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Lovely Saturday: Janis – Little Girl Blue

16. Januar 2016

“Don’t compromise yourself. You’re all you’ve got.”

Janis Joplin war schon vor über 20 Jahren meine ganz große Heldin. Fast alles, was mich musikalisch begeisterte, stammte bis dahin von Männern. Sängerinnen, die ich damals kannte, packten mich emotional einfach nicht. Doch dann hörte ich auf der selbstüberspielten Musikkassette einer Schulfreundin den umwerfenden, ergreifenden Gesang von Janis.

Mit nur vier Alben wurde Janis zur Rocklegende, zu denen bis heute nur sehr wenige Frauen gezählt werden. Ebenso faszinierend wie ihre unsterbliche Musik ist nachwievor das kurze Leben der Musikerin, die am 19. Januar 73 Jahre alt geworden wäre. Die kalifornische Dokumentarfilmerin Amy Berg (Jg. ’68, mit Emmy prämiert, für Oscar nominiert) hat nun das erste Kino-Porträt zusammengestellt. Benannt ist der am Donnerstag gestartete Film nach dem Lied Little Girl Blue:

So passend der traurige Titelsong ist: Amy Berg wiederholt weder das Klischee des kaputten Junkie-Mädchen mit schwerer Kindheit noch betreibt sie Spekulationen über den plötzlichen Tod. Stattdessen versucht sie der Person wirklich nahe zu kommen und ihr Leben zu verstehen. Dafür interviewte sie Familienmitglieder, vor allem Janis‘ jüngeren Geschwister, sowie Musiker, Freunde und Liebhaber_innen. Durch langwierige Recherchen (8 Jahre!) konnte sie viele private Briefe, Film- und Audiomaterial auftreiben, was sie alles zu einem vielstimmigen Bild zusammenstellte. Die dominante Stimme ist dabei Janis selbst: in ihren Live-Auftritten und den von Chan „Cat Power“ Marshall vorgetragenen Briefen.

© Fantality Corporation

Chronologisch (einer metaphorischen Zugfahrt folgend) schlägt der Film den Bogen von der rebellischen Jugend bis zum Weltruhm. In ihrer Heimat Port Arthur, Texas, wurde Janis wegen ihres Engagements für die Bürgerrechtsbewegung und vor allem wegen ihres Äußeren gemoppt. Noch im College diffamierte man sie als „hässlich“. Erst in San Francisco findet sie Freunde und kann ihr großes Talent ausleben. Mit der Band Big Brother and the Holding Company hat sie auf dem legendären Monterey Festival 1967 den Durchbruch. Mit wachsendem Durchsetzungsvermögen ging Janis ihren Weg und gründete die Kosmic Blues Band und Full Tilt Boogie. Eine weitere Karriere-Marke war Woodstock 1969.

Doch schon in Woodstock war sie von Heroin und Alkohol kaputt, hatte Ausnüchterungen hinter sich – und begeisterte trotzdem die Massen, für die sie gleich zweimal auf die Bühne geholt wurde. Amy Berg erzählt auch Janis‘ private Seite, von der tiefsitzenden Unsicherheit, der ewigen Suche nach Liebe und auch dem scharfen Verstand. Nach ihrem 27. Geburtstag fühlt Janis sich selbstsicherer denn je. Sie fährt sogar in ihre Heimat zum zehnjährigen Highschool-Treffen – mit Federboa im Haar. Im Urlaub trifft sie den Weltenbummler David, der sich nicht in den Star, sondern in die schöne Unbekannte verliebt.

Am 4. Oktober 1971 stirbt Janis allein in ihrem Hotelzimmer in L.A. an einer Überdosis.

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© Getty Images

„… mein Film sollte so sein als wäre sie noch am Leben und sei es nur für zwei Stunden.“ (x)

Daher lässt Amy Berg erst im Abspann verschiedene Musikerinnen davon schwärmen, wie einflussreich Janis war: Melissa Etheridge, Pink, Juliette Lewis.

„I want people to think about how much Janis has influenced women in general. I want them to have a greater understanding of Janis, as she is so much more than a woman who drank Southern Comfort and died of an overdose.“ (x)

In diesem Interview, das eher ein langes Gespräch zweier Freundinnen ist, erzählt Amy Berg von der Entwicklung des Projekts. Einige Filmausschnitte sind auch zu sehen:

Mit einem kratzig-herzhaften Lachen entlasse ich euch in ein groovy Wochenende!

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