Kultur Lovely Saturday Musik

Lovely Saturday – Claire Waldoff

25. Oktober 2014

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An dieser Stelle soll die legendäre Claire Waldoff gefeiert werden.

“Dann sah ich zum erstenmal die Riesenstadt Berlin und war überwältigt. Ich empfand gleich das Besondere dieser Stadt, das unerhörte Tempo, das Temperament, das unglaubliche Brio” (via fembio)

Am 21. Oktober 1884 als Clara Wortmann in Gelsenkirchen geboren, kommt die junge Schauspielerin 1906 nach Berlin, wo sie als Kabarettistin/Sängerin den Berliner Jargon übernimmt und drei Jahrzente lang (!) große Erfolge feiert. Gleichzeitig ist sie Zentrum der Subkultur. 1916 lernt sie Olga von Roeder kennen, mit der sie bis an ihr Lebensende zusammenlebt, in den einschlägigen Bars unterwegs ist und berühmte lesbische Salons gibt.

„Wir hatten beide das große Los aneinander gezogen … Olly ist überhaupt ein seltener, lauterer Charakter, ein wunderbarer Mensch.“ (via wiki)

In Krawatte, Hemdbluse und Bubikopf besingt Claire gern die Liebe und die Frauen. Ein Schlager porträtiert die kesse Hannelore, eine (im heutigen Vokabular) selbstbewusst queere Kreuzbergerin. Das Lied wurde 2016 von Peaches gecovert (und im Film Desire Will Make You Free vorgetragen).

Große und kleine Bühnen, Operetten, Cabarets, Plattenaufnahmen und Tourneen überschlagen sich. Die Tänzerin Lene Ludwig erinnert sich:

„Eine Schönheit im landläufigen Sinne war Claire ja nicht, sie war klein und pummelig. Aber sie war eine große Persönlichkeit, unerhört unterhaltend, amüsant, sie war voller Ideen, und wenn sie raus kam auf die Bühne, hatte sie eine ungeheure Ausstrahlungskraft.“ (via lesbengeschichte)

in „Drei alte Schachteln“, ca. 1918

Ihre Lieder sind manchmal forsch-politisch…

… andere besingen das kleinbürgerliche Glück von der eigenen Laube („Meine Villa“) oder Sonntagsausflügen:

Und immer wieder Berlin:

Unter den Nazis haben ihre Kunst und ihre Lebensweise es immer schwerer. Ende der 30er gehen Claire und Olga endgültig nach Bayrisch Gmain. Auftritte gibt es fast keine mehr. „Ihr“ Berlin gesteht der verarmten Künstlerin erst ganz zuletzt eine kleine Rente zu. Ihre Autobiographie Weeste noch…! erscheint 1953, keine vier Jahre später stirbt Waldoff.

*

Die echte Claire kann man zwar nicht mehr live beklatschen. Doch ihre Lieder und ihren Charme lässt seit Jahren Sigrid Grajek (auch als Coco Lores unterwegs) aufleben. Hier eine Kostprobe mit einem der größten Waldoff-Hits:

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