Filme Queer Life

Circumstance / Sharayet – Eine Liebe in Teheran

26. März 2012

Der Iran der Gegenwart, Teheran, zwei Mädchen, verbotene Musik und Partys, Sittenwächter und die Liebe zueinander. Das ist Circumstance oder auch hierzulande Sharayet – Eine Liebe in Teheran. Schon vor Monaten haben wir den Trailer und erste Ausschnitte über den grünen Klee gelobt, ohne den Film überhaupt gesehen zu haben. Das Warten hat sich gelohnt.

Schon in den ersten Minuten des Filmes, während des Anwesenheitsüberprüfung der Schüler, steckt Shireen einer breit grinsenden Atafeh einen Origami-Kranich zu. Zwischen den beiden ist mehr, als es den Anschein hat. Beide kommen aus wohlhabenden Familien und während sich Atafehs Familie immer wieder vom religiösen Druck des Landes frei kaufen konnte, wird angedeutet, dass Shireens Eltern Akademiker waren, die für ihre Art zu Denken und zu Leben einen hohen Preis zahlen mussten und alles verloren haben.

Es dauert nicht lange, bis der Film in die vom Staat verbotenen Partys eintaucht, zarte Annäherungen zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen zeigt, alles zu einem Soundtrack voller Songs, die im Iran größtenteils verboten sind. Beide Mädchen träumen sich in eine freie Welt, eine Welt in der sie sie selbst sein können und die Zuschauer_innen werden in die imaginären, freizügigen, lesbischen Clubs mitgenommen, die sich beiden ausmalen, mitgenommen. Eine Welt, die es selbst hier bei uns so nicht gibt und die trotzdem reizvoll inszeniert ist.

Doch in der iranischen Gesellschaft bleibt das Treiben der beiden nicht lange unbemerkt. Ungeschönt sieht man, wie beide für so etwas alltägliches wie Auto fahren im Gefängnis landen und dort den körperlichen Untersuchungen ausgeliefert sind. Beide kommen frei, doch für Shireen ist es mit einem hohen Preis verbunden: Für ihre Freiheit muss sie den religiös-fanatischen Bruder ihrer Freundin Atafeh heiraten.

 

Inwiefern der Film die eigentlichen Zustände im Iran wiedergibt, darüber maße ich mir kein Urteil an. Sharayet ist jedoch ohne Zweifel ein wirklich gekonnter, schöner, trauriger und bewegender Film, den ich nach dem ersten Mal gleich noch einmal ansehen wollte!

Deutscher Kinostart: 24.05.2012
Ab heute in der L-Filmnacht

Alle Bilder & Trailer (c) Edition Salzgeber

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