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Pyjama-Party: Thriller-Nacht

31. Oktober 2011

Was wäre ein besserer Anlass als Halloween, um sich ein wenig bei guten Filmen zu gruseln und dabei Unmengen an Süßigkeiten in sich rein zu stopfen? Schließlich ist dieser aus den USA importierte „Feiertag“ in Teilen Europas ja früher auch ein Fest gewesen. Ob ihr nun Samhain oder Halloween feiert, heute Abend verkleidet feiern geht, mit euren Kindern oder kleinen Verwandten um die Häuser zieht oder einfach nur ein paar Horrorfilme guckt, irgendwie hat der Tag etwas verrücktes und faszinierendes!

Genauso wie die vier Filme, die perfekt zu einem schaurigen langen Filmabend an Halloween passen würden: Bound, Mulholland Drive, Memento Mori und natürlich der unumgängliche Black Swan.

Den Auftakt macht der Lesbenklassiker Bound – Gefesselt. Das war die erste Regiearbeit der damaligen Wachowski Brothers, die uns später Matrix und V wie Vendetta brachten. Seit Larry Wachowski zu Lana wurde, fiel das Brothers im Namen dann weg.

Violet (Jennifer Tilly) will in Bound ihrem Mafioso-Freund Ceasar entkommen und bändelt dazu mit Corky (Gina Gershon) an. Beide überlegen sich einen Plan, wie sie Ceasar loswerden und um 2 Millionen Dollar ärmer machen können.

Gina Gershon und Jennifer Tilly spielen in diesem Film von 1996 neben Gangsterstory und Geldwäsche eine der bekanntesten lesbischen Sexszenen der Kinogeschichte. Eine Szene, die sich damals auf VHS-Kassette bei vielen von uns bald abzunutzte.

Egal, ob man diesen Film im Original oder mit der deutschen Tonspur hört, die Stimme von Jennifer Tilly ist hoch und auch ein bisschen nervig. Ihre Figur ist dennoch das seltene Beispiel einer selbstbestimmten Femme im Mainstream-Kino. Die toughe Gina Gershon ist ein wirklich schöner Anblick. Dazu ist die Story clever erdacht. Alles in allem ist Bound einer der Klassiker, die man gesehen haben muss – und wenn es nur für diese Szenen zwischen Tilly und Gershon sein sollte. DVDs nutzen sich ja ohnehin lange nicht so schnell ab wie die inzwischen ausgedienten Video-Kassetten. Achtet aber darauf die DVD Neuauflage von 2008 zu erwischen, da die Qualität der ursprünglichen DVD unterirdisch ist.

Der nächste Film könnte an diesem Abend Mulholland Drive sein, ein wie gewohnt abgedrehter Mindfuck von Regisseur David Lynch, den bis heute noch viele versuchen zu entschlüsseln:

Genau wie Bound wird Mulholland Drive als „Neo-Noir Psychological Thriller“ beschrieben. Den Plot des Filmes zusammenzufassen, fällt demnach relativ schwer. Die junge Schauspielerin Betty (Naomi Watts), versucht sich in L.A. durchzuschlagen und freundet sich mit einer Frau ohne Gedächtnis (Laura Harring) an, die sich im Appartement ihrer Tante versteckt hält. Beide versuchen die Erinnerung der Frau wiederzufinden und irgendwann verliert der_die Zuschauer_in zusammen mit dem Film die Bodenhaftung. Was genau passiert und wie genau das alles miteinander verknüpft ist, lässt sich auch noch Tage, sogar Jahre, nachdem man diesen Film gesehen hat, nicht wirklich ordnen.

Fans von stringenten Handlungssträngen wird Mulholland Drive wohl eher nicht zusagen, zu verworren und tatsächlich abgedreht, ist dieser Film und das auf eine unglaublich gute Weise. David Lynch hat hier einen Film gedreht, der zu Recht als ein Klassiker der 00-er Jahre bezeichnet wird. Wer diesen Film nicht gesehen hat, hat definitiv etwas verpasst. Auch die Sex-Szenen zwischen Watts und Harring tun da natürlich nicht weh.

Nach diesem Film muss etwas Leichteres her, etwas, das nicht so an die Nerven geht, wie ein Lynch-Thriller. Was käme da besser als ein südkoreanischer Horrofilm mit einer süßen Liebesgeschichte:

Memento Mori – Gedenke der Toten erzählt die Geschichte von zwei Schülerinnen, Yoo Shi-Eun (Lee Young-jin) und Min Hyo-Shin (Park Ye-jin), wie sie sich verliebten und ihre Gefühle für sich in einem Briefbuch, welches sie liebevoll gestalten und immer wieder austauschen, festhalten. Unfähig jedoch mit dieser Liebe und die daran gebundenen Repressionen der Mitschüler fertig zu werden, weist Shi-Eun Hyo Shin irgendwann ab. Diese kommt mit der Trennung nicht klar und stürzt sich vom Schuldach. Nicht ohne danach die Schule und die Schüler_innen, die die beiden für ihre Romanze gehänselt hatten, als Geist zu terrorisieren…

Die Geschichte wird non-linear aus der Sicht einer anderen Schülerin Soh Min-Ah (Kim Min-Sun) erzählt, die das Briefbuch findet, liest und die Geschichte erforscht, wobei sich fast schon besessen davon wird.

Die Liebesgeschichte der beiden Mädchen ist süß und erinnert uns heute ein wenig an Daughters of Club Billitis, in der ebenfalls eine Schülerin gehänselt wird und die Schule wechseln muss. In Memento Mori von 1999 muss eine der Liebenden sterben, kein Happy-End ist in Sicht. Im Jahr 2011 hat sich in Südkorea bisher wenig geändert.

Wer auf Horrorfilme steht, ist hier gut bedient, aber auch andere können sich diesen Film gefahrenlos ansehen. Ich hasse eigentlich Horrorfilme und sehe sie fast nie, aber dieser ist etwas besonderes. Der Trailer lässt ihn blutiger aussehen, als er eigentlich ist. Wer außerdem gerne ein Auge auf Asiatinnen wirft, der wird sich über Lee Young-jin mehr als freuen.

Und jetzt, wenn dann die Nacht noch langsam ausklingen soll, nach so viel Geister-Schulmädchen-Horror, kann Black Swan gezückt werden..

Zu diesem Film muss ich eigentlich kaum etwas sagen, so viel wurde über ihn, auch hier, geschrieben. Die Geschichte von Nina und deren ambitioniertem Ziel in einer Aufführung von Tschaikowskis Schwanensee sowohl den weißen, als auch den schwarzen Schwan zu spielen, sowie ihre (symbolische) Verwandlung bescherten Natalie Portman erst jüngst den Oscar für die beste Hauptdarstellerin. Black Swan ist ein wunderbarer Film und Clint Mansells Variationen von Tschaikowskis Musik als Film-Soundtrack sind perfekt gelungen.

Und nun: Viel Spaß beim Gucken & Gruseln!

Bound – Gefesselt (Neuauflage 2008)
ca. 7 Euro
FSK 16
Highlight Studio

Mulholland Drive -Straße der Finsternis
ca. 8
Euro
FSK 16
Concorde Video

Memento Mori – Gedenke des Todes
ca. 5
Euro
FSK 16
EMS

Black Swan
erschienen als Blu-Ray, Black Edition und Special Edition
ca. 9 – 25
Euro
FSK 16
Twentieth Century Fox Home Entertainment

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