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Magazines to discover: Film-Magazine

2. Februar 2014

Endlich Februar! Denn jetzt heißt es bald Berlinale mit Tilda, Marlene u.v.a.m. und eine Woche darauf Oscars mit Ellen. Kurz gesagt: Dieser Monat steht ganz im Zeichen von KINO!

Und womit kann der steigende Hunger nach cineastischen Neuigkeiten, Analysen und Reviews besser gestillt werden als mit anspruchsvollen Filmmagazinen?

Hier meine drei aktuellen Favoriten – Kino-Magazine in queer, kunstvoll und feministisch.

sissymag

20 Sissys (c) Edition Salzgeber

Sissy – Magazin für den nicht-heterosexuellen Film

Dieses zarte Kino-Magazin ist deutschsprachig und garaniert queer. Genießen kann man es ganz einfach online oder als Download, aber auch als buntes, leichtes Heft – und dieses sogar direkt aus dem Briefkasten, einfach ein Abo per E-Mail an abo[ät]sissymag.de anfordern. Das alles ist kostenlos. Das Magazin wird vom Filmverleih Salzgeber herausgegeben.

Dennoch ist es viel mehr als ein bloßer Katalog vom Salzgeber-Angebot, das ja schon viele Entdeckungen bietet. Denn es werden nicht nur die eigenen und fremde Filme in journalistisch anspruchsvollen Artikeln rezensiert, sondern auch Metathema zu allerlei Kinophänomene (z.B. „Lezploitation“) diskutiert. Die Bandbreite reicht von Kurzfilm bis Blockbuster, von Dokus über ambitioniertes Indie-Kino bis zu großen Namen. Dazu gibt es hübsche Rubriken wie den Blick ins DVD-Regal eines*r Filmschaffenden und reichlich Reviews zu allen queeren DVD-Neuerscheinungen. Unter dem Titel Der Moment bekommt man gleich Film- und Buchtipps von Schriftsteller_innen, zuletzt Tania Witte über das Vampir-Genre.

Gerade feiert Sissy Jubiläum: Zwanzig Ausgaben in fünf Jahren. Gratulation!

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Little White Lies

Mia Wasikowska empfiehlt: Das Kunstwerk unter den Film-Magazinen. Das britische Little White Lies ist gestalterisch einmalig, hier haben die Illustrationen Vorrang vor den Fotos. Jedes Cover gestaltet ein_e andere_r Künstler_in. Das ganze Layout wird dem jeweiligen Schwerpunkt angepasst. Das oft geprägte, mit Sonderfarben verzierte Ökopapier und der ordentlich geklebte Rücken fordern einen Platz im Bücherregal.

Die Texte sind aber mindestens ebenso wichtig wie die Erscheinung. Den vorderen Teil bestimmt ein langer Schwerpunkt mit mehreren Artikeln zu einem aktuellen Film, Interviews, Portraits der Beteiligten, Themengeschichte etc. Dahinter folgen längere und kürzere Reviews und noch mehr Tipps für Filmfreaks. Die Texte sind anspruchsvoll, aber nie trocken. Ein gleich dreifaches Punktesystem urteilt über Anticipation, Enjoyment und In Retrospekt – eine Bewertungsmethode mit Überraschungen

Im November erschien als 50. Ausgabe ein ganz spezielles Heft: Ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte wird in 50 Filmen, von 50 namhaften Personen aus dem Filmgeschäft vorgestellt und ebenso vielen Künstler_innen illustriert. Von Xavier Dolans Beitrag über Hitchcocks Marnie bis zur Gravity-Review vom IMDb-Gründer.

Als Import nicht ganz billig sind die Hefte dafür sowohl was für den stilsicheren Coffeetable als auch zum cineastischen Blick über den Tellerrand ein absoluter Gewinn. Erhältlich in gut sortierten Zeitschriftenläden oder direkt im Webshop bzw. Abo. Viele Artikel kann man aber auch auf der Website genießen, die übrigens auch hübsch gestaltet ist.

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Cover image: Detail of “Resurrection” by Monica Bodirsky

Cléo – a journal of film and feminism

Einen der Texte zum Little White Lies-Jubiläum lieferte Kiva Readon aus Toronto/Ontario, die selbst ein Film-Magazin gründete: Cléo liefert einen explizit feministischen Blick auf Kino und Filmkultur. Die Reviews, Interviews und Essays thematisieren sowohl aktuelle Filme als auch Filmgeschichte. Der Name entstammt eher letzterer:

The journal takes its name from the protagonist of Agnes Varda’s Cléo de cinq à sept (1962), who comes to self-realization through the observation and mastering of her space. In the spirit of Varda’s film, cléo is an open space for emerging and established writers to address issues of film and feminisms.

Agnes Varda und Claire Denis sind zwei der Heldinnen, die hier feministische Filmkritik inspirieren. Auch Lizzie Bordens radikale Dokumentarvariante Born in Flames (1983) oder den Filmen von Todd Haynes und Harmony Korine wird gehuldigt. Genreware wie Haywire und und Zero Dark Thirty werden dagegen auf Körperpolitiken untersucht.

Cléo erscheint dreimal jährlich und (bisher) ausschließlich als Online-Magazin. Trotz des Formats werden jeweils komplette Ausgaben zusammengestellt mit Cover und allem Drum und Dran. Drei Themenhefte sind komplett verfügbar: issue 1: flesh, issue 2: home und issue 3: doom. Von Ausgabe zu Ausgabe gibt es mehr und längere Artikel. Wir können uns wohl noch auf Einiges freuen.

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Und wem das noch nicht genug Lesestoff ist: das frisch gedruckte Berlinale-Journal liegt auch schon in den Kinos rum. Doch zu dem Thema an anderer Stelle mehr…

 

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