Filme Queer Life

Die Künstlerin als Cover Girl

18. Oktober 2011

 

Wir verlosen 2×2 Kinofreikarten für Miranda Julys neuen Film „The Future“!
Mehr zum Gewinnspiel findet ihr am Ende dieses Posts.
Die Verlosung ist leider vorbei.

Die Welt steht Kopf. Zumindest auf dem neuen Kino-Plakat zum neuen Indie-Filmchen The Future. Der Lockenkopf, der dieses Poster ziert, ist uns nur zu vertraut. Seit Monaten, bald Jahren strahlt uns Miranda July überall entgegen. Ihr Spielfilmdebüt gehört nicht nur zu meinen All-Time-Favorites. Ihre Kunstwerke, Erzählungen (No one belongs here more than you / dt.: Zehn Wahrheiten) und Webprojekte (z.B. Learning to Love You More) erfreuen sich größter Beliebtheit. Mit einem kurzen Auftritt in Women Art Revolution! wurde sie gar in die Reihe bahnbrechender feministischer Kunstschaffenden gezählt. Von Brigitte bis ZDF haben sie wirklich alle interviewt und ihre Vielseitigkeit bewundert.

Feuilletonisten, Filmschaffende, Feministinnen, sogar Kunstsammler und bürgerliche Zeit-Macher  – alle lieben Miranda July.

Inzwischen traut man ihr tatsächlich alles zu, wie das Februar-Cover des Kunst-Magazins monopol beweist:

Auch wenn man uns hier auf den ersten Blick das Gegenteil nahelegen will: Miranda July ist absolut nicht das süße hilflose Mädchen, sondern eine mittlerweile unglaublich erfolgreiche Selfmadewoman!

Zur Berlinale erhob das ZEIT-Magazin sie sogar zu einer Repräsentantin der weiblichen Kinowelt. Hier teilte sie sich das Cover mit keiner Geringeren als Isabella Rossellini:

Der aktuelle Anlass, die wahrhaft vielseitige Künstlerin zu feiern, ist natürlich ihr Spielfilm The Future. Nach dem vor Einfällen und Emotionen nur so sprudelnden Ensemble-Film Me and You and Everyone We Know sind die Erwartungen hoch. Gleichzeitig haben ihre vielen Ideen und Geschichten – ob als Clip, Text, Bild, Installation oder Gemeinschaftarbeit – das Gefühl entstehen lassen, dass ein neuer 90minüter von Miranda July gar nicht danebenliegen kann. Zumal sie neben Drehbuch und Regie auch wieder die Hauptrolle übernommen hat.

Tatsächlich bietet der Film von Beginn an ordentliches Identifikationspotential: Wer hat nicht schon mal so getan, als könnte man die Zeit anhalten? Was würdet ihr googlen, wenn euch in einer Stunde das W-Lan abgestellt würde? Steckt man nach vier Jahren Beziehung noch immer „in the middle of the beginning“? Und was, wenn ihr nur noch vier Wochen hättet, ehe ihr wirklich Verantwortung übernehmen müsstet? Solche Fragen lassen den Film in den Augen vieler zum „Generationsporträt“ werden, auch wenn dieserlei Gedanken wohl weder typisch noch spezifisch für urbane Thirtysomethings sind.

Dazu kommen charmante kleine Ideen: Die Erzählerin der Geschichte ist Pawpaw, ein krankes Kätzchen, das im Tierheim auf seine Adoption wartet, gesprochen natürlich von einer heiseren Miranda. Das zweite Maskottchen des Film, ein riesiges gelbes T-Shirt, folgt seiner Besitzerin bis in die Vorstadt – und wird dort natürlich ebenso liebevoll wie kreativ in Empfang genommen. Das Sehnen nach Nähe ist in diesem Film allgegenwärtig. Um dem Gesprächspartner am Telefon näher zu kommen, ruft man schon mal unvermittelt aus dem Fenster.

Julys Thema ist die Perspektivlosigkeit als Zeitdiagnose. Weder ein Job mit Kindern noch Umweltaktivismus sind mehr sinnstiftend. Die beiden Hauptfiguren sind – trotz ihrer symbiotischen Liebesbeziehung – mit ihrem Leben genauso unzufrieden wie unfähig einen Zukunftsplan zu entwickeln. Es ist gerade deshalb frustrierend ihrer Apathie zuzuschauen, weil sie selbst so unter ihrer Passivität leiden. Selbst als die beiden letztlich aus ihrer Starre erwachen, werden sie nicht aktiv. Sie testet ein Suburb-Leben als „Schmuckstück“; er schlägt einsam auf der Coach sitzend statt des Laptops mal ein Buch auf. Einmal sagt der Liebhaber, er hätte sie für unabhängiger gehalten – doch die Figuren wissen nicht einmal wovon sie (un)abhängig sein wollen. Auch die Nebenfiguren des Films bleiben leider bloße Schablonen für ein nicht gelebtes Leben. Der Ideenreichtum der Filmemacherin, wie er in der fantasievollen Kostümierung und einigen unkonventionellen Dialogen aufscheint, verpufft irgendwann angesichts der allgegenwärtigen Schwermut.

Am Ende blieb bei mir eine leichte Enttäuschung zurück. Vielleicht waren meine Erwartungen wirklich zu hoch. Vielleicht ist Miranda auch einfach eine Meisterin der Momentaufnahmen, der verschachtelten Episoden und der pointierten Kurzgeschichten. Denn in der kleinen Form ist sie wirklich groß. Schon ihre Facebook-Timeline kann uns manchmal den Tag retten – mit Werken wie diesem:

The Hallway

Oder mit einem ihrer Kurzfilme namens Are You Anybody’s Favorite Person. Schlicht und schön.

Hatte ich erwähnt, dass Miranda sich als bisexuell beschrieben hat? Nicht dass das wichtig wäre. Ob sie tatsächlich der Lieblingsmensch ihrer Ex-Freundin ist, ist nicht bekannt.

Übrigens: Ihr Ehemann, der Filmemacher Mike Mills, hat auch ganz wundervolle Projekte. Zum Beispiel den diesjährigen Ewan McGregor-Film The Beginners, zu dem es einen sehr netten Blog gibt.

Ms. July werden wir sicher noch auf einigen Magazincovers sehen. Selbst die neue Frauenzeitschrift mit dem altbackenen Namen Fräulein erkannte jüngst das Verkaufspotenial der Allrounderin.

UPDATE: Das allerschönste Cover ist grad noch in der Mache. Auf der November-Ausgabe des Kultur-Themen-Magazins du bekommt Miranda July die Aura eines Stummfilmstars.

Ihr wollt Miranda jetzt endlich mal selbst treffen, um sie zu eurer favorite person zu ernennen? Die Chance dazu bietet ein Tanzwettbewerb, der über die deutsche Facebook-Seite von The Future veranstaltet wird. Ende des Monats kommt die Künstlerin uns anlässlich der Deutschland-Premieren besuchen – schon jetzt holt sie sich für die Reise Tipps von ihren Fans via FB. Und welcher Fan mit seiner Performance am meisten beeindruckt, darf in Berlin oder München persönlich Hallo sagen. An den putzigen Ausdruckstänzen aus dem Film muss man sich dabei vermutlich nicht orientieren…

The Future startet deutschlandweit am 27. Oktober in den Kinos.

Nicht tanzen müsst ihr für die 2 x 2 Freikarten zum Film, die wir hier verlosen. Dafür reicht einfach ein Kommentar mit gültiger E-Mail-Adresse auf dieser Seite hier bis Ende der Woche. Das Los entscheidet. Die Karten habt ihr dann pünktlich zum Filmstart in der Post. Die Verlosung ist vorbei. Danke an alle, die mitgemacht haben!

Viel Glück!

Back and Forth Forever.

8 Comments

  • Reply Keren 18. Oktober 2011 at 22:59

    WIR WOLLEN!!!!!! _ und> danke!!

  • Reply Katharina 19. Oktober 2011 at 20:54

    Ich würde auch wollen…. sehr sogar!

  • Reply Ken 20. Oktober 2011 at 13:05

    LIEBE LOSMASCHINE, ICH BIN DEIN FREUND.

  • Reply David 21. Oktober 2011 at 10:49

    Es könnte so einfach sein, mich glücklich zu machen 🙂 ….bitte.

  • Reply bolle 21. Oktober 2011 at 10:58

    mee too, also kiss her. danke nadin. eine schöne sammlung. auch wenn wir nicht tanzen müssen, mir, als leidenschaftlicher in-meinem-zimmer-abgespackt-tänzerin, gefällt miranda in dem future-film still mit dem wustigen bett im hintergrund besonders gut und ich will diesen film sehen. sehr gerne.

  • Reply Nadin 21. Oktober 2011 at 11:19

    @bolle: Das ungemachte Bett ruft sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. lol
    Und: Wenn du Miranda küssen willst, musst du wohl doch tanzen…

  • Reply martha 22. Oktober 2011 at 22:21

    ich hoff, ich bin nich schon zu spaet zum losen…

  • Reply Mandy 23. Oktober 2011 at 15:41

    Ich möchte auch eine Aufnahme so von mir am Fenster. 🙂

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