Filme Lovely Saturday

Lovely Saturday – Jean Seberg

30. August 2014

Vor 35 Jahren starb Jean Seberg. Das Leben der US-Schauspielerin, die als Teenager entdeckt, erst verehrt und später bespitzelt wurde, endete wohl mit Suizid (Verschwörungstheorien beiseite gelassen). Im kulturellen Gedächtnis bleibt Seberg dennoch nicht als tragische Figur, sondern als Nouvelle Vague-Ikone, die mit nur wenigen Rollen Filmgeschichte schrieb.

Dieses Vorsprechen markiert den Beginn der Karriere von Jean Carlsen, als sie 1957 für Otto Premingers Variante des Jeanne d’Arc-Stoffen engagiert wird. Saint Joan wird im all zu wahren Sinne ihre Feuertaufe – sie trägt ihr Leben lang Brandnarben davon. Dennoch, was für ein martialischer erster Auftritt:

Das nächste Projekt mit Preminger, Bonjour Tristesse (1958) nach dem gleichnamigen Roman von Françoise Sagan, war ein Cinemascope-Film mit wunderbaren Farben und einer unkonventionellen Hauptfigur – kommerziell gesehen aber der zweite Flop.

Mit geringeltem Top, Kippe, melancholischem Blick ähnelt die burschikose Cécile hier schon sehr ihrer berühmtesten Rollen: Patricia aus À bout de souffle von Jean-Luc Godard nach einem Drehbuch von Francois Truffaut. Der absolut stilprägente s/w-Film war nicht nur eine Liebeserklärung an Paris und seine dubiosen Gestalten (Jean-Paul Belmondo als flüchtiger Kleinkrimineller), sondern auch an diese kleine, amerikanische Zeitungsverkäuferin.

Auf dieses Glanzlicht folgen schwierige Jahre, aber auch die Zusammenarbeit mit Hollywood-Stars. Als Lilith (1964) zum Beispiel bandelt sie mit einer jungen Dame an und bringt Warren Beatty in Rage:

mit Deborah Kerr

by Philippe Halsman

*

Sebergs Mann Romain Gary verarbeitete ihre Ehe im Roman Die Liebe einer Frau (Rezension im Standard). Als dessen Verfilmung mit Romy Schneider in der Hauptrolle 1979 Premiere feiert, fühlt Jean sich bloßgestellt, verschwindet hinterher und wird schließlich tot aufgefunden. Alle Zeichen deuten auf Selbstmord, dennoch entwickeln sich Mordgerüchte.

Obwohl Jean Seberg nie ein großer Star wurde, gibt es mittlerweile mehrere Dokus, die sich ihrem Filmschaffen widmen – und auch ihrer Verwicklung in die Black Panther-Bewegung. Hier ein Ausschnitt aus american actress (CH/DE 1995):

Nach solch mystifizierenden Portraits lassen wir Jean doch einmal selbst zu Wort kommen:

Cineastisches Wochenende wünsche ich!

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