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A Girl Walks Home Alone at Night – Heldin mit Fangzähnen

30. April 2015

The first Iranian Vampire Western ever made“ lautet der Werbeslogan für A Girl Walks Home Alone At Night. Ganz korrekt ist das nicht. Zwar sind die knappen Dialoge in Farsi. Doch hat die US-Regisseurin Ana Lily Amirpour für ihr Debüt eine kalifornische Kleinstadt zum iranischen Schauplatz werden lassen und die Hauptrollen mit der Amerikanerin Sheila Vand und dem Hamburger Arash Marandi besetzt. Der Sinn der Tag-Line liegt viel mehr darin, die prägenden Genres aufzurufen – Horror, Thriller, Wild West und Nahost, man könnte noch einige hinzufügen.

Der fiktive Ort Sherhabad, „Bad City“, zwischen Ölpumpen, leeren Straßen und unbeachtetem Massengrab, ist bevölkert von nur einer Handvoll archetypischer Figuren. Arash kümmert sich um seinen drogenabhängigen Vater und verliert seinen über Jahre erarbeiteten Ford Thunderbird an dessen Dealer. In der Welt der rücksichtlosen Männer müssen sich die abgestumpfte Prostiuierte, der schüchterne kleine Junge, das schöne reiche Mädchen, die stoische Katze und die Rockabilly-Drag Queen behaupten. Dann taucht plötzlich eine stille Rächerin auf, eine Superheldin im Tschador, die Arash zugleich anzieht und ängstigt…

Für mich ging es bei diesem Motiv [dem Tschador] in meinem Film niemals um Religion, sondern um eine Tarnung und wie er Menschen dazu bringt, die, die ihn trägt, zu unterschätzen. (Amirpour im Interview)

Anders als bei Persepolis geht es also weder um die Familienbiografie der Regisseurin (1980 in London geboren, kam sie schon als Kind mit ihren iranischen Eltern in die USA) noch um ein Statement zur Unterdrückung von Musliminnen. Dennoch ist der Film unverkennbar feministisch. Amirpour beschreibt ihre Titelfigur als „the ultimate emo-hipster on steroides“, charakterisiert sie gleichzeitig als Musiknerd wie durch ihren brutal durchgesetzten Gerechtigkeitssinn. Sie unterstreicht ihre Fremdheit genauso wie ihr Identifikationspotential. Im Making-of erklärt Sheila Vand die empowernde Wirkung ihrer Rolle: „Sometimes when I’m scrared for some reason I kind of channel her…“. (Behind the Scenes mit Co-Produzent Elijah Wood, 1. Teil und 2. Teil)

Das „Girl“ ist nicht die einzige Stärke des absolut stilsicheren Films. Er bedient sich so gezielt bei der Popkultur, wie Jarmushs Vampir-Hymne Only Lovers Left Alive mit der Hochkultur spielt. Atmosphärisch, fast hypnotisch verbinden sich dabei die schattenreichen Schwarz-weiß-Bilder mit einem Soundtrack, der von Radio Tehran über New Wave und White Lies bis Techno alles erlaubt. Eben auch die gepfiffene Western-Melodei.

Hier der Trailer zur Synchronfassung, die neben der rauen OmU-Fassung seit 23. April deutschlandweit im Einsatz ist. Zur Vorgeschichte der Heldin gibt es zudem eine Comic-Serie.

Bilder & Trailer © capelight pictures

 

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