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Pyjama-Party: Eine italienische Nacht

30. November 2012

Der November zeigt sich von seiner dreckigen Seite – Zeit für eine lange Pyjama-Party! Statt vor die Tür zu gehen, träumen wir uns doch lieber ans Mittelmeer. Und zwar mit drei sehr unterschiedlichen Filmen, die alle nur im italienischen Original mit Untertitel vorliegen. Es folgt also ein kleiner Crashkurs in der romanischen Sprache. Und allen, die nicht unbedingt auf den klassisch mediteranen Frauentypus abfahren, denen sei versichert: Blasse Blondinen sind für italienische Verhältnisse eher überrepräsentiert, auch wenn sie meist nicht in den dynamischen Rollen auftreten…

Der blumige Titel Sea Purple, das romantische Plakat und ein von Gianna Nannini verantworteter Soundtrack führen bei dieser DVD auf den ersten Blick in eine falsche Richtung. Denn trotz großer Liebesgeschichte ist der Film von Donatella Maiorca kein Kitsch, sondern ein brisantes, hochspannendes Historiendrama mit einer energischen Hauptfigur. Im Sizilien des 19. Jahrhunderts wächst Angela als dickköpfiger Tomboy mit grausamem Vater auf. Als dieser sie verheiraten will, sträubt sie sich aus Liebe zu ihrer schönen Jugendfreundin Sara. Die ausweglose Situation findet schließlich eine radikale Lösung…

Diese wahre Lebensgeschichte geht ein bisschen an die Nieren. Doch allein wegen der beeindruckenden Bilder und der beiden starken Schauspielerinnen, Valeria Solarino und Isabella Ragonese, will man den Film nach dem Schauen sofort weiterempfehlen. Zuerst sollte man aber die DVD-Extras genießen: Sie beinhalten neben Trailern ein schönes Making-Of, eine komplett rausgeschnittene Nebenhandlung und eine extra lange Version der Sexszene!

Riparo – Zuhause ist sowohl ein intensives Beziehungsporträt als auch ein ungewöhnliches Flüchtlingsdrama. Zum Darsteller-Trio gehört die kleine, markante Maria de Medeiros, die uns als Anaïs Nin in Henry & June kennen oder aus Pulp Fiction bekannt ist. Medeiros‘ Figur ist die eher starke, bestimmende Anna, die in der Chefetage eines großen Familienunternehmens die Fäden in der Hand hat. Antonia Liskovas Mara ist dagegen eine etwas chaotische Fabrikarbeiterin, die still an der mangelnden Akzeptanz ihres Umfelds und dem sozialen Ungleichgewicht leidet. Ein marokkanischer Teenager, den die Frauen unwissend über die Grenze brachten, macht aus dem Paar eine Art Familie auf Zeit…

Jenseits der typischen Lesben-Film-Plots wird Riparo von seinen komplex gezeichneten und bemerkenswert gespielten Charakteren getragen. Er behandelt allgemeingültige Themen wie Liebe, Vertrauen und Kontrolle auf sehr ehrliche Weise. Und ohne Schema F bleibt die Handlung immer für Überraschungen offen.

Mit Gasoline – Benzina wird der Film-Abend nun etwas trashiger. Das zehn Jahre alte Road-Movie regt gezielt zu Bound– und Thelma & Louise-Vergleichen an. Hier erwarten uns schreckliche Unfälle, gefährliche Feuer und Liebende auf der Flucht. Die wildgelockte Hauptdarstellerin (Maya Sansa) hat den trotzigen Charme von Momo und eine verletzliche Freundin (Regina Orioli) an ihrer Seite.

Von der titelgebenden Tankstelle ausgehend erleben wir auch hier ein Frauenpaar mit unterschiedlichen Haarfarben, das sich gegen die Intoleranz ihrer Umwelt zur Wehr setzt. Anstelle einer ausgeklügelten Story spielt der Film mit surrealistischen Elementen und allerlei Zitaten. Nach den zwei ernsten Dramen (und ein paar Glas Wein) taugt der Film dank seines schon recht coolen Looks als lockerer Abschluss dieser Italien-Nacht.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann mehr Italo-Lesben und noch mehr neue Vokabeln zum Beispiel in den Filmen Endlos – Senza Fine und Lucias Reise entdecken (beide OmU).

Sea Purple Viola di mare (OmU), 2009
Regie: Donatella Maiorca
105 Minuten
FSK: ab 12
Pro-Fun Media
ca. 15 Euro

Riparo – Zuhause (OmU), 2006
Regie: Marco Puccioni
101 Minuten
FSK: ab 16
Salzgeber
ca. 15 Euro

Gasoline – Benzina (OmU), 2002
Regie: Monica Lisa Stambrini
85 Minuten
FSK: ab 16
Pro-Fun Media
Für ca. 5 Euro zu haben!

Alle Trailer und Bilder (c) Pro-Fun Media. Außer: Riparo – Zuhause (c) Salzgeber.

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