Filme Queer Life

Bittersüße Trans-RomCom: Two 4 One

6. November 2015

„… there’s a thousand different ways to make a family.“ (x)

Seit den frühen Kweens-Tagen hält sich das Gerücht, wir würden über Insemination schreiben. Tatsächlich liegt uns beiden diese Zeugung „auf konventionell lesbische Art“ (Tania Witte) völlig fern. Doch wie es die Ironie des Schicksals will, soll es im Folgenden schon zum zweiten Mal um ungewollte (!) Besamung gehen. Nachdem Jane the Virgin aus dieser Prämisse eine gleichzeitig satirische, kitschige und queere Serie wachsen ließ, hat sich die genderqueere kanadische Filmemacherin Maureen Bradley von einem Ratgeberbuch zu einer RomCom inspirieren lassen:

“If you’re inseminating with a trans man who isn’t on hormones or with another woman, be careful.” (x)

Maureen Bradley

Ihr Spielfilmdebüt Two 4 One erzählt von Adam (Gavin Crawford), der noch mitten in seiner Transition zum Mann steckt, als seine Ex-Freundin Miriam (Naomi Snieckus) ihn verführt – um dabei eine künstliche Befruchtung durchzuführen. Dass sie es hinter dem Rücken ihrer Fast-Frau tut, ist weniger ein Treueproblem (Miriam schwört auf Polyamorie) als eine Frage gegensätzlicher Lebenspläne. Adam hat mit neuem Job und alten Studiendarlehen, unregelmäßiger T-Einnahme und geplanter Phalloplastik eigentlich ganz andere Sorgen, als er feststellen muss, dass er beim One-Night-Stand selbst schwanger wurde. Miriams Leben gerät ebenfalls ins Schwanken …

liquorisquicker

Was in der Plotzusammenfassung nach postmoderner Screwballkömodie klingt, zeigt Two 4 One als bittersüße Selbstsuche der Hauptfigur. Adams Geschichte ist einmalig und nervenaufreibend – so wie die von jede_r von uns. Die Wahrhaftigkeit liegt sowohl in den Downs (beispielsweise übernimmt die Krankenkasse keine Abtreibungskosten für eine männlich gemeldete Person) als auch in den Ups: Das Trans-Coming-Out gegenüber seinen vermeintlich verstockten Ingenieurkollegen ist eine der natürlichsten und schönsten Szenen („Don’t tell me you’re vegan!“). Adams herzliche Mutter (Gabrielle Rose) bereichtert den Film mit unkonventioneller Direktheit. Dazu gibt es die queere Sicht auf Maskulinität, die „biologische Uhr“, Körpernormen oder den kinderkompatiblen Beruf (siehe Schild oben).

Comedy is subversive. I think when people can laugh, they’re more receptive and they’re more open, and they’re more willing to hear an opinion or see someone’s life that’s slightly different from theirs. – Maureen Bradley (x)

Die schmale Repräsentation von FTMs ist dank Bradley um einen charmanten kleinen Indiefilm mit glaubhaften Figuren erweitert. Cast und Budget geben ihr Bestes – von der Küstenlandschaft British Columbias ganz zu schweigen.

Two 4 One ist seit 23.10. bei iTunes zu bekommen, weitere Plattformen sollen folgen. Und haltet die Augen auf nach Festivalterminen.

 

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