Bücher Kultur

Happy Birthday, Banana Yoshimoto!

24. Juli 2014

© Jayne Wexler via Diogenes

Eine großartige Autorin wird heute 50 – und ihr wohl erfolgreichster Roman erschien vor genau 20 Jahren erstmals auf deutsch: Kitchen von Banana Yoshimoto. Vor 20 Jahren war ich 7 Jahre alt, also noch lange nicht soweit ihre Bücher zu lesen. Das kam später, als ich 13 war und durch eine Buchhandlung in Lübeck schlenderte und wieder den Beweis geliefert bekam, dass die größten Helden, wenn wir sie es sein lassen, Buchhändler_innen sind. Denn genau so einer schaute mir plötzlich über die Schulter und fragte, wonach ich denn suchte. Gesucht hatte ich nach nichts, aber ich wollte etwas Inspirierendes, etwas Schönes, etwas, das bewegt. Und da ich gerade in einer extremen Japan-Phase war, sollte das dann bitte aus Japan kommen. Zu meinem Erstaunen wusste der Buchhändler genau, wonach ich wirklich suchte, ohne es selbst zu wissen, und so ging ich wenig später mit den Büchern zweier AutorInnen aus dem Laden, die mein Leben nicht nachhaltiger hätten verändern können. Eines davon war Murakamis Hard Boiled Wonderland, welches erst ein paar Jahre später meinen Horizont und mein Schreiben inspirieren sollte, ein anderes war eben dieser Kultroman: Kitchen von Banana Yoshimoto.

My elder sister was so good in drawing. Her creativity inspired me to find something of my own to do. So I started to write when I was about 5 years old. (x)

Ich habe dieses Buch verschlungen, mehrmals gelesen, Notizen darin gemacht, es mit mir herumgetragen – und mit Anfang 20 verloren. Ein Verlust, der mir noch heute weh tut, aber beinahe zu einem Buch wie diesem passt. Als meine Nichte ins Teenageralter kam, habe ich ihr Kitchen geschenkt und sie war genauso verliebt in das Buch wie ich. Wenn mich jemand fragt, welches Buch man Jugendlichen schenken könnte, ich empfehle immer zuerst Kitchen. Es beschreibt perfekt den Aufruhr an unendlichen Emotionen, wie man sie nur dann so extrem verspürt, erzählt von Verlust, von Selbstfindung wie kein anderes. Auch Yoshimotos folgende Bücher sind immer eng bei mir geblieben. An die Schlafsucht, die in Dornröschenschlaf beschrieben wird, erinnere ich mich immer, wenn auch ich einmal wieder übermüdet bin, jedes Mal, wenn ich meine Lieblingsblumen Lilien kaufe und in eine Vase stelle, erinnere ich mich an die Stellen in Tsugumi, in denen über sie geschrieben wurde, und sollte plötzlich etwas von Massive Attack auf meinem iPod laufen, erinnere ich mich an SlyAmrita ist mit dem Thema Gedächtnisverlust das perfekte Buch zur Selbstfindung und wer einen Rückzugsort braucht, wird in Federkleid glücklich.

Ich wollte die unausweichliche Melancholie, die ich jetzt spürte, als ich die vertrauten Straßen durchwanderte, in meinem Herzen bewahren. Wie der Abendhimmel, der mit jedem Augenblick sein Aussehen änderte, war diese Welt voll von den verschiedensten Facetten des Abschieds. Ich nahm mir vor, keine einzige davon zu vergessen. (aus: Tsugumi)

In den letzten Jahren habe ich Yoshimoto ein wenig vernachlässigt, genauso wie meinen Helden Murakami. Aber das macht nichts, denn wenn ich sie brauche, weiß ich, wo ich sie finde. In der Buchhandlung meines Vertrauens, in meinem Bücherregal, auf meinem Nachttisch. Und zwischen den Buchdeckeln lassen sich immer neue Juwelen wie diese finden, die mich Jahre später zwar nicht mehr zu Tränen rühren, aber immer noch tief bewegen.

“As I grow older, much older, I will experience many things, and I will hit rock bottom again and again. Again and again I will suffer; again and again I will get back on my feet. I will not be defeated. I won’t let my spirit be destroyed.”

 

誕生日おめでとうございます! Happy Birthday!

 

Yoshimotos Offizielle Website

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