Filme

Zurück ins Glück – Como esquecer

3. November 2011

Wenn eine langjährige Beziehung zerbricht, man einsam zurückbleibt, ist eine ganze Weile erst mal alles grau und lähmend. Selbst in Brasilien. Selbst mit einem tollen Job als Literaturprofessorin, engagierten hübschen Studentinnen und lieben Freunden. Julia (Ana Paula Arósio) wird nach zehn Jahren verlassen und versteht die Welt nicht mehr. Wochenlang liegt sie apathisch in der großen, jetzt leeren Wohnung. Sie versucht zu schreiben, spricht ins stumme Telefon und verbrennt Fotos. Auch danach fällt es ihr unendlich schwer ins normale Leben zurückzukehren.

„Ich sammle gerade Traumata.“

Die Erzählung bleibt ganz nah an der Hauptfigur. Selbst die Rückblenden in glückliche Zeiten zeigen ausschließlich Julia, mit verliebtem Blick auf die Frau hinter der Kamera. Im Voice-Over werden ihre schwermütigen Gedankengänge verfolgt, die ihrem Metier entsprechend sehr poetisch und bildhaft sind. Da diese Reflexionen einen so großen Raum einnehmen, haben lange Passagen aus Julias Perspektive etwas Romanhaftes. Das lebendige, filmische Element kommt dagegen durch ihr Umfeld ins Spiel. Besonders die junge Nachwuchswissenschaftlerin Carmen (Bianca Comparato), die in Julia ein akademisches Vorbild erkennt, lässt sich von deren rauer Art nicht abschrecken. Mit dauerflirtendem Lächeln und leuchtend rotem Haar bringt sie wortwörtlich Farbe in die Tristesse. Doch so schnell ist Julia nicht aufzumuntern. Als ihr bester Freund (Murilo Rosa), der selbst noch kaum den Tod seines Mannes verkraftet hat, mit trotziger Lebensfreude vorschlägt, raus aus der Metropole in eine Dreier-WG ans Meer zu ziehen, lautet ihr erster Kommentar in gewohnt zynischer Manier:

„Das war eine versteckte Gehirnwäsche, die mich dazu bringen sollte, mit dieser überoptimistischen Hippie-Frau zusammenzuziehen… Veränderungen finden innerlich statt, sie brauchen Zeit und Einsamkeit.“

Doch dann beginnt sie dort am Meer sehr langsam, sich zu öffnen, sich auch wieder um andere zu sorgen, wieder Interesse am Leben und an der Malerin Helena (Arieta Correia) zu entwickeln… Zurück ins Glück ist kein Geschichte darüber, dass man nur die Richtige finden müsse, um die Verletzungen zu vergessen, oder man sich gefälligst zusammenreißen solle. Stattdessen zeigt die Regisseurin Malu di Martino ganz ehrlich, wie schwer es manchmal ist, nicht zu verbittern. In der von ihr porträtierten Wahlfamilie sind letztlich alle füreinander da, denn nur so kann jede/r das eigene Unglück überwinden, auch wenn man sich noch so sehr dagegen sträubt. Diese leicht kitschige Moral wird hier ganz nebenbei und wunderbar authentisch untergeschoben. Dabei wäre die melancholisch verhangene Schönheit von Ana Paula Arósio allein den Kauf der DVD wert.

Alle Bilder und Trailer (c) Pro-Fun Media / DVD (Portugiesisch mit dt. Untertitel) seit Ende September erhältlich

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar