Kurz kommentiert Politik

Kurz kommentiert

20. November 2011

Erneut haben sich bei uns diverse Links, Videos und Nachrichten gesammelt, die weitergegeben und kommentiert gehören. Beginnen wollen wir mit nationaler und internationaler Politik.  Für die Unterhaltung ist dann weiter unten gesorgt…

? Gerade wurde die Magnus-Hirschfeld-Stiftung für Homosexuellen-Forschung offiziell beschlossen, da wird schon kontrovers (weiter-)diskutiert. Darf sich die FDP mit dem Beschluss nun schmücken, obwohl über den Entwurf schon 11 Jahre verhandelt wird und er in erster Linie der Initiative Queer Nations sowie den Grünen zu verdanken ist? Muss denn die Erforschung der homosexuellen Geschichte überhaupt noch gefördert werden?

Ja, es fehlt vor allem an Geld für die Forschung, ebenso fehlt eine Vernetzung der Forscherinnen und Forscher. Dieses Thema ist so gut wie kein Gegenstand der historischen Forschung an deutschen Universitäten. (Andreas Pretzel, Queer Nation)

Drum erschallt sogleich der Ruf nach einem Magnus-Hirschfeld-Institut in Hirschfelds Forscher-Heimat Berlin. So oder so bleibt zu fragen:  Wird in der Stifung wieder vor allem die schwule Sichtweise gestärkt, während weibliche und besonders Transgenders fast völlig ausgeklammert werden? Und warum muss die FDP nun derart geschmacklose Anzeigen schalten (ganzseitig in diversen Medien; hier ohne Partei-Logo)?

Magnus Hirschfeld (1868 – 1935) in blau-gelber Partei-Grafik

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? Ein heterosexuelles Paar aus Österreich klagt sich gerade bis zum Europäischen Gerichtshof vor, weil sie eine Eingetragene Lebenspartnerschaft anstatt einer Ehe wollen. Weil das „moderner“ sei. Ist das jetzt ein Fall von geistig nicht ganz beeinander oder möchten hier Heteros einfach nur auf Krampf ein Privileg erlangen, weil Heterosexuelle ja grundsätzlich schon viel zu wenige davon haben? Man weiß es nicht so genau. Das Urteil des Richters ist allerdings auch mehr als fraglich. Da historisch Heterosexuelle keine benachteiligte Gruppe seien, dürfen sie auch von der eingetragenen Lebenspartnerschaft ausgeschlossen werden. Hä? „Weil ihr sonst nie ausgeschlossen werdet, werdet ihr jetzt hier aus Prinzip ausgeschlossen“? Das ist doch alles total unsinnig! Warum nutzen die die vergeudete Energie nicht dafür Ehen für alle zu legalisieren? Das würde wenigstens so etwas wie Sinn machen.

? Wie zum Beispiel in Dänemark: Dort wurde gerade die Homo-Ehe legalisiert. Nach Sylvester ist es in unserem Nachbarland soweit: Gleichgeschlechtliche Paare, die sich bisher nur verpartnern konnten, können in den Kirchen Dänemarks heiraten und werden von Staat und Recht als Ehepaar behandelt. Das ist doch mal ein vorbildlicher Schritt!

? Weniger Gewalt gegen Homos – oder steigende Dunkelziffer? Die Berliner Polizei verzeichnete dieses Jahr bis Ende September 67 Übergriffe auf Homosexuelle, gegenüber 98 Fällen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Soll das jetzt etwa ein Grund zur Freude sein, fragt die taz. Denn erfahrungsgemäß steigt die Zahl der angezeigten Straftaten, wenn gerade mit Kampagnen offensiv gegen Homophobie gekämpft wird. Da liegt der Umkehrschluss nahe…

? Wer wollte sich nicht schon immer wie Lisbeth Salander aus Girl With the Dragon Tattoo anziehen? Ich zum Beispiel nicht. Aber die, die es wollen, können sich ab Anfang Dezember von ihr inspirierte Outfits direkt von der Stange bei H&M holen. Wer dann noch dürr und blass mit Schatten unter Augen ist, liegt offenbar voll im Trend.

? Übergroßen Models sind für gewöhnlich einfach nur Frauen mit Körpermaßen, die nur leicht unter dem gesellschaftlichen Durchschnitt liegen, während Frauen mit Kurven in den Medien freiwillig wieder abnehmen, damit nicht ständig über ihre „extra Pfunde“ diskutiert wird. Ein schöner Artikel der sich mit diesen Tatsachen beschäftigt, gibt es hier bei philibuster zu lesen: Beautiful Freaks.

? Vom Buch zum Film zur TV-Serie: I Cant Think Straight soll zur Serie werden und bittet um Unterstützung. Wer möchte nicht gern mehr davon sehen:

? Ich persönlich fand Sarah Silverman ja schon immer unglaublich niveaulos und unlustig. Die New York Times nimmt sich Silverman und andere junge/erfolgreiche Comedians zur Brust und die unheimliche Tatsache, dass die meisten Gags dieser Frauen Vergewaltigungswitze beinhalten. Ein erschreckender Artikel und ein furchtbarer Trend. Ganz ernsthaft, sowas hier:

“Who’s going to complain about rape jokes? Rape victims?” she [Silverman] asked. “They barely even report rape.”

Das ist NICHT witzig. Nicht einmal ein ganz kleines bisschen.

? Derweil hat sich allerlei lesbische Prominenz für Charity-Projekt zusammengetan und den Song It Does Get Better aufgenommen. Mehr Infos dazu liefert Facebook.

? Natürlich freuen wir uns, dass das Zeitschrift Fräulein unserem Liebling Miranda July das knallige Magazincover, ein liebevoll gestaltetes Innencover und ein großes, reich bebildertes Interview widmet. Allerdings fragen wir uns, was die Herren und Damen Blattmacher bitteschön für einen Feminismus-Begriff haben. Im Inhaltsverzeichnis heißt es da, Miranda sei „eine Feministin, ohne ihre Weiblichkeit zu verlieren.“ Und nicht nur das: Laut Vortext „weigert“ sich die Künstlerin gar „maskuliner aufzutreten, auch wenn das ihrer Karriere zu Gute kommen würde. Denn Weiblichkeit hält sie für eine kraftvolle Eigenschaft.“ Ja, klar, vermännlichte Feministinnen, die keinen Wert im Weiblichsein sehen, haben ja auch den größten medialen Erfolg! Was, solche Frauen gibt es ja gar nicht? Umso besser, scheint es aus dem Fräulein zu schallen.

? Amanda Seyfried ließ sich (wie übrigens auch Zooey Deschanel) in Diablos Codys Wohnwagen einladen und über so allerlei ausfragen. Das unterhaltsame Gespräch der Reihe Red Band Trailer gibt es hier.

? Und zum Schluss gibt Loretta Lee Jackson noch sehr ernst gemeinte Tipps zur Beantwortung der drängenden Frage: Is your daughter a dyke?

2 Comments

  • Reply Dana 23. November 2011 at 09:22

    Hey there,
    ich finde nicht, dass was dagegen spricht, wenn auch Heteros die eingetragende Lebenspartnerschaft eingehen. Wenig bis gar keine Vorteile springen da für sie raus, aber warum nicht. In Schweden sind die eingetragenen Lebenspartnerschaften auch Heteros zugänglich. Macht eigentlich auch Sinn: Keine Diskriminierung auf der Grundlage von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Jede_r darf alles…
    Viele Grüße
    Dana

  • Reply Nadin 23. November 2011 at 09:36

    Eigentlich ja ein guter Gedanke, Dana. Nur: Wenn unabhängig von Geschlecht und Begehren jede_r alles dürfte, wären die „Lebenspartnerschaft“ und andere Schikanen ja gar nicht erfunden bzw. längst wieder abgeschafft worden. Also Fortschritt sieht anders aus.

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