Musik Politik

Misogyner Mistdreck: Syd tha Kids „Cocaine“

14. November 2011

Wenn lesbischer Inhalt in Musikvideos auftaucht, freuen wir uns hier immer sehr. Solche Videos waren damals auch der Grund, weswegen ich mir den Musikvideo-Mittwoch ausdachte. Früher zeigte ich dort jeden Mittwoch nur Videos, in denen auch für uns speziell etwas zu gucken gab. Da es aber nur begrenzt viele Videos dieser Art gibt, strukturierten wir den Mittwoch um und öffneten ihn anderen schönen Videos und anderen Musiker_innen gegenüber.

Wenn tatsächlich mal ein Video auftaucht, in dem eine offen queere Musikerin mitspielt und in dem es außerdem lesbischen Content gibt, ist die Freude natürlich erstmal groß. Doch die Wut ist umso größer, wenn sich das Ganze am Ende als absolut misogyner Scheiß entpuppt:

Internet (OFWGKTA) „Cocaine“ Music Video Dir by Matt Alonzo

Es gibt eine Menge furchtbarer Videos, die auf den Lesbenzug aufspringen und vor allem heterosexuelle Männer damit ansprechen wollen. In einer Welt in der wackelnde nackte Frauenhintern nicht nur in Hip-Hop-Videos zum guten Ton gehören und Bushido tatsächlich mit dem Bambi für vorbildhafte Integration ausgezeichnet WURDE, erscheint vielen das hier gezeigte Video als gar nicht so schlimm. So mögen es manche mit einem kleinen Schulterzucken und einem  „Es gibt doch Schlimmeres“ abtun.

Und doch ist dieses Video tausend Mal schlimmer als die oben erwähnten Clips. Denn dieser kommt unter anderem von einer queeren Frau, also einer, die wir auf unsere Seite wissen sollten! Und dann sowas… Wo fange ich an? Damit, dass ich es verdammt unhöflich fände, wenn jemand beim Date ständig die Kopfhörer in den Ohren lässt? Dass die Lyrics drogenverherrlichende Kackscheiße sind? Dass die Musik zwar nicht das Schlechteste an dem Ganzen, allerdings nah dran ist? Dass es nie okay ist irgendeinen Menschen im (selbst verursachten) Drogen-Koma mit angewidertem Blick aus dem Auto zu werfen und einfach davonzufahren? Dass gegenseitige Missachtung und Date Rape hier als lesbischer Alltag präsentiert werden? Dass es erschreckend ist, dass (nicht nur) eine junge Künstlerin so etwas mitmacht? Dass Syd tha Kid behauptet, das Video sei vor allem eine Warnung vor Drogenkonsum?

Syd the Kid hat dieses Video und den Song nicht alleine verbockt. Auch wenn der Track unter dem Namen „Internet“ kursiert, ist Syd tha Kid fester Teil von Odd Future, einer Musikergruppierung um Tyler the Creator, die für ihre Frauenfeindlichkeit und Homophobie berüchtigt ist und deren einziges weibliches Mitglied eben Syd tha Kid darstellt. Schlechten Umgang hatten wir wohl alle mal, aber die wenigsten von uns werden mit solchen Leuten gleich von der internationalen Musikszene beachtete Videos gedreht haben! Und nur, weil sie das nicht allein gemacht hat und von sich sagt, dass sie queer ist, heißt das noch lange nicht, dass das hier okay ist. Nicht nur uns, sondern auch AfterEllen fiel sofort auf, wie wenig diese Geschmacklosigkeit kritisiert wird. Vielerorts wird das Video sogar ausdrücklich gelobt, als interessant eingestuft oder als „ein wenig unsensibel“ beschrieben. Selbst die sonst großartige Seite Autostraddle macht sich nicht die Mühe, Syd tha Kid groß zu kritisieren. Auch hierzulande wird deren Selbstinszenierung schnell als Wesenszug entschuldigt: „Syd ist nun mal auch eine Wölfin.“ (JUICE)

Allein die Tatsache, dass so viele Menschen ein solches Video als normal empfinden oder gar unter künstlerischer Freiheit verbuchen, was hier gezeigt wird, ist einfach traurig. Wir machen da nicht mit, sondern zeigen mit dem Finger drauf und schimpfen so laut, wie es geht! Denn das ist das Einzige, was man bei diesem Video tun kann.

6 Comments

  • Reply Katharina 14. November 2011 at 14:34

    Nice one! Genau sowas, hab ich auch gedacht, als ich es mir nach der Lobpreisung auf Autostraddle angeschaut hatte.

  • Reply ac 15. November 2011 at 15:26

    Zuerst: Ich sehe doch starke Parallelen zum afterellen-Artikel.
    Dann: Dennoch stimme ich der wesentliche Aussage hier zu. Das Video ist einfach extrem ärgerlich, eher nervig. Irgendwie auch lächerlich. Und dann in der Schlussszene auch wirklich grenzwertig.
    In meinen Augen absolut richtig, Stellung zu beziehen!
    Zuletzt: Weiter so. Es schadet nichts, die eigene community kritisch zu reflektieren.

  • Reply ac 15. November 2011 at 15:27

    Ich habe mich verschrieben und kann das nicht korrigieren. Das ist mir unangenehm.
    Bitte ein „n“ dazu denken!

  • Reply Sebastian 3. März 2012 at 13:13

    Ich bin jetzt eher zufällig auf dieser Seite gelandet und verstehe die Kritik am Video nicht.

    Für mich ergibt sich in erster Linie nach Ansehen des Videos der Eindruck „Drogen sind scheiße“ (gefährlich usw.)

    Dass hier ausgerechnet eine Lesbe Täterin war, ist nachrangig. Im Gegenteil: Es wäre unglaubwürdig, wenn es nicht auch lesbische Täterinnen gäbe.

    Was in alles in der Welt ist an diesem Video frauenhassend? Das ist doch absurd. Wäre genau das gleiche Video mit Männern gedreht worden, hätte von den hier Anwesenden sicher niemand Männerhass unterstellt! Also, was soll diese Doppelmoral??

  • Reply Sarah 23. August 2012 at 15:41

    Ich bin mehr oder weniger zufällig auf dieser Seite gelandet, dennoch finde ich diesen Artikel völlig überzogen. Syd tha Kyd gehört nun mal – wie schon von Juice erwähnt – zur Wolf Gang und das wahrscheinlich nicht, weil sie einen konversativen Lebensstil pflegt. Ja sie ist lesbisch, daher finde ich dieses Video umso authentischer und wohl mit unter am harmlosesten was der HipHop allgemein zu bieten hat.

    Wenn sich schwarze Rapper mit nackten Frauen in ihren Videos hinstellen und darüber rappen wie sie „ihre Schwänze lutschen“ etc. regt sich heutzutage kein Mensch mehr auf, da das ja normal ist in der Szene. Ich selber höre nur HipHop und denke das die meisten Frauen die sich über dieses Genre aufregen viel zu ernst nehmen. Es ist ein Proleten-Genre und das nicht erst seit gestern.

    Kaum tritt dann aber mal eine Frau mit der selben Attitüde auf die Bildschirmfläche wird heiß diskutiert, dass so ein Verhalten nicht akzeptabel ist.

    Syd tha Kyd ist als einzige Frau und dazu noch lesbische Frau alleine unter vielen Männern, denen Homophibesverhalten vorgeworfen wird, da stelle ich mir jedoch die Frage, welchem Rapper soetwas nicht vorgewworfen wird?

    Egal wer aus dieser Branche liefert Texte in denen es um Sex, Gewalt und Drogen geht. Das lustige an der OFWGKTA Crew ist jedoch, dass niemand versteht das sie gerne und kontrolliert provozieren und sich somit ihre Promotion sichern. Meiner Meinung nach ist dieses Video/Lied genau so zu behandeln wie jedes andere HipHop Video. Egal ob Frau, Mann, Hetero oder Homo.

    Mir gefällt das Lied und umso mehr das Video. Klasse Produktion, der Regisseur hat sich sichtlich mit der Message beschäftigt und dies super umgesetzt.

  • Reply Sarah 23. August 2012 at 15:43

    Sorry für die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler. Dieser Artikel hat mich nur ziemlich in Rage gebracht, dass ich einfach meine Meinung dazu äußern wollte.

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