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Lovely Saturday – Maren Kroymann

18. Juli 2015

© Bettina Rust

Bevor die Kroymann morgen ihren Geburtstag feiert, wünschen wir heute schon: Alles Gute zum 66sten, Maren!

Weil es niemand anderes besser könnte, singt sie sich ihr Ständchen gleich selbst. In ihrem aktuellen Programm In My Sixties findet sich neben queeren Liedern von Dusty Springfield und Pet Shop Boys auch Catherine Deneuves Chanson aus François Ozons 8 Frauen. Ebenso elegant wie das Original!

„Ich habe das Gefühl, postklimakteriell jetzt gut Röcke anziehen zu können. Die Zuschreibung von Weiblichkeit ist vorbei. Ich kann auf der Bühne sexy Abendkleider anziehen, Bein zeigen, ohne dass ich ein Geschlecht desavouiere oder die Frauenbewegung. Ich bin einfach zu alt, um die Tussi zu sein…“ (Freitag)

Und noch ein Schnappszahlenjubiläum gibt es: Seit 44 Jahren lebt Maren Kroymann in Berlin. Aufgewachsen ist sie in Tübingen mit Berliner Eltern – daher „gewissermaßen zweisprachig“. Dem kleinstädtischen Professorenhaushalt entkommt sie ins linke West-Berlin, wo sie den Freundinnen aus Sozialistischem Frauenbund und feministischem Chor wiederum mit ihrem ersten Bühnenprogramm Auf Du und Du mit dem Stöckelschuh vor den Kopf stößt.

„Provokation hat mir immer Spaß gemacht. Es ist schön, wenn die Leute sich aufregen“ (taz)

Seit 1982 gab sie in besagtem Programm augenzwinkernd musikalische Frauen-Aufreiß-Tipps:

Schon 1993 ließ sie sich dann mit Susanne Elvers für den Stern als Paar ablichten, damals sensationell. Auch ihre langjährige Beziehung mit der Regisseurin Claudia Müller (Foto) war von Anfang an öffentlich. Das Comig-Out brachte ihr nur eine kurzzeitige Karriereabkühlung ein, aber einen langjährigen Ruf als Pionierin für geoutete deutsche Promis, derer es ja bis heute nicht gerade viele gibt.

Letztlich gab die zwischenzeitliche Flaute an Mutter-Rollen (wie in Oh Gott, Herr Pfarrer und Vera Wesskamp) wohl den nötigen Anstoß für Nachtschwester Kroymann, womit sie von ’93 bis ’97 als erste Frau eine eigene Satiresendung im deutschen Fernsehen hatte. Ihr Fokus waren vor allem „Frauenthemen“ – ein Sketch-Klassiker aus Nachtschwester Kroymann anno 1996:

Apropos Klassiker: Maren als literaturbegeisterte Kosmetikberaterin.

Als die Sendung abgesägt war, wurde Maren wieder Mutter: als unkonventionelle 68erin in Mein Leben und ich. („Ich kann prima Mütter spielen, ich bin zwar keine, aber ich hatte ja eine.“) Neben diversen Krimis und Komödien folgten auch heikle Themen wie das Drama Das Fremde in mir (Regie: Emily Atef) über postnatale Depression, die schwule Polizistenliebe in Freier Fall, der Lehrfilm Die Welle und das abgründige Verfolgt von Angelina Maccarone:

Zuletzt drehte Maren die ARD-Satire Familie verpflichtet – als Jüdin, die die schwule Hochzeit ihres Sohnes verhindern will, wurde sie nicht zufällig besetzt: „Bei homo-affinen Produktionen sorge ich für so eine Art ‚gay credibility‘.“ (Männer)

Mindestens ebenso gefragt sind ihre kabarettistischen Auftritte, für die sie mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurde. Zur Krönung bekam sie im April den Ehrenpreis des Baden-Württembergischen Kleinkunstpreises. In ihrer Dankesrede hält sie mal wieder den Finger in die Wunde:

„Ich frage jetzt aber mal: wo sind die anderen Frauen? Wo sind die schlauen witzigen Frauen, die nicht blond sind, nicht dünn, die kurze Beine haben, die vielleicht älter sind, graue Haare haben oder eine Brille tragen? Die den ganzen Styling-Quatsch aus Prinzip ablehnen? Die besondere Qualifikation, die man braucht für Kleinkunst, Satire, Kabarett ist … für viele, gerade auch im Fernsehen … ein obszöner Begriff: Geist. … Schlaue Frauen haben, wenn sie Karriere machen wollen und die läuft nun mal über das Fernsehen, eine regelrechte Erotikhürde zu überwinden. Wenn sie die nicht schaffen, verschwinden sie in der Versenkung und bleiben auf ewig unsichtbar.“ (x)

Tja, unsichtbar war sie selbst nie und wird es so schnell auch nicht werden. Derzeit ist sie wieder mit dem eingangs zitierten Programm In my Sixties unterwegs. Darin verbindet sie alte Lieder mit autobiografischen Anekdoten und Kabarettistischem. Ihre Tour zu „50 Jahren Pubertät“ ist open air und live zu erleben am 22. August in der Zitadelle Spandau. Oder auch als Konserve auf CD oder Mp3 zu haben.

Auch hier merkt man: Schlager singt sie nicht nur aus Nostalgie, sondern als gesellschaftliches Symptom.

Schlager und Popmusik sagen sehr viel über die Genderthematik und das gerade aktuelle Konzept Frau aus. … Egal welches Programm ich mache, das Frauenbild ist immer der tonangebende Mittelpunkt, der mich interessiert. (blu.fm)

Wer ihre Fernsehkarriere und andere Medienauftritte interessiert verfolgt, findet auf Maren Kroymanns offizieller Webpräsenz oder auf ihrer Facebookseite ständig Neuigkeiten zur umfangreichen Filmographie. Außerdem gibt es da allerlei andere Fundstücke…

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