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Lovely Saturday – Louise Brooks

8. August 2015

I have a gift for enraging people, but if I ever bore you it will be with a knife.

Louise Brooks und wie wir sie gern in Erinnerung haben: als selbstbewusste Draufgängerin mit Bubikopf und frechem Schmunzeln. Dabei verkörpert sie in ihren beiden berühmtesten Rollen Paradebeispiele von Männerfantasien. Als Femme fatale und „gefallenes“ Mädchen wurde die Amerikanerin in den deutschen Melodramen von G.W. Pabst (120. Geburtstag am 27.8.) bekannt.

In Hollywood war ich ein hübsches flatterhaftes Ding … In Berlin wurde ich zur Schauspielerin.

Passbild der 18-jährigen Louise (1924)

Aus dieser kleinen Tänzerin wurde vorübergehend eine beliebte Stummfilmdarstellerin. Tatsächlich drehte sie zwischen 1925 und 1929 fast doppelt so viele Filme wie in den Tonfilmjahren danach. Zudem erschienen ihre Fotos in allen Mode- und Gesellschaftsmagazinen.

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Nach 1938 stand sie gar nicht mehr vor der Kamera – wenn man von einigen Interviews absieht. Nach vielen Jahren als Tänzerin, Verkäuferin, Gesellschaftsreporterin wurde sie durch die Wiederentdeckung ihrer Filme ermuntert, kritische Artikel über ihre eigene Karriere, Hollywood und andere Stars zu verfassen. Ihr Buch Lulu in Berlin und Hollywood bekam 1982 einige Aufmerksamkeit und verkaufte sich blendend.

Die autobiografische Texte sind fern von idealisierender Nostalgie:

How I have existed fills me with horror for I failed in everything. Spelling, arithmetic, writing, swimming, tennis, golf, dancing, singing, acting, wife, mistress, whore, friend, even cooking. And I do not excuse myself with the usual escape of not trying. I tried with all my heart.

Nach von Krankheit und Zurückgezogenheit geprägten anderthalb Jahrzehnten starb Louise Brooks 1985 in Rochester, New York – genau heut vor 30 Jahren.

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Zur Legende von androgyner Schönheit und skandalösen Rollen wurde sie durch Szenen wie Lulus Tanz mit Gräfin Augusta Geschwitz (Alice Roberts) …

… oder eben das Tagebuch einer Verlorenen (1929). Hier Szenen aus einem Heim, in das sie als unverheiratete Mutter gezwungen wird und dem sie als Prostuierte den Rücken kehren wird, um schließlich durch Heirat und Erbschaft rehabilitiert selbst „gefallenen Mädchen“ zu helfen.

https://youtu.be/d5I7o_Jyg50

In beiden Filmen ist Louise  mädchenhaft, aber burschikos und flirtet nicht zu schüchtern mit Frauen. Harmlos noch als Annäherungen im Erziehungsheim.

In der Wedekind-Verfilmung Die Büchse der Pandora (1929) stürzt sie dann als Lulu Männer wie Frauen ins Verderben – und erlebt selbst ein unglückliches Schicksal durch die Hand von Jack the Ripper.

Ab ins Schimmbad – beim Dreh von Louises erstem Tonfilm und einzigem französischen Film, bevor es zurück nach Hollywood ging, Prix de Beauté von Augusto Genina:

Es lohnt auf Youtube zu stöbern, um zahlreiche Dokus und Interviewausschnitte mit Brooks zu finden.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Louise Brooks Society: http://www.pandorasbox.com/

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