Filme Lovely Saturday

Lovely Saturday – Laia Costa aka „Victoria“

13. Juni 2015

 

 

Endlich ist Victoria regulär in den Kinos und die aktuellen Kritiken setzen auf die begeisterte Berlinale-Berichterstattung noch eins drauf. Dazu gab es sieben Nominierungen für den Deutschen Filmpreis, einige der Lolas sollten Sebastian Schippers Film sicher sein. Ich gehe davon aus, dass am Freitag eine Trophäe an die Hauptdarstellerin Laia Costa gehen wird.

UPDATE: Laia Costa gewann beim Deutschen Filmpreis als Beste Darstellerin! Victoria erhielt zudem die Preise für beste Regie, Kamera, Musik, Darsteller Freddy Lau und als bester Film, war also klarer Abräumer des Abends!

Wieso also begeistert dieser wohl erste echte abendfüllende One-Take-Film? Einerseits malt er in 140 Minuten ein verdichtetes Bild des Berliner Nachtlebens mitsamt der Parallelwelten einer Metropole. Andererseits ist er ein Kino-Rausch mit der kompletten emotionalen Bandbreite.

… ich finde es ist ein großes Missverständnis, dass es im Kino darum geht, die Dinge zu sehen. Im Kino geht es darum, die Dinge zu fühlen. „Fühlen“ ist auch wieder so ein hippieeskes Wort… Es geht im Kino um das Erlebnis. – Sebastian Schipper

Wiedermal erzählt Schipper von Freundschaft, der zwischen den Jungs. Victoria ist aber auch eine Parabel auf den steinigen Weg eines einsamen Mädchenlebens, von dem wir nur so viel erfahren: Auf der Flucht vor Konservatorium, Konkurrenz, falschen Freundinnen und extrem mies bezahltem Job stürzt sich Victoria in diese fast selbstzerstörische Nacht.

Laia Costa – eine junge Frances O’Connor plus ein wenig Elodie Bouchez – spielt die scheinbar naive, verletzliche Titelfigur. Die zarte Spanierin trifft auf der Suche nach Anschluss auf Urberliner Gassenjungs, den charmanten Sonne sowie Boxer, Blinker und Fuß. Die Kamera folgt ihnen durch Straßen, Clubs, aufs Dach eines Sozialbaus, ans Klaviers einer Coffeebar – bis der Plot in einer Tiefgarage jäh zum Thriller wird.

Der schnittfreie Film wird als Kamera-Coup (Hut ab vor Sturla Brandt Groven) gefeiert, doch liegt die extra Spitzenleistung im Schauspielerischen. Besonders Laia Costa gelingt wirklich jeder Stimmungswechsel in Echtzeit, jeder Gefühlsausbruch aus dem Kalten heraus. Gerade das macht den Film so mitreißend und die wilde Freundschaft einer Nacht plausibel. Jedenfalls glaubt man die herbeikonstruierte Thrillerhandlung und glaubt sogar, dass sich hier in Berlin jede Nacht solche Party-Krimi-Liebes-Dramen abspielen. Und dem tragischen Finale in Trainspotting-Tradition entsteigt Victoria.

Der Soundtrack von Nils Frahm, unterstützt unter anderem von der Cellistin Anne Müller, ist übrigens ebenso grandios und kann bei Mojo komplett gestreamt werden.

Wer jetzt gern mehr von Laia Costa sehen will, muss etwas suchen. Die 30-Jährige agierte bisher unter anderem als Großstadtrotkäppchen…

… gibt Maria von Habsburg im Historiendrama Carlos the Emperor

… und übte zarte Küsse in der katalanischen TV-Serie Cities.

In diesem Sinne wünsche ich ein rauschendes Wochenende!

 

Victoria-Bilder/Trailer © Edition Senator / Senator Film Verleih

Laia Costa-Bilde via Homepage und Twitter

Seit 20. November auf DVD/Blu-ray/VoD

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