Queer Life

Girls Gone Gaming: ArcheAge

6. Oktober 2014

Am 16. September war Headstart eines Spiels, das ich schon länger auf dem Radar hatte: ArcheAge.

Vielleicht liegt es an zu hohen Erwartungen und falschen Hoffnungen nach gut eineinhalb Jahren Wartezeit. Vielleicht liegt es auch an der Umsetzung dieses Sandbox-MMOs für den westlichen Markt durch TRION. Bis jetzt hat mich das Spiel einfach nicht überzeugt.

archeage_glyph

Nach gut zwei Stunden, die es brauchte, das Spiel mittels Glyph herunterzuladen, die geladenen Dateien zu überprüfen und anschließend zu übernehmen, erwartet mich ein Szenario wie dieses hier:

archeage_warteliste

Gut, Warteschlangen bei neuen MMOs sind nicht ungewöhnlich und lassen sich wahrscheinlich auch nicht zuverlässig vermeiden. Ich erinnere mich an die drei Stunden bei AION (damals noch pay2play) und auch bei Guild Wars 2 war die Anfangszeit vor allem intensives Warten. Mal ganz zu schweigen von den Warteschlangen, die World of Warcraft Fans so in Kauf nehmen

sandclock

Dann kann ich endlich meinen ersten Charakter erstellen. Es gibt zwei Fraktionen und in jeder Fraktion zwei Völker. So weit, so übersichtlich. Das Klassensystem hingegen bietet viel Raum für individuelle Skillsets.

archeage_editor

Ich entscheide mich zunächst für eine weibliche Nuian. Sie soll für den Anfang Zauberei erlernen und ich gebe ihr den Namen Elyzabeth – vor allem deswegen, weil alle anderen neunzehn Namen, die ich davor ausprobiert habe, schon vergeben waren. Später gibt es auch Familiennamen, aber beim Erstellen gibt es diese Möglichkeit nicht.

Der Editor ist recht umfangreich und bietet einige kleine, aber feine Extras: Von extravagantem Make-up – und das gibt es teilweise auch für die Herrn – über verwegene Narben und freche Sommersprossen bis hin zur ultimativen Faltenpracht gibt es viele Möglichkeiten, den eigenen Stellvertreter optisch unverkennbar zu gestalten. Für alle, denen Individualismus nicht ganz so heilig ist, gibt es jeweils neun vorgefertigte Erscheinungsbilder. Wer gern ausprobiert, hat die Möglichkeit Designs zu speichern und später für einen weiteren Charakter wieder zu laden und weiter zu basteln.

archeage_ladescreen

Bevor es dann wirklich losgeht, kommt eine Cutscene, die erzählt, wie das Volk der Nuian den alten Kontinent Auroria verlassen musste und sich ihr Leben in der neuen Welt seither gestaltet. Cutscenes dieser Art wird es immer wieder geben, einige davon können schon mal ziemlich lang sein, wobei der deutsche Sprecher seinen Text leider recht emotionslos runterleiert.

Von Quest zu Quest lernt man die Steuerung, das Land und die Geschichte kennen. Während des Spielens erhält man alle fünf Minuten fünf Arbeitspunkte (free2play), die dann u.a. zum Abbauen von Rohstoffen oder zum Öffnen von Geldbeuteln, die besiegte Gegner liegen lassen, gebraucht werden… Ja, die Monster lassen nicht einfach so ein paar Geldstücke aus ihren Taschen fallen, sondern Geldbörsen!

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mein zweiter Charakter: Erynn

*

Dank einer kleinen Questreihe kümmert man sich auch bald um ein Fohlen und zieht es zum treuen Reittier heran, das anschließend ausgerüstet werden kann und ebenfalls levelt. Bei den ganzen Botenquests ist es nicht verkehrt, ein wenig schneller reisen zu können. Überall findet man Gebiete – Wohngebiete – die von Spielern in Besitz genommen wurden. Dort können sie Häuser bauen und einrichten, Gärten anlegen, Haustiere halten, Bäume pflanzen, Möbel für ihre Häuser bauen und noch eine ganze Menge mehr… Alles im Tausch gegen Arbeitspunkte, Rohstoffe und Steuern.

archeage_begleiter

Pluspunkte:

  • nette Engine/Grafik (CryENGINE® 3)
  • prinzipiell free2play*
  • der umfangreiche Charakter-Editor
  • die umfangreich gestaltbaren Skillsets
  • Klassen und Kleidung sind nicht mehr traditionell vorbestimmt (Stoffelmages und Blechbüchsentanks gehören der Vergangenheit an…)
  • es gibt viele Emotes, die man zum Spaß machen kann
  • man kann mit nahezu jedem Gegenstand interagieren, beispielsweise Kieselsteine sammeln und später über einen Teich flitschen lassen

*ArcheAge ist prinzipiell free2play, aber die Starter-Pakete und die Stammspieler-Abo-Option schaffen eine ganz klare Drei-Klassen-Spieler-Gesellschaft, deren Auswirkungen auf das Spiel sich erst noch zeigen müssen.

Die exklusiv vor dem Headstart angebotenen Gründer-Paketen sorgten bei vielen frühen Unterstützern des Spiels mittlerweile leider für weiteren Frust, weil sie preislich den nun erhältlichen Starter-Pakten entsprechen, inhaltlich aber weit weniger bieten und die Pannen beim Headstart für viele Spieler quasi alle Frühbucherprivilegien ausgehebelt haben.

Minuspunkte:

  • free2play ist die unterste Stufe der Drei-Klassen-Community; Spieler, die nicht zahlen, haben weit weniger Möglichkeiten und einige Nachteile, die dem Weiterkommen im Spiel spätestens beim End Game Content im Weg stehen werden (pay2win)
  • es gibt nur internationale Server; die Community hat die Server inoffiziell aufgeteilt, aber generell trifft man auf allen Servern Spieler aus allen europäischen Ländern
  • das Kampfsystem ist veraltet; Spiele wie TERA oder GW2 bieten da zum Teil weit mehr
  • sehr viele Cutscenes
  • die Quests sind wenig abwechslungsreich; die Story und das Setting sind eher durchschnittlich
  • einige der NPCs grüßen noch auf Koreanisch und die Effektsounds sind eher nervig
  • weibliche Charaktere haben sehr große Brüste, das kann man auch nicht ändern und mich stört es
  • extrem zeitintensiv: das Spiel besteht zu 50% aus ressourcenlastigen Sandbox-Elementen wie Housing, Crafting etc. und zu 50% aus PvP (End Game Content)
  • einige Quests werden nur von großen und einflussreichen Gilden zu lösen sein – für free2play-Spieler möglicherweise gar nicht, falls sie nicht in einer solchen Gilde unterkommen können

Fazit: Nach knapp 15 Stunden Spielzeit, etwa 7 Stunden Gesamtwartezeit und einem halben Tag, an dem ich mich gar nicht einloggen konnte, habe ich auf zwei Servern zwei Charaktere knapp unter Stufe 20 und kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich doch noch ein paar Stunden investieren, oder ArcheAge komplett deinstallieren soll. Ich habe den Verdacht, dass ich dort als einzelne free2play-Spielerin nicht glücklich werden kann…

Eck-Daten:

  • Genre: Sandbox MMORPG
  • Plattformen: PC
  • Benötigt: Glyph-Account, Internet
  • Spielzeit: ca. unendlich, sehr zeitintensiv

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