Bücher Filme Musik Queer Life Serien

Der große Jahresrückblick 2011

31. Dezember 2011

Das Jahr ist vorbei. Und beim Kalender-Austauschen stellt sich unwillkürlich die Frage, was für ein Jahr das eigentlich war. Zweifellos ein Jahr nicht ohne Enttäuschungen und Ernüchterung, voll schlechter Nachrichten und schlechten Wetters. Trotzdem haben wir uns wieder ganz am Ende hingesetzt und überlegt, was es so an Highlights (und Flops) gab und geben euch jetzt einen gar nicht so kleinen Rückblick auf 2011.

Was geschah in der realen Welt? Mit einer angemessenen Portion Zynismus können wir da einige in der aktuellen Zitty versammelte Begriffe zitieren: Abklingbecken, Befehlskühlung, Merkozy, Euro-Bonds, Utøya, Integrations-Bambi, Google-Institut, Leistungsschau und Schrottimmobilie. Immerhin auf den Berliner Slutwalk blickt das Magazin – im Gegensatz zum peinlichen Konkurrenten Tip – erfreut zurück.

So, wenden wir uns nun dem wirklich Wichtigen zu: der Entertainment-Welt!

Serien

2011 bescherte uns einige neue Serien, bei denen wir gar nicht recht wissen, was wir davon halten sollen. Zum Beispiel Sachen wie Ringer und Pan Am, die uns etwas ratlos zurück lassen, trotz einigen brillianten Schauspielerinnen im Cast. Andere Serien wie den Mad-Men-Abklatsch The Playboy Club und die britische Reality-Show Candy Bar Girls, die es ohnehin nie nach Deutschland schaffen werden, können wir wirklich nicht vermissen. Uneins waren wir uns allerdings bei der Frage, ob Kat Dennings eigentlich die Zooey Deschanel unter den Zynikerinnen ist und ob nun The New Girl oder doch 2 Broke Girls mehr überzeugt. Beide Comedy-Shows werden wir jedenfalls weiterverfolgen!

Andere Serien hingegen überzeugten ohne wenn und aber: Charly verliebte sich Hals über Kopf in die britische Kostüm-Serie Downton Abbey; Good Wife wurde ganz nach Erwartung sogar noch besser; Glee entwickelte sich endgültig zu einer Serie, die man wie ein kleines, nerviges Geschwisterchen liebt: Wir meckerten und regten uns wahnsinnig über eine gewisse Outing-Folge und eine gewisse männliche Hauptfigur auf – aber wehe jemand sagte etwas gegen Glee…

Von anderen mussten wir leider Abschied nehmen: Die deutsche Soap Hand aufs Herz, deren lesbisches Pairing „Jemma“ Fans auf der ganzen Welt fand, wurde gecancelt. Auch von Daughters of Club Bilitisund Skins US mussten wir uns verabschieden. So erfrischend wir gerade die Daughters fanden, sie waren ihrer Zeit ganz offensichtlich voraus. (Wenigstens vom britischen Skins-Orginal gibt es lesbische Neuigkeiten auch im nächsten Jahr.) Auch von der von Diablo Cody produzierten großartigen Serie United States of Tara mussten wir uns schweren, schweren Herzens verabschieden.

Filme

Unsere lesbischen Herzen schlugen bei große Produktionen wie Black Swan und Kleine Wahre Lügen, aber auch bei kleinen Indie-Filmen wie Break My Fall, Fjellet, The Four-Faced Liar und dem ungewöhnlichen Gigola höher. Eine tolle Materialsammlung bot die Doku Women Art Revolution. Auch beim deutschen Film gab es Highlights –  besonders Romeos und Lollipop Monsters begeisterten und überzeugten. (Und im Namen aller, die Tom Tykwers Drei nicht gleich in der Startwoche gesehn haben, soll auch dieser Sophie-Rois-Film nochmal erwähnt werden.)

Auch ohne lesbische Figuren erlebten wir im Kino ein paar ganz große Highlights: Die Briten lieferten uns Helena Bonham Carter in The King’s SpeechToast und natürlich dem letzten Harry Potter, sowie Archie Panjabi in der hinreißend bösen Komödie The Infidel (Alles Koscher!), außerdem den charmanten Coming-of-Age-Film Submarine. Miranda July präsentierte ihren zweiten Film The Future, der ebenso charmant war wie der schräge Super mit Ellen Page und Gregg Araki wilder Film Kaboom. Daneben ging das wunderbare Drama The Tree mit Charlotte Gainsbourg zu Herzen, die auch im Kunst-Hype des Jahres Melancholia mitwirkte. Kate Winslet war nach dreijähriger Pause gleich dreifach zu sehen: in Contagion, Carnage (Gott des Gemetzels) und der Mini-Serie Mildred Pierce (auf letztere wartet man hierzulande aber noch). Und Keira Knightley gab nicht nur in Last Night ihr Bestes, sondern auch in A Dangerous Method (Eine dunkle Begierde), London Boulevard und Never Let Me Go (Alles, was wir geben mussten) – wobei letzterer allerdings eher enttäuschte, eine gute Figur ab. Apropos Enttäuschungen: Auch bei Norwegian Wood, Sucker Punch, dem Berlinale-Beitrag Chang-Pi-Hae (Ashamed) und der Schülerinnengeschichte Bloomington verpufften schnell alle Erwartungen, welche man für Glee 3D freilich gar nicht erst ernsthaft aufgebracht hatte.

Gleichzeitig konnten dieses Jahr sogar männliche Schauspieler (fast) unsere Herzen erobern: Michael Fassbender war erst Magneto (X-Men: First Class), dann C.G. Jung (A Dangerous Method) und zuletzt Rochester (Jane Eyre) – und immer grandios. Auch der smarte Ewan McGregor war mit Beginners und Perfect Sense wieder auf der Höhe. Beide Herren werden sich übrigens bald in Haywire von Gina Carano verprügeln lassen…

Und eh wir uns noch mehr ins Schwärmen und Erinnern vertiefen, zeigen wir lieber diese wundervolle Filmographie, einen Zusammenschnitt des gesamten Filmjahres 2011, den wieder einmal Gen I. bei Youtube eingestellt hat:

Musik

Musikalische Rückblicke sind eindeutig am schwierigsten, denn nicht jede gute Platte überzeugt auf Anhieb, nicht jeder Songs bleibt übers Jahr im Gedächtnis und nicht jeder Künstler hält längerer Prüfung stand. Noch dazu hören wir beide viel zu viel Musik, um uns auf eine gemeinsame Best-of-Liste einigen zu können. Für repräsentative Listen verweisen wir lieber auf große Onlinemagazine wie Canonball – The 20 Best 2011 Albums (That Happened to Be Made by Women) – oder Wears the Trousers – best of 2011: the albums we adored pt. Ibest of 2011 pt. II.

Persönlich am Herzen lagen uns dieses Jahr noch immer Florence and the Machine, PJ Harvey, Uh Huh Her, M83, Lady Gaga (& Joe Calderone) und Björk (zum Teil mit eher gemischten Gefühlen). Daneben machten wir viele Wiederentdeckungen wie Poly Styrene (Ruhe sie in Frieden!), The Duke Spirit und CSS (zwei großartige Live-Bands!), Girl In A ComaKim Ann Foxman und Joan as Policewoman. Ganz neue musikalische Begegnungen waren zum Beispiel EMISummer Camp, Ellie Goulding, I Blame Coco, Jessie J, Planningtorock, Zola Jesus, Austra, Mika Vember, Little Dragon, Veronika Falls & Darkness Falls (nicht zu verwechseln!), Yuzuki ReonFlorrie und auch der Lip Service-Star Heather Peace. Als besondere Entdeckungen erfreuten uns Barbara Panther und Emika.

Eine gewisse Wahlberlinerin lieferte dieses Jahr zwar keine neue Platte, war aber wieder jede Live-Begegnung wert und gab vielleicht der ein oder anderen den passenden Soundtrack mit diesem kleinen Track:
Frauen Verlassen by Kat Frankie

Bücher

2011 erschienen neue Bücher einiger unser liebsten Autorinnen wie Antje Ravic Strubel (Sturz der Tage in die Nacht), Kirsten Fuchs (Eine Frau spürt so was nicht), Miranda July (It Chooses You), Siri Hustvedt (Summer Without Men) und Judith Schalanski (Hals der Giraffe), Bücher, die hier bei Kweens leider etwas untergingen.

Mehr Beachtung fanden diesmal Sachbücher, darunter die aufschlussreiche Pressestudie Schön! Stark! Frei! von Elke Amberg und der Portrait-Sammelband The L Life – Extraordinary Lesbians Making a Difference. Daneben begeisterten uns das unterhaltsame Geek Girls Unite! von Leslie Simon und Jennifer Baumgardners Essay-Sammlung F’em! Goo Goo, Gaga, and Some Thoughts On Balls, die noch immer zu Nadins Bettlektüre gehört.

Unsere liebsten Memoiren des Jahres stammten von Jane Lynch (Happy Accidents) und natürlich von Tina Fey – ihr Bossypants ist das vielleicht lustigste Stück feministische Pflichtlektüre überhaupt (und erscheint Anfang Juni auch auf Deutsch bei Rowohlt)! Zwei deutsche Romane haben es uns ebenfalls angetan, die überraschend aus den Genres Jugend- und Unterhaltungsliteratur kommen: Anna Kuschnarowas spannendes Buch Junkgirl und Tania Wittes wunderbare queere Geschichte beziehungsweise liebe!

Als großartige Bücher von Männern sollten erwähnt werden Gary Shteyngarts Super Sad True Love Story und Angel de la Calles Graphic Novel Modotti. Dafür irgendwie enttäuschend war das neue Buch von Ellen DeGeneres (Seriously…I’m Kidding), bei der wir lieber auf die richtigen Memoiren warten. Unentschlossen ist Charlys Urteil über Raum der lesbischen Autorin Emma Donoghue, die aus der Sicht eines Fünfjährigen eine erschütternde Geschichte erzählt, welche sich eigentlich komplett um Freiheitsentzug, Vergewaltigung, sexuelle Unterdrückung und dem, was „danach“ kommt, dreht. Bei allem Respekt für die Autorin: das Buch beschert vor allem unschöne Träume, wie leider viele literarische Texte dieses Jahr…

Ausblick auf 2012

Mit 2011 geht heute ein Jahr zu Ende, dass zumindest die Kweens nicht sehr vermissen werden. Einer Studie nach, blicken die meisten Deutschen sehr optimistisch in das neue Jahr. Und da machen wir doch glatt mit und fragen uns, auf was wir uns nächstes Jahr so freuen können:

Neben Albert Nobbs, der uns schon vor weg sehr begeistert hat und den wir euch schon jetzt wärmstens ans Herz legen, wird im Frühling auch der wundervoll dramatische Film Sharayet/Circumstance bei uns sogar in die Kinos kommen! Lesbische Liebe im heutigen Iran.

Während Nadin sich von unzähligen Trailer angefüttert auf den neuen Muppets-Film und auch auf Tim Burtons Frankenweenie freut, sind wir uns bei anderen Filmen sogar beide schon jetzt ganz aus dem Häuschen: Außer dem süßen französischen Tomboy und dem meist erwarteten Prequel aller Zeiten The Hobbit kommen einige starke Frauenfiguren auf die große Leinwand: Die toughe Gina Carano in Soderberghs Haywire, the one and only Meryl Streep in The Iron Lady als Margeret Thatcher, Kristen Stewart als toughes Schneewittchen in Snow White und The Hunger Games mit Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen, lassen unsere Cineastinnen-Herzen jetzt schon höher schlagen. Nicht zuletzt hat der Pixar-Film Brave eine Heldin mit wilden roten Locken.

Auch unsere Fernseh- und Computerbildschirme freuen sich auf 2012: Endlich geht Mad Men in die fünfte Staffel und somit nach viel zu langer Pause weiter, genauso wie Lip Service, wo wir in Staffel 2 mit Cat zusammen wieder zwischen Frankie und Sam hin- und hergerissen sein werden. Und Carrie Brownsteins Portlandia kommt schon am 6.1. mit einer zweiten Staffel zurück.

Aber nicht nur die Augen werden 2012 definitiv verwöhnt werden. Goldfrapp, Holly Miranda, Gossip, CREEP und auch The Blow werden uns mit neuen Platten beehren. Und ganz bestimmt werden uns noch einige mehr mit neuen Sounds oder Songs verwöhnen.

Auch an der Bücher-Front bleibt es spanned, vor allem in der Memoiren-Ecke: Wir freuen uns auf das neue Alison Bechdel-Buch Are You My Mother?, einer Fortsetzung von Fun Home. Nicht in Graphic Novel-Form werden die Memoiren von Jeanette Winterson sein, die unter dem Titel Why Be Happy When You Could Be Normal? angekündigt sind. Außerdem stellt sich die Frage: Werden wir endlich Beth Dittos überfällige Autobiographie Coal to Diamonds zu sehen bekommen, die immerhin Michelle Tea (mit)geschrieben hat?!

In Deutschland wird der Ulrike Helmer Verlag Sammelbände mit schönen Titeln (Bücher sind Klamotten fürs Hirn) und kontroverseren Titeln (Muschiland) herausbringen. Außerdem kommt gleich im März das nächste Buch von Antje Ravic Strubel: Die Gebrauchsanweisung für Brandenburg verspricht u.a. uns „landestypischem Humor, der Bedeutung der Kreissäge und den Vorzügen brandenburgischer Wortkargheit“ näher zubringen.

Privat und beruflich war das für uns Kweens ein eher bescheidenes Jahr – da wir setzen unsere Hoffnungen auf 2012. Was jedoch immer gut lief und wirklich immer größer & besser wurde, war Kweens selbst! Deshalb danken wir an dieser Stelle all unseren Leser_innen sehr sehr sehr fürs Lesen, Liken, Kommentieren, Twittern und immer wieder Vorbeischauen.

Merci!

2 Comments

  • Reply Helena 1. Januar 2012 at 21:19

    …deshalb danke ich an dieser Stelle ‚Kweens‘ sehr sehr sehr fürs informieren, empfehlen, kommentieren,… und werde immer wieder vorbei schauen.
    Alles Gute für euch und ein großartiges 2012!!

  • Reply Die Einzelgängerin: Meine Jahre | A New Eve 2. Januar 2012 at 08:50

    […] intellektuell und sexuell. And the rest shall not be silence. Jahresrückblick von Kweens: Der große Jahresrückblick 2011 Puzzlestücke: Alles Gute! Share this:TwitterFacebookGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser […]

  • Schreibe einen Kommentar