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Alan Turings Geschichte: The Imitation Game

22. Januar 2015

Alan Turning ist niemand anderes als der Mann, der dafür verantwortlich ist, dass ich gerade an diesem Laptop sitzen und Wörter vor mich hintippen kann. Im Grunde genommen, ist er niemand anderes als der Ur-Vater unserer modernen Technologie. Ganz nebenbei ist Turing Schwulenikone und vor allem ein Kriegsheld, der dafür verantwortlich war, dass der Enigma-Code der Nazis geknackt und der Zweite Weltkrieg verkürzt wurde. Warum mir also bis zum letzten Jahr der Name Turing nichts sagte, erscheint regelrecht verstörend.

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2013 machte die Nachricht die Runde, dass Benedict Cumberbatch Alan Turing in einem Film namens The Imitation Game verkörpern wird. Mehr und mehr gelangte Turing, nicht zuletzt aufgrund des Cumberbatch-Hypes, in den letzten Monaten in die Öffentlichkeit. Spätestens seit dem britischen und dem US-Kinostart sollten eine ganze Menge an Menschen endlich genauer wissen, um wen es sich bei diesem Mann handelt. Nun sollen hoffentlich genauso viele deutsche Zuschauer folgen.

So sehr tatsächlich Cumberbatch applaudiert werden muss für die beste Perfomance seiner bisherigen Karriere, kann allerdings nicht, wie in so vielen Reviews, behauptet werden, dass er den Film auf seinen Schultern trägt. Denn niemand anderes als Turing selbst und seine Erlebnisse bewerkstelligen das. Seine fast unglaubliche, aber wahre Geschichte trifft hier auf einen kreativen Drehbuchautoren. Graham Moore hat ein faszinierend schönes Script für den Film vorgelegt, das auf drei Zeitebenen Turings Jugend, seine Zeit beim Geheimdienst in Bletchley Park und sein tragisches Ende erzählt. In einer Art und Weise, die sicherlich auch dem Protagonisten gefallen hätte, werden fein säuberlich die Puzzleteile über knapp zwei Stunden zusammen gesetzt.

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Während der stimmige Soundtrack von Alexandre Desplat läuft, dürfen alle Beteiligten zeigen, was sie drauf haben. So überrascht es nicht, dass der Film bereits Preise für sein Ensemble gewonnen hat. Die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt perfekt und Cumberbatch ist als Turing ebenso arrogant wie auch verletzlich. Auch Keira Knightley weiß sich durchaus zu behaupten – als Joan Clarke, der einzigen Frau im Kreise der Männer von MI6. Sie bringt die unbekannte Kriegsheldin, die mit den Beschränkungen ihrer Zeit kämpft, überzeugend zum Leben.

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Beeindruckend ist außerdem, dass der Film aus der Tatsache, dass Turing schwul war, kein großes Spektakel macht. Sie wird als ein Teil von ihm behandelt, ein Teil, der ihn in der Gesellschaft der 50er letzten Endes zu Fall bringt, aber der nicht sein Leben dominiert. Sein Leben wird ganz offensichtlich von seiner Arbeit, seinem Computer, den er liebevoll „Christopher“ nennt, bestimmt. Die Geschichte hinter diesem Namen geht zudem im Laufe des Filmes sehr ans Herz.

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Während auf der Leinwand der Enigma-Code geknackt wird und einem spätestens in den letzten zehn Minuten des Filmes ein leichtes Schluchzen entweicht, da wird klar, dass mit The Imitation Game nicht nur ein toller Film gedreht wurde. Es ist ein Film, der versucht eine Jahrzehnte lang verschwiegene Tragödie in unser Bewusstsein zu rufen, der die Geschichte eines gar untypischen Helden erzählt und uns am Ende mit einer Botschaft von Turing selbst zurücklässt:

„Sometimes it is the people no one imagines anything of who do the things that no one can imagine.“

 *

The Imitation Game startet heute in den deutschen Kinos und hat am 22.2. die Chance auf 8 Oscars, u.a. für den Soundtrack von Alexander Desplat. Drehbuchautor Graham Moore verfasste auch den Bestseller The Sherlockian. Zu den verständlichsten Büchern über Alan Turing gehört Turing: Pioneer of the Information Age.

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Bilder: © Ascot Elite Entertainment Group

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