Filme Queer Life

Rückblick auf das Korean Cinema Today Filmfestival

13. Mai 2014

Gastautorin Franzi war beim Koreanischen Filmfest in Berlin und hält hier ihre Eindrücke für uns fest. Wenn sie nicht gerade asiatische Filme guckt, besucht sie leidenschaftlich gerne Konzerte und betreibt ihr eigenes Modelabel Pandaschach in Berlin.

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Korean Cinema Today 2014 | Godsend (Sinui-Seonmul), Filmstill | © Promo

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Vom 24.4. bis 4.5.2014 fand der Ableger des BIFF (Busan International Film Festival) zum wiederholten Male im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt und zeigte eine Vielfalt von Independent- und Dokumentarfilmen aus Südkorea.

Han Gong-Ju
(R: Lee Su-Jin)

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Korean Cinema Today 2014 | Han Gong-ju , Filmstill | © Promo

„Es geht nicht um [den Vorfall], sondern um dieses starke Mädchen, welches stellvertretend für eine neue Generation steht, die wieder aufsteht und nicht untergeht.“
– Lee Su-Jin (Regisseur von Han Gong Ju)

Der Eröffnungsfilm des KCT erzählt die Geschichte der 17-jährigen Han Gong-Ju (Chun Woo-Hee), die nach einem schwerwiegenden Vorfall, nicht nur die Schule wechseln muss, sondern regelrecht aus ihrem Geburtsort verbannt wird. In der neuen Schule hält sie sich bedeckt, meidet den Kontakt zu anderen Mitschülern. Als ihre Mitschülerin Eun-hee (Jung In-sun) ihr Gesangstalent entdeckt und sie dazu überredet, dem Schulchor beizutreten, fängt Gong-Ju allmählich an sich zu öffnen. Und doch wird sie durch einen Zwischenfall von ihrer Vergangenheit eingeholt und das Publikum erfährt Stück für Stück, was in ihrer alten Schule vorgefallen ist.

https://www.youtube.com/watch?v=crbInq5EVE8

Shuttlecock
(R: Lee Yu-bin)

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Korean Cinema Today 2014 | Shuttlecock, Filmstill | © Promo

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Man liest ‚Roadmovie’ und denkt sich: „Hey, das könnte unterhaltsam und witzig werden“. Unterhaltsam und witzig waren nicht gerade die Worte, die mir am Ende des Filmes im Kopf schwebten, auch wenn der Film durchaus Passagen zum Schmunzeln hat. Shuttlecock ist ein Roadmovie, das nirgendwo hinführt. Der 17-jährige Min-jae (Lee Ju-seung) und sein kleiner Bruder Eun-ho (Kim Tae-yong) sind auf der Suche nach der Schwester, die sich kurz nach dem Tod der Eltern klammheimlich aus dem Staub gemacht hat. Das ist grundsätzlich der komplette Aufhänger für Film und Fahrt und trotzdem sitzt man am Ende des Filmes da und fühlt sich leicht erschöpft, aber glücklich, denn viel mehr als die vermeintliche Suche nach der Schwester, steht die Beziehung der beiden Jungen im Zentrum des Filmes.

(Untertitel einschalten!)

https://www.youtube.com/watch?v=v5WtuS6lSxY

Nach dem Film stand Lee Yu-Bin, die Regisseurin des Films, dem Publikum Rede und Antwort und erzählte, dass sie bis kurz vor der Veranstaltung ihren Tag auf dem ehemaligen Tempelhofer Flugplatz verbracht und darüber die Zeit vergessen hatte, weswegen sie beinah zu spät gekommen wäre. Auf sehr charmante Art bedanke sie sich beim Publikum, dass man das schöne Wetter nicht auf dem Tempelhofer Feld genossen, sondern sich für ihren Film in den dunklen Kinosaal begeben hatte. Nach Fragen, ob sie zufrieden mit ihrem Film sei (ja, sie liebt ihren eigenen Film), und zur Kameraführung fasste Yu-Bin ihren Film und die Bedeutung des Federballs noch einmal abschließend zusammen:

„Ein Federball ist zwar ein Ball, aber eigentlich sieht er ja nicht aus wie ein Ball. Und ein Federball ist auch unheimlich leicht beeinflussbar durch äußere Einwirkungen, wie zum Beispiel der Wind. Und ich hab mir gedacht, dass passt so richtig, auf das Alter des älteren Bruders und auch auf eine Reise. Man weiß ja nie wirklich wohin eine Reise führt.“

 Godsend
(R: Moon Si-hyun)

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Korean Cinema Today 2014 | Godsend (Sinui-Seonmul), Filmstill | © Promo

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Kim Ki-Duk (Drehbuch) macht meiner Meinung nach ausschließlich Filme, um den Zuschauer vollständig seiner Urteilskräfte über seine eigenen Emotionen zu berauben. Jedes Mal wenn ich einen Film von ihm sehe, weiß ich danach nicht, was ich für den Film empfinden soll und bin mal mehr, mal weniger verwirrt. Godsend gehört zu den Filmen, bei den ich am Ende noch mehr verwirrt war, vor allem über die Entscheidungen der Protagonistinnen.

Die Seung-yeon (Lee Eun-woo) kann keine Kinder bekommen, wünscht sich seit 7 Jahren Ehe aber nichts sehnlicher als das. 
Die Teenagerin So-Young (Jeon Su-jin) ist schwanger und steht kurz vor der Abtreibung, da sie sich nichts Schlimmeres, als ein Kind in ihrem Alter vorstellen kann.
 Die beiden Frauen kommen zu der Abmachung, dass So-Young als Leihmutter für Seung-Yeon fungiert und diese ihr das teure Auto überlässt. In einem abgelegenen Haus, in der Bergregion Südkoreas verbringen die beiden die Zeit bis zur Entbindung und freunden sich an. 
Als sich die Ereignisse überschlagen, findet ein Umdenken in den Köpfen der Frauen statt und die Abmachung scheint nicht mehr so klar…

(Untertitel einschalten)

https://www.youtube.com/watch?v=p9wmRydlelw

Wer sich nun etwas mehr mit koreanischen Filmen beschäftigen möchte, findet auf der Seite des HKW eine komplette Auflistung aller Film. Ich hoffe doch sehr, dass die kleine Tradition auch im nächsten Jahr Fortbestand hat und das Haus der Kulturen der Welt dann wieder zum Korean Cinema Today Filmfestival einlädt.

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