „Babett Knudsen is taking over.“

Zumindest übernahm sie diese Position im Fernsehen, dank der international erfolgreichen Politserie Borgen (2010-13), wo sie die erste dänische Premierministerin spielt. Trotz der politischen Intrigen und privater Grabenkämpfe bleiben ihr Markenzeichen das bestechende Lächeln…

© Entertainment One

… und klare Standpunkte.

© Entertainment One

Dass sie nach diesem Machtspiel schließlich als eleganteste Domina der queeren Kinogeschichte besetzt wurde, ist da nur konsequent.

Zuletzt spielte sie neben dem französischen Star Fabrice Luchini in der Romanze L’Hermine (2015) und die historische Schauspielerin Johanne Luise Heiberg in der Serie 1864. Wünschen wir ihr noch viele solch unvergesslicher Auftritte!

Sidse-Babett-Knudsen-2

© ASCOT ELITE

DUKE OF BURGUNDY, UK 2014, 106 Min., engl. OmU, jetzt auf DVD bei Edition Salzgeber (Bonus: Booklet, Deleted Scenes, Kurzfilm Conduct Phase (1996), Audiokommentar, Interview)

 

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