Bücher Filme

Kick-ass-Kompendium: „Ink-Stained Amazons & Cinematic Warriors“

11. Mai 2012

 „In one issue of the comic book, the Holiday Girls thank Wonder Woman for helping them. They helped themselves, she replies; she only showed them how.“

Ink-Stained Amazons ist nicht weniger als die umfassende Geschichte der modernen Superheldin in Comic, Film, TV und Literatur. Aber was heißt hier eigentlich „Superwoman“? „She can be a spy, a secret agent, an assassin, a detective, a witch, a reporter, or a superhero. She becomes super by passing the limits of the human body and mind, either through rigorous training, an industrial accident, by virtue of being an alien, mutation, or advanced evolution.“ Jennifer K. Stuller geht es also nicht (nur) um sexy Supergirls oder gar latent überforderte Superweiber. Die von ihr zusammen getragenen Heldinnen wurden erschaffen, um die Gesellschaft mit den Mitteln der Popkultur zu verändern. Nicht alle Figuren würden wir heute noch als feministische Vorbilder einstufen. Doch bereits die Mutter aller Superheldinnen entsprang der Zeichenfeder eines radikalen Feministen: William M. Marstons Wonder Woman sollte als „psychological propaganda“ die zukünftigen Matriarchinnen der Welt wachrütteln. Von 1943 bis zu der Metaparodie „D.E.B.S.“, der Erfolgsserie „Heroes“ und dem Mutter-Tochter-Comic „GoGirl!“ war es gleichsam ein langer Weg, den Stuller in vier Kapiteln spannend nacherzählt, immer auf der Suche nach starken Frauenfiguren und innovativen Ideen, aber auch nach misogynen Topoi und Rezeptionsproblemen.

Im zweiten Teil des Buches beschreibt Stuller gewisse Muster der „modernen Mythen“: Meist ist (wie schon im klassischen Märchen) die Mutter abwesend, der Vater dafür ein starkes Vorbild. Während Mutterschaft nur bedingt thematisiert wird, sind Wahlfamilien umso bedeutender – „redemption, collaboration, compassion“ erkennt die Autorin als Erfolgsrezept einer Held_innen-Gemeinschaft wie bei „Buffy“. Nachdem der dritte Buchabschnitt einige der noch immer raren Comic-Autorinnen, Filme- und Serienmacherinnen des Genres vorstellt, gibt Stuller abschließend einen Ausblick auf ihre Vision des inklusiven Held_innentums, das vielfältigen Menschen ein adäquates Vorbild für heroisches Leben bieten solle. Fast ein Drittel des Buches füllt der Anhang, der neben vielen Endnoten auch ein Personen-Glossar, den Index, Bibliografien und Empfehlungslisten enthält. Damit zeichnet sich „Ink-Stained Amazons“ endgültig als Handbuch für alle Superheldinnen-Fans aus.

Jennifer K. Stuller: Ink-Stained Amazons and Cinematic Warriors: Superwomen in Modern Mythology. London: I.B. Tauris, 2010, 272 Seiten, ca. 13 Euro.

Weiterlesen: Dort gibt’s ein Interview mit Jennifer K. Stuller beim BitchMagazine und hier die eigene Website zu Ink-Stained Amazons.

Weitergucken: Zu dem Thema drehte Kristy Guevara-Flanagan gerade eine Dokumentation, die dieses Jahr durch die Festivals tourt und an der auch Jennifer K. Stuller neben Gloria Steinem und Shelby Knox beteiligt ist: Wonder Women! The Untold Story of American Superheroines.

*

Mein Text erschien zuerst in: fiber. werkstoff für feminismus und popkultur (Heft 20). Auch an dieser Stelle gratulieren wir zu 10 Jahren fiber und der extra dicken Jubiläumsausgabe zum Thema „Superheld_innen“! (Hier erhältlich)

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar