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Magazines to discover: fiber

18. November 2011

Außen bunt – innen voller spannender Themen, Ideen und Meinungen: Das halbjährlich erscheinende Wiener Zine fiber – Werkstoff für Feminismus und Popkultur hat sich einen ganz ähnlichen Ansatz auf die Fahnen geschrieben wie wir von Kweens. Die Macher_innen wollen Frauen/Lesben/Queers im öffentlichen Raum Präsenz verleihen, queer-feministisches Gedankengut verbreiten und Vernetzung fördern – und das alles, indem sie über Popkultur schreiben und diskutieren.

Jedes Heft firmiert unter einem Schlagwort, wie Mehrkampf, Maschine oder Wahnsinn. Das derzeitige Motto lautet Reiz! Zum Titelthema gibt es immer einige Essays und auch künstlerische Arbeiten. Die aktuelle Ausgabe eröffnet gleich mit dem „Busentext“, der Ausschlussmechanismus der queeren Szene gegenüber femininen Frauen verhandelt – aus der Perspektive eines Femme-Fans: Wieso empfindet eine Lesbe es als zweites Outing, den Freund_innen eine weiblich gebaute Freundin zu präsentieren? Oder im Wortlaut: „Wieso wird die wundervolle Welt des Busens totgeschwiegen?“ Anschließend wird das Reizwort in die Kontexte Frauentag, Budapest-Pride, „Frauen in der Musik“ und Axe-Deodorant gestellt.

Dazu kommen Berichte und Reflexionen aus dem aktuellen Geschehen der feministischen und queeren „Szenen“ (beispielsweise zu Girls Rock Camps, eine Queer-Theory-Konferenz oder über Klo-Sex). Abgerundet wird das Ganze von einem ausführlichen Rezensionsteil. Die empfohlenen Bücher, Filme und CDs sind nicht immer nagelneu und qualitativ herausragend, sondern manchmal auch Klassiker, Nischennahrung oder pure Unterhaltung: TV-Serien-Review meets Katherine-Hepburn-Film meets Lesbenliebesschnulze meets Performance-Kurzfilm. So unterschiedlich die Gegenstände, so unterschiedlich sind auch die Texte. Mancher Autorin merkt man den akademischen Background deutlich an, manch andere plaudert gut gelaunt drauf los. Mit diversen Fußnoten und Varianten gender-gerechter Schreibweise muss man überall rechnen. Das Lesen dieses Zines soll eben nicht nur kurzweilig sein, sondern zur inhaltlichen Auseinandersetzung führen. Zur Belohnung darf dann auch gebastelt werden: Der aktuellen Ausgabe sind Wendeposter und Urinella-Bastelbogen beigegeben.

 

aus fiber #19 REIZ

Am Ende sollte jede ihr Heft am besten an interessierte Freund_innen weitergeben, denn die bisherige Auflage von 800 Stück kann sicher längst nicht alle interessierten Geister erreichen, zumal der Vertrieb außerhalb Wiens etwas unregelmäßig ist. Glücklicherweise gibt es aber ein Abo, mit dem sich ganz gezielt in die Zukunft dieses kritischen Kleinods investieren lässt. Wer sich im Wiener Dunstkreis bewegt, kann außerdem an den von fiber organisierten Diskussionen, Konzerten oder auch den offenen Redaktionssitzungen teilnehmen, zum Beispiel am Rampenfiber-Musikfestival. Ihr seht: fiber ist deutlich mehr als ein Magazin – und das schon im 10. Jahr! Weiter so!

Auf der Website könnt ihr gleich ein paar ältere Artikel lesen und euch erste Buchtipps geben lassen.

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