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Lovely Saturday – Sherlock & Charlott

20. Juni 2015

Während ich im letzten Jahr meinen Geburtstag einer Truppe von Lieblingsschauspielern widmete, die für mich eine gepimpte Version von Charlies Angels spielen sollten, widme ich diesen Samstag der fiktiven Figur, die mein Leben nicht nur bereichern, sondern es grundlegend verändern sollte – und ausnahmsweise männlich ist: Sherlock Holmes.

Dabei war mein Start mit Sherlock mehr als holprig. Als ich aufwuchs, hatte ich kein Interesse an den von Arthur Conan Doyle verfassten Geschichten. In der Schule sollte ich Hound of Baskervilles lesen, was ich dann, selbstredend, nicht getan habe, denn schon in einem jungen Alter wurde ich in derselben Schule mit „Sherlock Holmes“ gehänselt. Warum man mich so nannte und es definitiv negativ meinte, das weiß ich nicht. Vielleicht hatte ein Kind irgendwas einmal aufgeschnappt oder es hatte einen komischen Kommentar der Eltern gegeben. Das sorgte zumindest dafür, dass ich nie, nie etwas mit Sherlock Holmes zu tun haben wollte. Der Sache auf den Grund gegangen bin ich damals auch nicht. Egal was dabei heraus gekommen wäre, ich war überzeugt, es würde nichts Gutes sein. Das war alles lange, bevor Benedict Cumberbatch und Robert Downey Jr. den Detektiv wieder sexy gemacht haben – meine frühe Schwäche für lange Mäntel, Anzüge und hochgestellte Hemdkragen war damals also nicht ausschlaggebend.

So lebte ich mein Leben ohne Sherlock Holmes, ohne John Watson. Natürlich wusste ich, wer beide waren, aber alles weitere, und damit einhergehend auch alle möglichen Krimis, wurden von mir kategorisch ignoriert.

Bis zum Januar 2012. Die zweite Staffel von Sherlock, einer Show, die mir bis dahin völlig entgangen war, lief endlich im britischen Fernsehen und eine meiner langjährigsten Freundinnen Sandra kam über Neujahr zu mir. Leider liegt es in der Natur dieser Besuche, dass sie irgendwann enden. Meine Freundin musste zurück nach Schottland und ich wusste in dem Moment nicht, was ich tun sollte. Um nicht zu sagen: Ich wurde panisch. Im Dezember 2011 hatte ich einen Nervenzusammenbruch und wäre es nicht für Sandra gewesen, ich hätte vermutlich nicht einmal gegessen, geschweige denn ins neue Jahr gefeiert. Alles in allem: Es war kein schöner Moment in meinem Leben. Während sie packte und ich mich darüber beschwerte, dass ich nicht wüsste, wie ich mich ablenken könne, empfiehl S., mir doch einmal Sherlock anzusehen. Ich wisse schon, diese Show über die Tumblr sich gerade zerreißt und weswegen sie seit Tagen nicht auf die Seite gehen konnte. Das würde mich ablenken. Sherlock. As in Sherlock Holmes? Ganz bestimmt nicht.

Zwei Tage später ohne S., brach ich ein, sah die erste Folge von Sherlock – während ich S. durchweg meine ersten Einblicke und Eindrücke mitteilte. Mir war alles so neu, dass ich über Vieles zuerst die Nase rümpfte. Lestrade? Wer nennt denn bitte einen Charakter so? Lächerlich! Und wer ist dieser Typ mit seinen Kriegsalbträumen? … und peitscht der Kerl da gerade wirklich eine Leiche aus?

Und wenig später sah ich den Rest der Staffel in einem Rutsch durch, während ich meinen stetigen Kommentaren an Sandra weiter eifrig tippte. I caught the bug.

Drei Jahre später habe ich fast alles vom Sherlock-Canon gelesen. Ich bin Mitglied der Deutschen Sherlock Holmes Gesellschaft, ich kenne so gut wie alle Filme und Serien oder habe zumindest von ihnen gehört. Ich habe inzwischen so viel Fanfic gelesen, wie ich fast schon an „original“ Literatur gelesen habe. Ich habe im Sherlock-Fandom neue Freunde und unglaublich interessante Menschen kennengelernt. Freundinnen besuchten für mich extra in London das Sherlock Holmes Museum, in dem ich noch nie war, und brachten Geschenke mit.

Sherlock

Ein kleiner Teil meiner Sammlung

Dann saß ich während der Berlinale begeistert neben Nadin und sah den großartigen Ian McKellen als gealterten Sherlock Holmes…

… und am selben Tag den nicht weniger großartigen (und queeren) Jeremy Brett als jüngeren Holmes auf meinem Fernseher, weil ich einfach Nachschub brauchte.

Egal was ist, in Notfällen kann ich mich immer in irgendeiner Form zu einem Sherlock Holmes-Universum zurückziehen. Mehr noch, meine Abneigung gegenüber Krimigeschichten ist inzwischen nicht mehr existent. Meine ohnehin schon vorhandene Schwäche für Rätsel und Puzzle ist gestiegen und Krimiserien sind eine neue Schwäche von mir geworden.

Vor allem aber hat mir das Sherlock-Universum geholfen, diese dunkle Stimmung damals zu bekämpfen. Mehr noch, es hat mir anhand von Sherlock gezeigt, dass es okay ist, du selbst zu sein, selbst wenn das bedeutet, dass du nicht immer nett bist, nicht immer einfach. Sherlock hat mir gezeigt, dass es okay ist, ich selbst zu sein. Das Gegenteil davon war mir in den Jahren davor, eigentlich einen Großteil meines Lebens, durchweg suggeriert wurde.

Ich bin nicht Sherlock Holmes, aber ich kann ähnlich kompliziert sein und konnte zwei Dinge in meinem Leben nie meistern: mich anzupassen und nicht hervorzustechen. Genau darauf stolz zu sein, dass ich mich nie meiner schämen sollte, auch das hat Sherlock mir beigebracht.

Wer weiß, was die Kinder damals dachten, als sie mich herablassend mit „Alles klar, SHERLOCK!“ und anderen Varianten riefen. Das heutige Ich ist dadurch und durch alle möglichen Wirrungen nur stärker geworden.

Danke Sherlock, danke Fandom, danke Sir Arthur Conan Doyle und vor allem: Danke Sandra!

Der Wunsch nach einer weiblichen Sherlock? Der bleibt natürlich weiterhin. Obwohl…ist euch mal aufgefallen, dass „Charlott“ mit ein bisschen gutem Willen wie „Sherlock“ klingt?

Micro Fandom Guide

BBC Sherlock
Jeremy Brett in Granada Holmes
Robert Downey/Jude Law Sherlock
Basil Rathbones Sherlock

Deutsche Sherlock Holmes Gesellschaft
The Undershaw Preservation Trust
Sherlock Museum
Sherlockology

Leseempfehlungen:

DER Roman über Sherlock Fandom und Conan Doyle vom inzwischen für The Imitation Game Oscar-prämierten Autor:
The Sherlockian von Graham Moore und für alle die mehr wissen wollen:
How to Think Like Sherlock Holmes von Maria Konnikova

Und weil Sherlock-Fanfic tausend Mal besser ist, als Fifty Shades es je sein kann, und in der Hand von unglaublich fähigen Autor_innen ist, auch noch ein paar Fanfic-Tipps:
Fanfic mit Genderswap in Buchlänge: How the mouth changes its shape (Alternative Universe im London der 1950er)
Wer es extra kinky mag: Lines of Yours (Genderswapped, Tags!!)
The Doubtful Comforts of Human Love (WIP, Ballett AU)
The Man No One Likes (Downton Abbey AU)
Long Ago and Far Away (World War 2 AU)
Und für die, die es mögen, wenn die Metaebene die Metaebene trifft: Performance in a Leading Role (Alternativ Universe in dem beide A-List Schauspieler sind)

Bei allem: Heed the Tags! Wer noch mehr Tipps braucht: Find me on Twitter.

Für die Kinoenthusiaten: Mr Holmes mit Ian McKellen startet bei uns in der Weihnachtszeit.

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