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Lovely Saturday – Audre Lorde

22. Februar 2014

Diese Woche wäre die Dichterin, Denkerin, Aktivistin Audre Lorde 80 Jahre geworden. Gleich in einem meinem ältesten Kweens-Artikel habe ich euch ihren autobiografischen Roman Zami. A New Spelling of My Name – A Biomythography (1982) ans Herz gelegt. Ansonsten sind wir in Ehrfurcht um die bahnbrechende lesbische schwarze links-feministische Poetin herumgeschlichen. Doch da es noch immer Menschen gibt, die mit dem Namen Audre Lorde nichts oder wenig verbinden, ist dieser Samstag eine Verbeugung in Fundstücken, Denkanstößen, Appetizern auf ein vielseitiges Werk und Wirken.

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Audre Geraldine Lorde wurde am 18. Februar 1934 als Tochter karibischer Einwanderer in Harlem geboren. Vom strengen Elternhaus und dem alltäglichen Rassismus erzählt sie in Zami – aber auch davon, wie sie früh anfing zu dichten, mit 17 auf eigenen Füßen stand und zwischen College und Fabrikarbeit die ersten lesbischen Erfahrungen machte. In der New Yorker Gay-Szene der 50er fiel sie als schwarze Lesbe auf. Nach ihrem Universitätsabschluss arbeitete sie als Bibliothekarin, heiratete einen weißen Mann, bekam zwei Kinder.

Ende der 60er Jahre beendete sie Job und Ehe. Schon mit einem ihrer ersten Gedichtbände wurde sie für den National Book Award nominiert. Als Aktivistin kämpfte sie in der Bürgerrechts- und Friedensbewegung genauso wie für Frauen und Lesben. Als Dozentin lehrte und ermutigte sie Studierende international. In ihrem 1980 veröffentlichten Krebstagebuch dokumentierte sie ihr Leben mit der Krankheit, Brust- und Unterleibsoperationen. Entgegen der Diagnosen lebte sie bis 1992.

Die letzten acht Jahre, als sie schon auf der Karibik-Insel St. Croix mit ihrer Partnerin eine alte, neue Heimat gefunden hatte, kam sie immer wieder nach Berlin – für alternative Therapien und um die europäische schwarze Bewegung zu unterstützen. Durch Audres Anstoß begannen  deutsche Frauen, besonders auch Lesben, eine afro-deutsche (später: schwarze) Community zu bilden, Texte zu veröffentlichen und endlich positive Selbstbezeichnungen zu finden. Davon erzählt der Film Audre Lorde – The Berlin Years, das zeigen auch die Bücher von May Ayim und anderen.

Lorde hat sich definiert, und zwar als „black lesbian feminist mother poet warrior“. Mehrfach marginalisiert zog sie selbst aus ihrem langjährigen Krebsleiden noch Kraft und politisches Potential. Anders gesagt:

…darauf können wir uns sicher einigen. Neben unzähligen motivierenenden Aussagen hat Lorde auch Gedanken geprägt, die bis heute unter Aktivist_innen diskutiert werden, zum Beispiel:

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Lorde meinte mit diesem Titel eines Vortrags, dass wir anstelle der Herrschaftsstrukturen, welche Ungleichheiten unsichtbar machen, vor allem unsere Pluralität (an)erkennen müssen. Erst wenn wir verstehen, worin wir Lesben, wir Frauen, wir Mittellosen uns unterscheiden, können wir uns miteinander gegen Ausgrenzung wehren. Damit griff sie vor allem einen elitären weißen Feminismus an, der schwarze Frauen nur in gesonderten Pannels zu Wort kommen ließ.

„The creatice use of difference“ – in diesem Interview spricht sie über ihre lesbischen Erfahrungen und die Kraft, die sie daraus zieht (mehr in der Doku After Stonewall):

Mittel der Verständigung waren bei ihr aber nicht nur politische Vorträge, sondern vor allem die Poesie, deren ersten Ziel es ist, anderen neue Gefühle und Perspektiven zu vermitteln.

Zwei Beispiele: Ihre Jugenderfahrungen macht Lorde mit nur wenigen Wortenbegreifbar in Harriet (Link zur Tonaufnahme aus dem Audre-Lorde-Archiv des John F. Kennedy Instituts der FU Berlin). In ihrer letzten Berliner Lesung 1992 trägt sie das Gedicht „1984“ vor:

Zu Macht der Worte kommt die Macht der Erotik. Die frühe Version des berühmten Essays Uses of the Erotic: The Erotic as Power, der später in Sister Outsider veröffentlicht wurde, ist hier ein bejubelter Vortrag:

Hier gleich noch eine zweite Tonaufnahme aus dem Audre-Lorde-Archiv des JFK-Instituts:

Sisters in Arms (mit Einleitung und Übersetzung)

Ihre „Kampfschwestern“, das waren zum Beispiel treue Weggefährtinnen wie Adrienne Rich, eine lesbisch-feministische jüdische Dichterin, oder die Arbeiterschriftstellerin Meridel Le Sueur.

Gleichzeitig versuchte sie immer wieder neue Menschen zu treffen und Frauen zu ermutigen:

I write for those women who do not speak, for those who do not have a voice because they were so terrified, because we are taught to respect fear more than ourselves. We’ve been taught that silence would save us, but it won’t.

Den Rest des Wochenendes könntet ihr mit einem dieser Bücher verbringen: Gedichte, Essays, das Krebstagebuch, die Autobiografie oder spannende Bücher über Lorde – oder ihr setzt weiter auf Audiovisuelles und besorgt euch die DVD über Lorde in Berlin, die neben der Dokumentation noch viele Extras wie Lesungen, Interviews und Spaziergänge mit Audre Lorde liefert.

AUDRE LORDE – THE BERLIN YEARS/ TRAILER from AV on Vimeo.

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Fotos: Audre-Lorde-Archive des John F. Kennedy Institute for North American Studies sowie Wikimedia Commons und Tumblr

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