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Jahresrückblick 2012

31. Dezember 2012

2012 war nicht so, wie wir es uns Ende 2011 erträumten. Es war für uns ein eher ruhiges Jahr, mehr zum Pläne schmieden als ausführen geeignet. Gute Dinge blieben gut, von schlechten haben wir uns nur mühselig getrennt. Ansonsten hieß es Kräfte zu sammeln für kommende Vorhaben – und nebenbei natürlich exzessiv Popkultur konsumieren!

Serien

Besonders bei unseren Lieblingsserien ist nichts mehr wie bisher. Unsere alten Lieblinge wie Lip Service, Downton Abbey und Glee haben uns mehr als enttäuscht. Letzteres wurde aus Selbstschutz schon komplett ignoriert, während Downton Abbey und Lip Service uns abwechselnd vor den Kopf gestoßen und gelangweilt haben. Auch tot umgefallen wurde in den Serien: Maya (Pretty Little Liars), Cat (Lip Service), der gefühlte halbe Downton-Cast und Sherlock haben sich von uns (vorerst) verabschiedet, letzterer mit einen gewagten Kopfsprung vom Dach. Die tragische Stimmung der Serienlandschaft wurde (aus amerikanischer Perspektive) hier passend zusammengefasst: 50 TV characters who died in 2012.

Begeistert hat uns – und viele andere – trotzdem besonders die britische Sherlock-Variante – neben weiteren BBC-Serien wie Doctor Who oder Parade’s End. Auch die amerikanische Version von Sherlock Holmes namens Elementary hat uns einige schöne Stunden beschert, ebenso wie das grandiose Homeland mit Claire Danes – beide Serien finden ihren Weg nächsten Jahr endlich zu uns und werden ab Januar auf Sat 1 ausgestrahlt werden. Andere Serien waren gleichbleibend gut: The Good Wife, New Girl, Once Upon A Time, Covert Affairs und auch Mad Men überzeugten weiterhin. Eingereiht hat sich außerdem The New Normal, was wir bisher allerdings mit Vorsicht genießen. Die Serie stammt schließlich aus Ryan Murphys Feder, also vom selben Mann, der schon Glee gegen die Wand gefahren hat.

Mit der heiß erwarteten dritten Staffel von Lost Girl (ab 6.1.13) geht das neue Serienjahr dann aufregend los.

Kino

Seit Anfang des Jahres saßen wir immer wieder gebannt im Kinosessel: Nach der Berlinale kam erst Barbara mit Nina Hoss, dann brachte uns bald Die Tribute von Panem: The Hunger Games Dystopie und Jennifer Lawrence näher, während Young Adult uns daran erinnerte, wie großartig Diablo Cody und Charlize Theron sind. Mit The Avengers bewies Joss Whedon einmal mehr sein Genie; Moonrise Kingdom erzählte eine ganz junge Nerdliebe in den 60ern; in Haywire verkloppte Gina Carano den ein oder anderen Hollywood-Beau; dank Merida/Brave hielt der Feminismus Einzug bei Pixar; und mit The Artist stand tatsächlich ein Stummfilm im Oscarregen. Zum Jahresende gab es noch zwei Highlights: Der Hobbit und Anna Karenina bezauberten nicht nur mit schönen Bildern. (Beasts of the Southern Wild darf dann das neue Jahr einläuten.)

Unsere lesbischen Herzen durften 2012 das ein oder andere Mal höher schlagen – bei so unterschiedlichen Filmen wie dem Cross-Dressing-Drama Albert Nobbs, der Romanze Kyss Mig, dem iranischem Sharayet/Circumstance, dem Sci-Fi-Trash Codependent Lesbian Space Alien Seeks Same, der Porno-Komödie Mommy is Coming, der kleinen Lesbenstory in True Love und nicht zu vergessen bei unserem Berlinale-Highlight: Joven & Alocada/Young & Wild mit Alicia Rodríguez kommt hoffentlich bald regulär ins Kino.

Enttäuscht haben uns dagegen etliche Preisverleihungen, wie die Oscars & Emmys, die es einfach nicht wert waren, dass wir uns deshalb die Nächte um die Ohren schlugen. Filme wie 2 Tage New York, Snow White and the Huntsman, Cloud Atlas und Our Idiot Brother konnten unseren Erwartungen leider gar nicht standhalten. Mitten in der Vorbereitung für einen Lovely Saturday zu erfahren, dass so großartige Schauspielerinnen wie Elisabeth Moss (Mad Men) und Juliette Lewis Scientologinnen sind, war auch keine Freude.

Einen euphorischen Rückblick auf das Filmjahr liefert wieder einmal die großartige Gen I:

Musik

Um vom Film- zum Musik-Block überzuleiten: Als Lieblingssoundtracks des Jahres möchten wir ausdrücklich jene zu den Filmen Anna Karenina (klassisch), The Avengers (rockig), Haywire (schwungvoll), Oh Boy (jazzig), My Week With Marilyn (nostalgisch) und Moonrise Kingdom (verspielt) erwähnen.

Wir entdecken eine ganze Menge Neues: Gaggle, Oh Land, Polica, Imagine Dragons, Daughter, Purity Ring, Crystal Castles, Man Without Country und Karin Park – um nur ein paar zu nennen. Dank THEESatisfaction lernten wir sogar queeren Hip-Hop kennen. Auch altbekannte Gesichter und Stimmen lieferten wieder Gutes: Fiona Apple, Sharon van Etten, Metric, Cat Power, Kat Frankie, Scissor Sisters, Mirel Wagner und Parov Stelar wurden bei uns auch mal laut aufgedreht. Nur Lana del Ray können wir trotz lesbophilem Clip zu Summertime Sadness längst nicht mehr sehen oder hören. Andere wie The XX, Tori Amos, Gossip und Tegan & Sara blieben vielleicht nicht ganz auf ihrer Höhe, aber weiterhin hör- oder gar tanzbar.

Weniger tanzbar: Mit SOAP&SKIN alias Anja Plaschg war eines der Konzerte des Jahres zu erleben. Me and My Drummer gelang ebenso wie Of Monsters and Men ein bemerkenswerter Schnellstart. Missy Higgens spielte sich derweil mit einer kleinen Hymne tiefer in unsere Herzen: Unashamed Desire. Jetzt schon legendäre Videos legten M.I.A. (Bad Girls), Soko (We Might Be Dead By Tomorrow) und Amanda Palmer (Do it with a Rockstar) vor. Letztere machte überhaupt – genau wie Bat For Lashes – einfach mal wieder alles richtig. Deshalb hier noch ein Video des Jahres – einfach weil uns keiner dran hindert.

 

Bücher

Im letzten Jahr wurde sie überraschend Nadins liebste Unterhaltungsbuchautorin; dieses Jahr hat sie mit ihrem zweiten Roman im Querverlag nachgelegt und nun auch Charly restlos überzeugt: Tania Witte schreibt lesbische Schmöker mit queeren Tiefgang, wie sie nicht nur in Berlin ihresgleichen suchen. Ebenso queer: das feministische Zine Brav_a war das Highlight der diesjährigen Magazine-Kolumne. Spaß machte trotz kleiner Mängel auch Sarah Sajettis Chiara, Simona und die anderen. Gute Unterhaltung bot ansonsten mal wieder Max Goldt mit Die Chefin verzichtet und Christiane Rösinger stellte nochmals klar: Liebe wird oft überbewertet.

Alison Bechdel zitiert Dorothy Gallagher in: Are You My Mother?

Aus der Klassiker-Ecke ist die maßstabsetzende Biografie von Christa Winsloe nochmals zu empfehlen. Zwei andere lesbische Klassikerinnen konnten mit autobiografischen Romanen begeistern: Alison Bechdel zeichnete eine Fortsetzung oder eher Ergänzung zu Fun Home unter dem Titel Are You My Mother?, während Jeanette Winterson ganz offen einer Frage ihrer Mutter nachgeht: Why Be Happy When You Could Be Normal? Ob es in den Memoiren der 31-Jährigen Beth Ditto (Coal to Diamonds/Heavy Cross) auch um ihre Mutter geht, können wir nicht sagen, aber allein die Tatsache, dass das schmale Buch endlich erschienen ist, verlangt nach Erwähnung. Auch Rachel Maddows Militär-Analyse Drift haben wir bisher nicht gesichtet. Neugierig sind wir zudem auf die neue Anthologie No Straight Lines: Four Decades of Queer Comics.

Andere Künste & Medien

Was hat uns sonst noch so beschäftigt, wenn wir uns nicht gerade auf Tumblr versteckt haben? Da wären zum Beispiel die fünfte Staffel der Webserie The Guild, das Pro-Homo-Ehe-Drama 8 – A Play about the fight for Marriage Equality, die beeindruckende Ausstellungen der Grafikerin Dodo und die südafrikanische Fotografin Zanele Muholi oder der Masturbation Catalog der Wahlberlinerin Goodyn Green. Neuentdeckungen waren die Fotografie-Pionierin Alice Austen und die preiswürdigen Lesbenportraits von Tania Olive.

Darüberhinaus hat uns die australische Premierministerin amüsiert und beeindruckt sowie die Tatsache, dass Schauspielerinnen wie Anne Hathaway, Scarlett Johansson und Jennifer Lawrence endlich mal gegen die „Salat-Fragen“ bissige Antworten geben:

Immer mehr Frauen, People of Colour und auch offene Lesben tauchen auf den politischen Bühnen Europas und Amerikas auf, zuletzt Tammy Baldwin und Kyrsten Sinema. Obama bekam eine zweite Chance und promotete Homo-Rechte ebenso laut wie Hillary Clinton, von der wir als Außenministerin dagegen Abschied nehmen müssen. Aber die Gute wird sich schon nicht langweilen…

textsfromhillaryclinton.tumblr.com

Einige Frauen, die 2012 im Mittelpunkt der Medien standen, traf ein schweres Schicksal: Aktuell macht ein besonders brutaler Gang-Bang-Überfall mit Todesfolge nicht nur in Indien die alltäglich Gewalt gegen Frauen zum breit diskutierten Thema. Im Sommer schürte der Schauprozess um die Punk-Band Pussy Riot die Kritik an der russischen „Justiz“ und rief zahlreiche Unterstützer auf den Plan, zum Beispiel Peaches. Derweil unterstütze die Deutsche Bahn seelenruhig Abtreibungsgegner. Was uns ebenso bitter aufstieß, waren Äußerungen, mit denen sich immer wieder weibliche Promis wie Carla Bruni und Katy „I Kisses a Girl“ Perry vom Feminismus distanzieren. Das muss endlich aus der Mode kommen!

Was wir so von den kommenden Monaten erwarten können, präsentieren wir euch frisch im neuen Jahr in einem extra Eintrag.

Wir sehen uns! Byeeee 2012!

Und jetzt geht mal feiern!

 

1 Kommentar

  • Reply Das war der phenomenelle Jahreswechsel – ein lesbischer Rückblick 13. Januar 2013 at 12:47

    […] kweens.de: jahresruckblick-2012 […]

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