Queer Life

Girls on Blocs – Die Welt des Kletterns

10. April 2014

Spätestens seit dem Werbespot (später mehr dazu) und den Plakaten der Deutschen Bahn ist eins klar: Klettern und Bouldern sind im Mainstream angekommen… Ob das gut oder schlecht ist, muss jede_r für sich selbst entscheiden. Aber eine steigende Nachfrage wirkt sich manchmal sehr positiv auf das Angebot aus und so schießen grade überall in Deutschland Boulder- und Kletterparadiese wie Pilze aus dem Boden – ein Randsport wird zum Trendsport und ich mittendrin:

Spätsommer 2010, Berlin ächzt unter der Sonne, ein sehr guter Freund (der gerade die Eröffnung des südblocs in Berlin plant) nimmt mich mit in den Kegel. Meine ersten Eindrücke: enge Schuhe, Hitze, viele muskulöse, schweißtriefende Menschen, die seltsame Kunststücke in besagten unbequemen Schuhen an mit Kunstharz (wusste ich damals natürlich noch nicht) verzierten Wänden vollführen. Mein erste Gedanke: „Ohje, sogar Highheels tragen sich angenehmer…“

Seitdem ist ein wenig Zeit vergangen und die Leihschuhe von damals erscheinen mir heute wie lässige Schlappen. Vor allem aber ist Bouldern ein fester und wichtiger Bestandteil meiner Freizeit geworden. Viele Routen verlangen nicht nur Muskeln, Beweglichkeit und Balance (schöner Nebeneffekt: das alles kommt mit der Zeit von allein), sondern auch Kreativität. Es gibt so viele Stile, wie es Menschen an den Kletterwänden und Felsen gibt. Ob mit Kraft, Technik, statischen oder dynamischen Zügen, jede_r löst ein Problem individuell und schon Zuschauen kann großen Spaß machen:

It’s a fun sport. Because even if it’s competitive you’re honestly only competitive with yourself. – Natalie Duran

I think that people should just do whatever they can do or want to do. It shouldn’t be a matter of if they’re a man or a woman. – Lynn Hill

Bevor ich allzu sehr ins Schwärmen gerate und Sachen schreibe wie „Es geht darum, sich selbst und seinen eigenen Körper zu erfahren“ oder „An der Felswand kann man Eins mit der Natur werden“, hier ein paar praktische Dinge für den Einstieg in diesen spannenden, vielseitigen, fordernden und großartigen Sport:

DO

  • bequeme, robuste Sportkleidung, die dir viel Bewegungsfreiheit bietet und Felskontakt verträgt
  • Aufwärmen (vermindert das Verletzungsrisiko)
  • Tapen (bei drohenden Blasen und vor-/belasteten Gelenken)
  • nach dem Bouldern/Klettern dehnen (weniger Muskelkater)
  • fragen (in der Regel findest du immer jemanden, der dir hilft und das sogar gerne)
  • achte auf deine Sicherheit und die anderer
  • und vor allem: hab Spaß!

DON’T

  • zu enge/zu weite Schuhe (pain is insane, aber du brauchst einen stabilen Stand)
  • Chalkbag in der Boulderhalle mit nach Oben nehmen (im Falle eines Falles verteilst du das ganze Chalk in der Halle…)
  • Chalkbag in der Boulderhalle mit einem Karabiner an deiner Hose etc. befestigen (Verletzungsgefahr! In der Kletterhalle wird es am Klettergurt befestigt und die Sicherung durch Seil und Partner bewahren dich vor Groundern.)
  • anderen in die Route klettern/Seile kreuzen
  • mit den Knien klettern (das kann schmerzhaft werden und auf längere Sicht schaden, du hast nur diese zwei Knie)
  • dich mit anderen vergleichen (es ist noch kein_e Meister_in vom Himmel gefallen!)

Angefixt? Hier ist eine Liste mit vielen Adressen. Die meisten Hallen bieten auch Kurse an und viele Unis haben Bouldern und Klettern schon ins Uni-Sport-Angebot aufgenommen. Bouldern macht mit Gleichgesinnten (bestenfalls auf dem gleichen Level) besonders viel Spaß, denn gemeinsam kann man tolle Lösungen für Probleme ausprobieren und viel voneinander lernen. (Boulderhallentour durch Deutschland geplant? Ich bin dabei! Ich klettere etwa Fb 5A-5C und an guten Tagen auch mal eine Fb 6A.)

Und nun zum Werbespot der Deutschen Bahn mit dem schönen Titel Sparpreis-Finder Freeclimber.

http://youtu.be/2uVnSf0JoXg

Zu sehen sind ein Mann und eine Frau in Kletteroutfits (sollen sympathisch, dynamisch, frisch und normal wirken, sind ein Pärchen und ihre Kletterschuhe sind zu groß), an einer Felswand in beachtlicher Höhe ohne Sicherung kletternd, die darüber philosophieren, dass sie das ja öfter machen würden (so lässig in Lebensgefahr abhängen), wenn es nur mit dem Auto nicht so teuer wäre. Aber zum Glück gibt es ja die Bahn und ihre praktische App fürs Handys, so dass die sportliche Blondine – nach einem spektakulären dynamischen Zug – einhändig sofort zum Sparpreis buchen kann…

DON’T TRY THIS AT HOME! Free climbing (dt. Freiklettern) ist nicht Free Solo! Wird oft verwechselt, kann aber tödlich enden…

bouldern2

Wir sehen uns bald im südbloc in Berlin!

P.S.: Wer denkt, dass Klettern vor allem ein Männersport ist, sollte dringend einen Blick auf die Weltcupsiegerlisten
werfen und sich ein paar der folgenden Klettermädels genauer anschauen, denn die rocken hart und haben schon einige Welt-Premieren erklettert:

Lynn Hill (USA), Angela Eiter (Ö), Anna Stöhr (Ö), Jule Winter (D) Juliane Wurm (D), Monika Retschy (D), Ashima Shiraishi (USA), Brooke Raboutou (USA/F), Kim Jain(KOR), Sasha DiGiulian (USA) … noch mehr Namen findet ihr hierhier und hier.

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