Lovely Saturday Serien

Lovely Saturday – Sense8

4. Juli 2015

Es grenzt an ein halbes Wunder, dass man die Wachowskis nach Jupiter Ascending nur ansatzweise an ein neuer Projekt herangelassen hat. Schließlich beginnt und endet diese Perle der Filmgeschichte mit Mila Kunis beim Toilettenputzen – mit der Feinheit, dass sie es am Ende irgendwie gern tut. Wer noch mehr wissen will, dem sei der Honest Trailer über Jupiter Ascending ans Herz gelegt.

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Mit Sense8 wagen sich die Geschwister an ein ganz anderes Biest heran. Vermutlich ist es dem Babylon 5-Schöpfer J. Michael Straczynski zu verdanken, dass die Netflix-Serie wirklich äußert unterhaltsam geworden ist. Zudem ist sie so queer, dass ich mich schon in der zweiten Episode fragte, ob ich das alles nicht vielleicht nur halluzinierte. Ein schwules Paar, Heteropaare, Singles, eine umwerfende Transfrau, ein lesbisches Pärchen, alles ist dabei! Genau wie, ihr wisst schon, im richtigen Leben eben.

Die sage und schreibe acht Protagonist_innen haben wirklich ganz andere Sorgen als ihre sexuellen Identitäten. Schließlich entwickelt sich zwischen ihnen allen eine mentale Verbindung, die ihnen erlaubt auf das Wissen und Können jeder der anderen Sensates zuzugreifen. Bis das einigermaßen reibungslos über die Bühne geht, braucht es eine Menge Übung und Zeit.

Die Serie lässt sich genau die richtige Maß an Zeit, um alle diese Figuren miteinander bekannt zu machen, und nimmt uns dazu mit in die unterschiedlichsten Teile der Welt. Angefangen beim Cop Will (Brian J. Smith) in Chicago, der einer seiner Visionen nachgeht …



… und so das erste Mal auf Riley (Tuppence Middleton) trifft, eine isländische DJ, die momentan gerade in London wohnt und auflegt. Zwischen den beiden funkt es bereits auf den ersten Blick.

Anders als bei Wolfgang und Kala. Während Wolfang  (Max Riemelt) in Berlin einen Verwandten zu Grabe trägt, plant Kala ihre Hochzeit mit einem Mann, der zwar liebenswürdig und gesellschaftlich gut situiert ist, den sie aber gar nicht liebt. Die beiden teilen zuerst ihre Emotionen miteinander: Haben plötzlich Hunger auf indisches Essen, hören das Gewitter, dass bei der/dem anderen tobt. Wenn sie sich dann wirklich sehen, dann sieht Kala aka Tina Desai wirklich alles.

Die Serie beginnt, passend zum Release-Datum, im Pride-Monat Juni. Stellvertretend für alle feiert in der Serie das lesbische Paar Nomi und Amanita. Den Zuschauer_innen vorgestellt werden die beiden mit einer ganz besonderen Szene:

 

Sold!

Die beiden gehen im Verlauf der Serie durch dick und dünn: Sie kämpfen gegen eine Lobotomie, die Nomis Familie ihr aufzwingen will, fliehen anschließend vor den Gegnern der Sensates  – und bleiben trotz allem immer das gesündeste, liebenswerteste Paar der Serie! Während Nomi ihre Vergangenheit als Hackerin, pardon, Hacktivist, zugute kommt, zeigt auch Anmanita, dass sie eine gute Watson abgäbe!

Dass Nomi früher Michael hieß, das ist bei all dem fast schon nebensächlich. Nur eines sollte festgehalten werden:

Gespielt wird Nomi dankenswerterweise von einer Transfrau: Die umwerfende Jamie Clayton verkörpert die Rolle perfekt und spielt sich zusammen mit der ehemaligen Doctor Who-Companion Freema Agyeman direkt ins Herz.

Aber das sind noch lange nicht alle der Sense8. Da hätten wir noch den Latino-Filmstar Lito (Miguael Angel Silvestre) in Mexiko, der hinter seinem großen Machoimage heimlich eine Beziehung zu einem Mann (Alfonso Herrera) führt. Wie lange sowas gut geht, das zeigt die Serie anhand einer etwas wirren Beard-Storyline, die trotz allem irgendwie Spaß macht.

Besonders schön ist allerdings die Folge, in denen Lito die hormonellen Auswirkung einer Periode mitfühlen muss und sich sicher ist: Er wird sterben.



„Schuld“ ist an diesen Leiden ist die toughe Koreanerin Sun (Doona Bae), die von ihren männlichen Familienmitgliedern weitestgehend ignoriert wird, aber auf Profilevel Kickboxen und Martial Arts beherrscht.

Das ist auch der Moment, in dem sie Capheus (Ami Ameen) das erste Mal begegnet und ihn mit ihrem Können das Leben rettet. Capheus aka Van Damme kämpft sich mit guter Laune in den Slums von Nairobi durch ein Leben, das geprägt ist von Korruption und der Aids-Erkrankung seiner Mutter.

Während sich andere Serie an die strikten Regeln ihres Senders halten müssen, scheint Netflix für alles grünes Licht zu geben. Nicht nur den nackten Max Riemelt bekommen wir zu Gesicht, sondern auch besagten Regenbogendildo oder etwa eine Orgie zwischen fast allen Figuren zum Soundtrack von Fatboy Slims Demons. Auch ist Sense8 eine Serie, die gegen Ende Geburten so ausgiebig und realistisch zeigt, dass man fast schon applaudieren muss. Wenn man sich nicht gerade fragt, ob das denn alles Not tut. Abgesehen davon hat die Serie aber auch ein paar wunderschöne Szenen parat. Nur ein kleiner Leckerbissen:

Entweder liebt man diese Serie oder man hasst sie. Etwas dazwischen scheint es nicht zu geben. Ich jedenfalls habe mich in Sense8 verliebt. Trotz etwas wirrer Storylines und dem ständigem Auf und Ab. Außerdem sehe ich gerne Szenen in meiner Stadt, die zur Abwechslung mal nicht nur vor dem Bluescreen gefilmt wurden.

Allen, die eine unterhaltsame Serie mit vielen queeren Figuren sehen möchten und das kleine bisschen Mindfuck genießen, sei Sense8 ans Herz gelegt. Angucken könnt ihr sie über Netflix – die DVD-Veröffentlichung kommt bestimmt auch bald.

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