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Jane Lynch in her own words

13. Oktober 2011

 

Oft haben wir schon von berichtet, jetzt ist sie endlich da:
Jane Lynchs Autobiografie Happy Accidents.

In den letzten zwei Jahren wurde Lynch durch die Rolle von Sue Sylvester, der erbitterten Gegnerin des Glee-Clubs, zum internationalen Star. Zuletzt unterhielt sie als Emmy-Host ein noch breiteres Publikum, nachdem sie schon auf den vergangenen Emmy- und Golden Globe-Parties glücklich strahlend an der Seite ihrer Ehefrau Lara Embry zu sehen gewesen war. In ihren gerade erschienenen Memoiren kann man sich also auf eine Happy End freuen. Zum Glück. Denn die allermeiste Zeit ihres Lebens, wie sie es – durchaus nicht humorlos – beschreibt, war gar nicht von den glücklichen Zufällen geprägt, die der Buch-Titel ankündigt. Stattdessen lesen wir von beruflichen Misserfolgen, sehr spätem Coming-Out, langer Beziehungsunfähigkeit, Alkoholismus und Depression.

„People always said, ‚You’re so focused on your career!’ but actually I was just so focussed on my fears, my insecurity, and my lack of worthyness and entitlement that I had no room for intimacy.”

Ihre Geschichte beginnt in Dolton, Illinois, nahe Chicago, mit dem aufgeweckten kleinen Mädchen, das (im Gegensatz zum schüchternen kleinen Bruder) so gern „Daddy’s Boy“ wäre und die Bewunderung des früh verstorbenen Großvaters vermisst. Mit zwölf erfährt Jane, was es bedeutet „gay“ zu sein:

‚Somtimes,’ Jill said, ‚you’ll see boys holdings hands with each other on the beach, instead of with the girls. It’s because they’re gay.” They could already procure a tone of scandal and disgust, as if the subject were the sexual proclivities of circus freaks. I just stood there in shock. Oh my god, I though, I’m the girl version of that. No one can ever, ever know.

Aus der tiefen Ablehnung ihrer eigenen Homosexualität heraus kündigt sie später ihrem schwulen BFF die Freundschaft und bricht fast den Kontakt zu ihrer Familie ab. Jane Lynch berichtet mit beeindruckender Ehrlichkeit und Offenheit. Wir erfahren sehr persönliche Dinge: Dass sie in ihrer Vergangenheit Menschen oft wehgetan, sie von sich gestoßen hat. Dass sie über unzählige Jahre tagtäglich Alkohol trank. Dass ihre erste Liebe Greta Garbo war und ihr TV-Idol Tina Fey geworden ist. Und dass sie seit frühester Kindheit auf einem Ohr taub ist. Fast genauso früh wie die dafür verantwortliche Nervenentzündung ereilte Jane der Wunsch, Schauspielerin zu werden. Mit nur fünf Jahren hat sie ihr erstes wegweisendes Theatererlebnis. Als Teenager verliebt sie sich nicht nur in TV-Stars, sondern bitet in ihren Fanbriefen gleich um Karrieretipps. Die Antworten und Autogrammkarten klebt sie in ein Album: THE LIFE OF JANE LYNCH IN BITS & PIECES VOL. ONE.

The Real Live Brady Bunch, 1991

Viele Seiten aus dieser Mappe sowie unzählige Fotos aus dem Familienarchiv bebildern fünf Jahrzehnte voller Ängste, Träume, kleiner Erfolge und schlechter Frisuren. Tatsächlich ist dieses Buch eine Art verlängerte Coming-of-Age-Geschichte: Als 32jährige hört sie auf zu trinken, versöhnt sich mit ihrem besten Freund und outet sich ihrer Familie gegenüber (ein mich ernsthaft zu Tränen rührendes Kapitel). Erst mit Anfang 40 fasst Jane dann den bewussten Entschluss, erwachsen zu werden. Sie legt sich erstmals eine Waschmaschine und ein paar Haustiere zu. Ihre erste lange Beziehung wird die zu der Frau sein, die sie bei der National Center of Lesbian Right-Gala 2009 trifft und der sie die letzten Sätze ihres Buches widmet:

And finally, thank you, Lara. You are my partner on every level, especially so when it comes to the writing of this book. … It’s also a tribute to your sticking power that after all this, you still want to be married to me. I love you more than I can say.

Well, that’s a Happy Ending! Nachdem man das Buch gelesen hat, glaubt man dieser It-gets-way-better-Geschichte von ganzem Herzen:

Lynchs berufliche Laufbahn hat lange Zeit nur kleine Höhepunkten. Wer ihre Filmografie liest, wird erstaunt sein, wie bekannt viele der aufgeführten Serien und Filme sind – nur ist sie darin selten aufgefallen.

 
“I loaded up my résumé with TV guest spots playing doctors, teachers, lawyers, detectives, and other authority figures – many of them written as male.”

Bemerkenswerte Wendungen in ihrer Karriere beruhen oft auf verrückten Zufällen. Neben vielen anderen Werbespots dreht sie diese Cornflakes-Werbung, in der sie den Tiger Tony bestalkt. Ausgerechnet diesem Auftritt hat sie ihre Zusammenarbeit mit Christopher Guest zu verdanken (Best In Show, A Mighty Wind).

Zwei Rollen stechen in Lynchs Erinnerungen besonders heraus, beide liegen jenseits ihrer bekannten Comedy-Stereotype: In Nora Ephrons Julie & Julia ist sie die Schwester von keiner Geringeren als Meryl Streep. Einer der größten Momente ihres Lebens ist es, als Meryl sich nach dem Drehtag einmal unvermittelt bei ihr unterhakt. Für The L Word spielt Jane zwar durchaus nicht ihren ersten lesbischen Part, hat aber ihren ersten Filmkuss („the unofficial rule was that everybody gets to kiss somebody“). Sie bekommt Bettszenen mit einer nicht unbekannten Schauspielerin, die wiederum hier erstmals überhaupt eine Frau küsst…

I jumped up and down and whooped audibly on the day I read that Joyce was to get together with Phyllis, played by none other than gorgeous television icon Cybill Shepherd.

Mit dem unglaublichen Über-Nacht-Erfolg von Glee weiß Jane Lynch erst nicht recht umzugehen, zumal sie zu dem Zeitpunkt eigentlich vertraglich noch an eine schlechte andere Serie gebunden ist – und mit Leidenschaft an der Low-Budget-Sitcom Party Down mitspielt (einer Show, an der fast das komplette Veronica Mars-Team beteiligt war). Doch der schlechte Pilot floppt, ihr Vertrag wird aufgelöst. Erleichtert verabschiedet sie sich auch von Party Down und tritt ihren ersten festen Job an. Glee wird ihr nicht nur so einige Träume erfüllen (Szenen mit ihren Jugendheldinnen Carol Burnett und Olivia Newton-John, nach der sie sogar ihren Hund benannte), sondern bringt ihr diverse Nominierungen, Preise und Prestige, Emmy und Golden Globe ein. Von jetzt an wird sich die 1,83-Meter-große Frau nicht mehr um ihre Maßanzüge sorgen müssen.

[After quitting highschool theatre] I started having dreams in which everyone I knew gotten a part in a play, and I was the only one who was left out. All these years later, I still have those dreams. And when I wake, I hug my Emmy.

Das Buch hat gut 300 Seiten und erschien vor vier Wochen in den USA bei Hyperion, in UK bei HarperCollins. Einen deutschen Verlag gibt es bisher nicht.

1 Kommentar

  • Reply f 13. Oktober 2011 at 23:28

    Kanns kaum erwarten das Buch zu lesen, danke für diesen Post!!!

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