Kultur

Werkschau: Dodo zeichnete ihr Berlin der 20er Jahre

20. April 2012

Die Berliner Kunstbibliothek im Kulturforum am Potsdamer Platz füttert derzeit mit einer kleinen Ausstellung einmal mehr die große Faszination an den sogenannten Goldenen Zwanzigern. In einer Werkschau stellt sie vergessene Grafiken und einige spätere Arbeiten einer kurzzeitig erfolgreichen Künstlerin aus. „Dodo – ein Leben in Bildern“ ist der Berliner Kunstsammlerin Renate Krümmer zu verdanken, die in London auf das Bild „Wedding auf dem Dachgarten“ stieß und eine gründliche Recherche begann.

Schon früh wählte Dörte Clara Wolff (1907-1998, Bild oben) ihren Künstlernamen Dodo und begann ihren Weg als Modegrafikerin. Nachdem sie Mitte der 20er an der privaten Kunstschule Reimann studiert hatte, arbeitete sie als freie Illustratorin bald erfolgreich für ULK, eine Satirezeitschrift aus dem Hause Mosse, aber auch für Modemagazine und das Berliner Tageblatt. Es entstanden detaillierte Kostümentwürfe, Karikaturen, Szenen aus dem Berliner Nachtleben…

Mit den wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen war die große Karriere bald vorbei. Nach 1934 durfte sie nur noch in jüdischen Medien veröffentlichen und 1936 ging sie dann mit Mann und Kindern nach London, wo sie nur noch mit Grußkarten und Kinderbüchern Geld verdienen konnte.

Dass ihr Leben auch privat äußerst zerrissen war, reflektieren Bilder mit Titeln wie: „Zwischen zwei Männern“, „Ohne Titel (Liebe unter Frauen)“, „Das Betthäschen“ und „Madame wünscht keine Kinder“. Einen großen Teil der Ausstellung machen im Zuge einer Psychoanalyse entstandene Traum-Gemälde aus. Auch einige Stillleben ihrer zurückgezogenen Jahre werden gezeigt. Erfolglos sucht man hier nach Parallelen zu ihren energischen, giftigen, mondänen Werken aus dem Berlin der 20er Jahre.

Für Kurzentschlossene bietet das Lesbenarchiv Spinnboden am morgigen Samstag nachmittag einen gemeinsamen Besuch der Kulturschwärmerinnen an! Details hier.

Sisters

Der Windhund

In der Loge

Ausstellung: „Dodo – Ein Leben in Bildern“.
In der Kunstbibliothek Berlin bis 28. Mai,
ab 22. Juni dann im The London Jewish Museum of Art.

Katalog mit allen Ausstellungsstücke sowie noch mehr Bildern und Fotos neben interessanten Texten:
Renate Krümmer (Hrsg.): Dodo: Leben und Werk 1907–1998. Hatje Cantz, Ostfildern 2012, 39,80 Euro.

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