Lovely Saturday Politik

Iconic Saturday – Malala Yousafzai

11. Oktober 2014

via WikiCommons

I raise my voice not so that I can shout,
but so that those without a voice can be heard
.

Ein Samstag, an dem sogar der wichtige Coming-Out-Day mal zurückstehen muss. Denn gestern machte eine wegweisende Entscheidung Schlagzeilen: Kein politisch mächtiger Kriegskonfliktlöser bekommt in diesem Jahr den Friedensnobelpreis, sondern zwei Menschen im Namen der Bildung und der Kinder dieser Welt. Eine der beiden ist die 17-jährige Pakistani Malala Yousafzay. Obwohl sie die mit Abstand jüngste Person ist, die je mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, ist die islamische Feministin bereits weltberühmt, war sogar letztes Jahr schon für die Auszeichnung nominiert.

Das norwegische Komitee ehrt einerseits Malala jahrelangen lebensgefährlichen Aktivismus, andererseits ihre Vorbildwirkung für Mädchen und junge Menschen überhaupt:

Despite her youth, Malala Yousafzay has already fought for several years for the right of girls to education, and has shown by example that children and young people, too, can contribute to improving their own situations. This she has done under the most dangerous circumstances. Through her heroic struggle she has become a leading spokesperson for girls’ rights to education. (x)

Dieser Rolle als „führende Sprecherin für Mädchenbildung“ ist sie sich sehr bewusst und betont in ihren Dankesworten (nach Schulschluss), dass sie eine unter vielen Aktivist*innen ist:


Malala „honored“ by Nobel Peace Prize award von reuters

Mit 11 Jahren bloggte Malala für bessere Bildung und rief Mädchen auf, auch gegen den Widerstand der Taliban zur Schule zu gehen. Dafür erhielt sie den pakistanischen Friedenspreis und internationale Aufmerksamkeit. Als sie mit 15 auf dem Schulweg zusammen mit zwei Freundinnen von Radikalislamisten fast erschossen wird, bringt man sie in ein britisches Krankenhaus. Seitdem kämpft sie im Exil. Ihre Geschichte erschien im autobiografischen Bestseller I am Malala, wurde als Kurzcomic (Link im Bild) verbreitet und in Trailerform zusammengefasst:

by Gavin Aung Than/Zen Pencils

Bisheriger Höhepunkt ihrer Aktivitäten war die Rede vor der UN-Vollversammlung an ihrem 16. Geburtstag. Ihr erinnert euch, wie sie letztes Jahr den kompletten Saal (und alle andern) zu Tränen rührte?

Lasst uns unsere Stifte und Bücher in die Hand nehmen. Sie sind unsere mächtigsten Waffen.

Der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte sie daraufhin „unsere Heldin“. Auch ihr indischer Co-Preisträger Kailash Satyarthi, der gegen Kinderarbeit und für Schulpflicht kämpft, betonte gestern, wie weitreichend die Entscheidung des Nobelkommitees ist:

Das ist eine Ehre für alle meine Mitbürger in Indien und eine Ehre für all jene Kinder in der Welt, deren Stimme nie wirklich gehört wurde … Ich kenne Malala Yousafzai persönlich und werde sie anrufen und sagen: Lass uns zusammenarbeiten. (x)

Das ist nicht selbstverständlich, immerhin sind ihre Heimatländer verfeindet, was die Nobelpreis-Entscheidung prägte:

The Nobel Committee regards it as an important point for a Hindu and a Muslim, an Indian and a Pakistani, to join in a common struggle for education and against extremism.

Dass Malala nicht nur gegen die Taliban antritt, sondern auch gegen deren Propaganda in den Köpfen ihrer Landsleute, zeigt ein sehenswerter Kulturzeit-Beitrag auf 3Sat. Die Verleumdung geht soweit, sie gar als Spionin abzustempeln. Selbst in den Buchreviews auf der deutschen Amazon-Seite findet man (neben viel Lob) auch Verachtung, der mal islamfeindlich, mal antiwestlich geprägt ist. Die andauernde Verniedlichung ihrer Person mag da nicht das beste Gegenmittel sein – wie erwartet, titeln besonders die simpel gestrickten Medien wieder „das tapferste Mädchen der Welt“.

Andererseits (in den Worten des Journalisten Joshua Keating):

Someone’s who’s comfortable telling the president of the United States to his face that his military policies are fueling terrorism isn’t going to let herself be reduced to a cuddly caricature. (x)

Mit Familie Obama im Weißen Haus (via WikiCommons)

 *

Eben! Wie bekannte sie sich einmal so schön zu ihrem Berufswunsch:
Premierministerin von Pakistan!

 

 

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar