Lovely Saturday Serien

Lovely Saturday – Mozart in the Jungle

10. Januar 2015

Allein vom Plakat her hätte ich in die neue Amazon-Serie Mozart in the Jungle wohl nicht reingeguckt. Übertriebene Farben und Kostüme, Wonderland on Drugs … dieses Plakat macht keine Lust auf die Serie rund um die Oboistin Hailey (Lola Kirke) und den Dirigenten Rodrigo (Gael Garcia Bernal):

Auch die vor einem Jahr veröffentlichte Pilotfolge hatte mich nicht wirklich überzeugt. Doch wie es zwischen den Jahren so ist, brauchte ich zwischen den Familienfeiern mal wieder eine Serie zum Wegträumen. Der Trailer machte mich zum Glück doch neugierig (Spoiler!):

Wir folgen Hailey, einer jungen Oboistin, die versucht mit ihrem Instrument in New York Karriere zu machen. Da ich selbst Oboe spiele, hat es mich besonders gefreut, dass dieses unterrepräsentierte Instrument einmal im Mittelpunkt einer Serie steht. Klassische Musikerinnen haben es auch nicht leicht mit dem Erfolg. So erhält Hailey nur durch pures Glück die Gelegenheit, beim New York Symphonic Orchestra vorzuspielen.

Der frisch eingestellte Dirigent Rodrigo ist begeistert von ihr, andere sind weniger seiner Meinung. Zum Beispiel die Leiterin des Konzerthauses Gloria (Bernadette Peters), die mit Rodrigos neuen Geflogenheiten nicht ganz einverstanden ist.

Bis zu Haileys großem Auftritt müssen wir ganze zehn Folgen warten. Davor bekommen wir einige Eindrücke und Hörproben des wunderschönen Instrumentes (Was denn? Natürlich bin ich nicht objektiv!).

Auch die erste Oboe (Debra Monk) ist von Hailey erst einmal alles andere als angetan:

Trotz des negativen ersten Eindrucks stellt sie sich als toughe Lady heraus, von der man später Worte wie diese hört:

„You know, growing old is horse shit. But growing old alone? It’s the best!“

Wo hat man zuletzt so selbstsichere Worte von älteren, weiblichen Singles in Film und Fernsehen gehört? Ich kann mich nicht erinnern.

Auf ihrer Seite weiß Hailey immer die Cellistin Cynthia (Saffron Burrows), die es als Mrs Cheekbones außerdem versteht, neben den Orchesterproben den ein oder anderen Mann zu verführen. Aber Cellistinnen waren ja schon immer die Schönsten von allen…

Im richtigen Leben ist Burrows übrigens bereits seit den 90er Jahren als bisexuell geoutet und mit einer Frau aus Ellen DeGeneres Autorenteam verheiratet. Wer jetzt denkt: „Woher kenne ich dieses charmante Gesicht?“, hat sie vielleicht als queere Lady im kurzen Gastauftritt in Agent of Shields gesehen. Oder erinnert sich bestimmt noch an ihren Auftritt neben Selma Hayek in Frida.

Sb

Nach ein paar Folgen taucht dann Anna Maria auf, die Ehefrau von Rodrigo. Ihrer Meinung nach hat ihr Mann sich verkauft, steht nicht mehr für das Gute und Richtige in der Musik. Während er versucht das Orchester auf Trapp zu bringen, gibt sie experimentelle Perfomances, die nicht immer ganz legal sind.

Obwohl sie sich für gewöhnlich weigert auf großen Bühnen zu spielen, willigt die herausragende Violinistin doch ein, mit Rodrigos Orchester zu spielen – mit relativ katastrophalen Folgen.

Queer geht es bei Mozart in the Jungle nicht zu. Nur ganz am Ende der zehn Folgen dürfen sich doch mal, wie als Randnotiz, zwei Herren einen Schmatzer auf die Lippen drücken. (Die ganze Queerness floss wohl in die nicht minder wunderbare Amazon-Serie Transparent. Beide Serien sind allerdings überhaupt nicht zu vergleichen.) In diesem Clip gibt es einen Einblick in die komplette erste Staffel – bestückt mit etlichen Spoilern!

Wer von euch klassische Musik mag, egal ob nun Bach, Dvorak, Hans Zimmer oder Alexandre Desplat, der sei diese Serie wärmstens ans Herz gelegt. Wer Lust auf eine Serie voll selbstständiger, starker Frauenfiguren hat, kommt hier ebenfalls voll auf ihre Kosten. Wer von euch selbst ein Instrument bzw. in einem Orchester gespielt hat, sollte ohnehin blind reinschalten. Für Lacher ist zudem immer gesorgt (Clip).

In diesem Sinne, ein Hoch auf Mozart in the Jungle!

Mozart in the Jungle läuft nur über Amazon Prime.

Die Pilotepisode ist jedoch umsonst dort zu sehen.

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