Queer Life

It’s about the shoes

Ich liebe hohe Schuhe. Das heißt nicht, dass ich Schuhe generell liebe! Um genau zu sein, hasse ich Schuhekaufen sogar aufs Tiefste. Mit einer Größe von 40 1/2 ist das Finden des richtigen Schuhes eher schwierig, wenn nicht sogar frustrierend. Wenn es mir schlecht geht, gehe ich eher in eine Buchhandlung, als in ein Schuhgeschäft. Trotzdem, meine Schuhe sind immer hoch, selbst meine derbsten Winterstiefel haben einen kleinen Absatz. Ich bin nicht klein, aber auch nicht sehr groß. Es hat also nichts mit Schummelei meiner Größe zu tun, genauso wenig möchte ich meine „Beine schön mogeln“ oder „einen schöneren Gang haben“, wie es von Frauenmagazinen gerne proglamiert wird. Ich mag es einfach. Ich trage gerne hohe Schuhe. Da ist kein Statement hinter, kein Gedanke, es ist etwas, was ich gerne tue. Und etwas, was immer, eigentlich ständig in diese Richtung geschoben wird. Denn wer hohe Schuhe trägt, der möchte eben das erreichen: Männer aufgeilen, „bessere“ Beine haben, das mediale Bild der Schuhfetischistin á la Carrie Bradshaw erfüllen.

Wenn die Frau dann auch noch lesbisch ist, darf sie damit konfrontiert werden, dass „Lesben ja sowas nicht tragen“ und man „sicher nur auf Durchreise“ ist. Alles Worte, die ich mir schon an den Kopf habe werfen lassen müssen. Auf Lesbenpartys gehe ich grundsätzlich nur als „Heterofreundin“ durch, allein schon wegen meiner langen Haare und meiner Leidenschaft für knalligen Nagellack und roten Lippenstift. Ich kann nicht sagen, dass „ich das bin“, es ist einfach nur etwas, was ich mag. Vielleicht nur jetzt, vielleicht für immer, vielleicht immer mal wieder oder auch ganz bestimmt. Wer weiß das schon. Mir gefällt das Geräusch meiner Absätze auf Asphalt, in die Schuhe zu schlüpfen und auch wieder heraus. Es ist, genau wie der rote Lippenstift, meine Art Rüstung, für den ganzen Mist da draußen. Das bin ich und ich schließe nicht aus, dass ich jeden Moment wieder Lust auf blonde statt rote Haare bekomme und mir vom Friseur die lange Mähne radikal kurz schneiden lasse. Aber selbst als ich vor ein paar Jahren mit Undercut und leichter Butchattitüde durch die Weltgeschichte lief, waren die Absätze immer eines: hoch.

Scheiß doch auf die, die sich in ihrem Klischeedenken gestört fühlen! Hohe Schuhe und lange Haare machen durchaus eine Lesbe. Und wer Negatives über „uns“ sagt, nun: Diese Absätze können töten.

2 Comments

  • Reply lea 22. September 2011 at 17:03

    Yeay, eine Ode an den Absatz!! Es muss ja nicht immer ALLES „politisch“ sein, es darf doch auch einfach mal Spaß machen? Hoher Absatz goes gute Laune!! 😉

  • Reply strawberry-pinup 24. September 2011 at 16:30

    Hach, der Beitrag könnte über mich sein!!! Nur das meine Schuhgröße eine andere ist und ich zurzeit noch am Haare-wachsen-lassen bin. ^-^
    Meine Freundin liebt gerade das weibliche an mir, da sie ja selber eher burschikos ist. Ich mochte auch immer das Weibliche an mir… zum „butch-sein“ bin ich einfach zu niedlich. *hihi*
    Allgemein sollte sich das Lesbenbild ein wenig mehr der Wirklichkeit anpassen bzw. sollten auch mehr „weibliche“ Lesben sich nach Außen hin zeigen.
    Ich wohn zwar auch in einer etwas kleineren Stadt, aber auch in größeren Städten wie Dresden oder Magdeburg seh ich selten Lesben-Pärchen die händchenhaltend durch die Gegend gehen. Ich hab damit kein Problem und halte immer Händchen mit meiner Freundin. Habe auch bis jetzt noch keine doofen Kommentare gehört, nur halt Blicke, aber das bin ich gewohnt. 😀
    Hauptsache jeder fühlt sich wohl in seiner Haut und eifert nicht einem Klischee hinterher!

  • Schreibe einen Kommentar