Filme Queer Life

Pits & Perverts: Film-Review zu PRIDE

5. November 2014

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Schwullesbische Londoner Aktivist_innen und streikende Waliser Bergarbeiterfamilien scheint, tief in den 1980er Jahren, nicht viel miteinander zu verbinden. Der Druck von Thatcherismus und Boulevardpresse wird aber für beide Gruppen exis­tenz­bedrohend. So kommt es, dass 1984 ein schwuler Londoner ein paar Freund_innen überzeugt, Geld für die Streikende zu sammeln und LGSM zu gründen: Lesbians and Gays Support the Miners. Ein abgelegenes Bergbau-Dorf wird mit Spenden, politischem Know-How und Disco-Musik versorgt. Im Gegenzug wird die Bergarbeitergewerkschaft schließlich beim Londoner CSD 1985 an forderster Front mitlaufen und im Parlament für das Gleichstellungsgesetz abstimmen. Wie singt Billy Bragg am Ende:
There Is Power In A Union!

Ausgangspunkt: Der noch heute offene Buchladen Gay’s the Word

*

Das ist natürlich großartiger Kinostoff und passt in die gerade erfolgreiche Aufarbeitung der schwulen Geschichte der 80er (The Normal Heart, Dallas Buyers Club, Test). Regisseur Matthew Warchu macht aus den Ereignissen aber mal kein tränenziehendes Drama, sondern eine perfekte britische Feel-Good-Geschichtsstunde namens PRIDE. Dass er trotzdem Politik, Elend, Gewalt, AIDS, (Geschlechter-)Stereotype, frühes und spätes Coming-Out u.v.m. angemessen thematisiert, gehört zu den Stärken dieses Films.

Wer erst einmal akzeptiert, dass hier das breite Publikum angepeilt und familientauglich bei Sex oder Prügeln abgeblendet wird, hat an der smarten Komödie eine wahre Freude. Von ebenso schönen wie symbolischen Kameraflügen über Waliser Landschaften, insbesondere der Brücke nach England, über klischeefreie Charaktere, Retro-Soundtrack und pointierte Dialoge bis zu einem sogar in Kurzauftritten herausragenden Cast.

Bei den Schwulen sehen wir nicht wenige schöne Gesichter (Andrew Scott aus Sherlock, Russell Tovey aus Looking, Ben Schnetzer und Freddie Fox aus The Riot Club), in Wales spielen die älteren Stars auf wie Imelda Staunton, Paddy Considine und Bill Nighy (große Klasse). Sie alle treten unter dem (für ein Benefiz-Konzert von der Boulevard-Presse selbstbewusst übernommenen) Label Pits and Perverts gemeinsam auf die Straße und die Tanzfläche.

Gwen (Menna Trussler) stellt hier natürlich eine berechtigte Frage. Aber keine Sorge, der Film hat mit Steph (Faye Marsay, The White Queen) nicht nur eine coole, individuelle Lesbe im Hauptcast, sondern zeichnet am Rande allerlei Frauen-Konflikte nach. Auch die feministische Splittergruppe Lesbians Against Pit Closures gab es wirklich. Selbst die Waliserinnen sind ihren Männern ein Vorbild an Akzeptanz und lassen sich auch von Darkroom-Türstehern nicht stoppen. Und eine arme Hausfrau namens Sian James (Jessica Gunning) wird durch den Streik ganz andere Wege gehen…

(Faye Marsay via YouTube)

Update: Der Film ist jetzt auf DVD/Blu-ray/VoD zu haben – viel Spaß!

Alle Bilder und Trailer © Senator

1 Kommentar

  • Reply fran 6. November 2014 at 13:37

    super review!!! ich habe den film schon 2x gesehen und kann ihn nur empfehlen!
    …ist es möglich nur das T-Shirt zu bekommen 😀
    Auf meinem CSD-Shirt würde stehn: Steph is cooler than Shane!

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