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Die Emmy-Verleihung 2011

19. September 2011


Ich mag Fernsehen. Nicht das deutsche Nachmittagsprogramm, sondern gute Serien, die fürs Fernsehen gemacht werden. Und so blieb ich als selbsternannter Serienjunkie auch dieses Jahr für die Emmys die ganze Nacht auf, um zu sehen, ob meine Serien-Lieblinge wieder oder endlich einen Award bekommen würden. Mit das Beste diesmal war da natürlich der Host der Awards: Niemand anderes als Jane Lynch moderierte den Abend!

Die Nominierungen oder besser die ausgebliebenen Nominierungen, haben mich schon im Juli verstimmt. Naya Rivera wurde komplett ignoriert, genauso wie KaDee Strickland, die Charlotte aus Private Practice nach ihrer Vergewaltigung, trotz haarsträubendem Script, so gut Leben einhauchte, dass man Gänstehaut bekam. Ich versuchte jedoch, mich davon nicht betrüben zu lassen und den Abend zu genießen. Zum Glück, denn gleich das Opening nach wenigen Minuten zählte zu meinen Highlights, nicht zuletzt wegen des großartigen Mad Men-Teils.

Vorsichtshalber transkribiere ich diesen Teil noch einmal, falls das Video bald nicht mehr funktionieren sollte. Es ist zu schön, um in Vergessenheit zu geraten.
ca. ab Minute 4:17
Don: Would you get us some coffee?
Jane: You’re hilarious. I’m not a secretary, I am the host of the Emmys!
Pete: The Emmys. What you should be doing is learning how to type and firing the guy who gave you that man’s haircut!
Jane: Well a lot has changed since 1965, in fact women can marry other women. Hey Peggy!
Peggy: Oh..hi!
Joan: Women with other women?! Men must hate that.


Peggy: Does that mean women don’t have to sleep with men anymore to make it to the top?
Jane: No. You still have to do that. But on the bright side people can watch television on their phones!
Roger: They do?!
Jane: Well and if they want to, they can fast forward through the commercials.
Don: You gonna turn around, you gonna walk out of here and we’re gonna pretend like we’ve never met you.
Jane: Okay. Oh and this haircut? Cost more than you’re house!

Bild: WireImage

Nachdem Jane von Tänzern umringt über die Bühne getanzt und gesungen und die erste Moderation ihres Abends mit Bravour gemeistert hatte, ging es los mit dem ersten Award des Abends:

Outstanding Supporting Actress in a Comedy Series

v.o.l.: Jane Krakowski (30 Rock), Jane Lynch (Glee), Betty White (Hot in Cleveland) Julie Bowen (Modern Family), Sofia Vegara (Modern Family), Kristen Wiig (Saturday Night Live)

Jane Lynch, Glee | Betty White, Hot In Cleveland | Julie Bowen, Modern Family | Sofia Vergara, Modern Family | Kristen Wiig, Saturday Night Live | Jane Krakowski, 30 Rock

Zur großen Überraschung aller (okay, eigentlich nur meiner, ich saß ja allein auf dem Sofa), gewann in diesem Bereich Julie Bowen für ihre Rolle in Modern Family. Ich hätte gedacht, dass Sofia Vergara geehrt werden würde. Doch wenn man bedenkt, dass Julie Bowen vorher schon ganze sieben Mal für diverse Rollen nominiert worden ist und bei der Übergabe des Preises beinahe hyperventilierte, möchte man ihr alle Preise der Welt gönnen. Vor allem wenn sie verkündet, dass sie keine Ahnung mehr hat, worüber sie jetzt in der nächsten Woche in der Therapie reden soll.

Bild: GettyImages

Nahtlos ging es weiter – allerdings nur hier, denn ein Nachteil dieser Awardshows ist, dass alle fünfzehn Minuten Werbung läuft – mit einem Herrn, dem Julianna Margulies den Award in einem Kleid überreichte, das aussah, als hätte es ihr Kind mit zuviel Kleber und einer Bastelschere selbst geschneidert. Dieser Herr war ebenfalls ein Part aus Modern Family. Jane Lynch brachte es nach der nächsten Werbung auf den Punkt: „Welcome back to the Modern Family Awards!“

Outstanding Lead Actress in a Comedy Series

v.o.l.: Tina Fey (30 Rock), Martha Plimpton (Raising Hope), Melissa McCarthy (Mike & Molly), Edie Falco (Nurse Jackie), Amy Poehler (Parks and Recreation), Laura Linney (The Big C)

Edie Falco, Nurse Jackie | Tina Fey, 30 Rock | Laura Linney, The Big C | Melissa McCarthy, Mike & Molly | Martha Plimpton, Raising Hope | Amy Poehler, Parks and Recreation

Es war einer der schönsten Momente des „Abends“, als Amy Poehler alle nominierten Damen dieser Kategorie auf die Bühne holte und sie Händchen hielten, während die Gewinnerin verkündet wurde: Melissa McCarthy bekommt für ihre Rolle in Mike & Molly den Preis. Andere werden sie wohl eher als „die aus Gilmore Girls und Bridesmaids“ kennen. Dann gab es noch ein Tiara auf ihr Köpfchen und ich grummelte in meinen Sekt. Ich hätte mein Geld auf Laura Linney gesetzt, die in the Big C als krebskranke Cathy Jamison die Rolle ihres Lebens spielt. Wer sie nicht kennt: Die Serie gibt es in Deutschland auf DVD und Cynthia Nixon ist in beiden ersten Staffeln mit von der Partie!

Hier noch einmal die schöne Szene. Everyone is a winner.

Was mir in dieser Kategorie übrigens sehr positiv auffiel: Keine der Damen war eine Size Zero und Tina Feys Post-Baby-No.2-Körper sah in einem bodenlangem schwarzen Kleid umwerfend aus.

„Sorry, I’m a crier!“ Bild: Getty Images

Weiter im Text.

Mit Reality und Variety. Not going to lie: Ich kenne die meisten Serien nicht. Das Einzige, was ich wirklich kenne, ist Jon Stewarts Daily Show und die räumte auch in allem Möglichen richtig ab. Allerdings bewiesen die Autoren mit dem Nominees-Video für bestes Writing, dass diese Awards und alle Serien/Filme/etc. natürlich nichts wären, wenn nicht kreative und witzige Schreiber dahinter säßen:

Ein weiteres Highlight war außerdem diese Anmoderation von, natürlich, Jane herself:

„People have asked me if I have a gay agenda and actually I do. I made a list:
Call Rachel Maddow to find out what time spinning is, take the Pick-Up in for an oil change – naah, I will do that myself and there was a third thing but I must have left it in my fanny pack. [Fanny Pack = Bauchtasche/Gürteltasche]

Wer Jane vorher noch nicht geliebt hat, die tut es spätestens jetzt.

Next.

Outstanding Supporting Actress in a Drama Series

v.o.l.: Margo Martindale (Justified), Michelle Forbes (The Killing), Kelly Macdonald (Boardwalk Empire), Christine Baranski (The Good Wife), Archie Panjabi (The Good Wife), Christina Hendricks (Mad Men)

Kelly Macdonald, Boardwalk Empire | Archie Panjabi, The Good Wife | Christine Baranski, The Good Wife | Margo Martindale, Justified | Michelle Forbes, The Killing | Christina Hendricks, Mad Men

Meine Daumen taten fast schon weh, so sehr habe ich sie für meinen Liebling Christina Hendricks für diesen Award gedrückt, doch der Krug ging auch dieses Mal wieder an ihr vorrüber. Trotzdem sah man sie des Öfteren während der Verleihung mit ihrer dicken, schwarzen Nerdbrille im Hintergrund grinsen, wenigstens etwas! Gewonnen hat den Award Margo Martindale für ihr Rolle in Justified. Nie gehört? Ich auch nicht. Aber gefreut hat sie sich wie eine Schneekönigin. So sehr, dass sie beim Treppen steigen erstmal stolperte und die Gentlemen Ed O’Neill und John Hamm in der erste Reihe sofort besorgt aufgesprungen sind.

„Sometimes things just take time! But with time comes great appreciation.“ – Martindale ist 60. Bild: Getty Images

And then some other guy got an award…
Einen Werbeblock und ein frisches Glas Sekt für mich später, war es dann Zeit für Outstanding Actress in a Drama Series.

Kathy Bates, Harry’s Law | Connie Britton Friday Night Lights | Mireille Enos The Killing | Mariska Hargitay, Law & Order: SVU | Julianna Margulies, The Good Wife | Elisabeth Moss, Mad Men

Alleine, dass Hargitay nominiert war, wird schon einige Lesbenherzen höher schlagen lassen. Wer den Preis bekommen würde, war jedoch von Anfang an klar: Julianna Margulies. Dieser Award war so sicher, wie der Siegeszug von Modern Family dieses Jahr, der mehr wirkte, als wolle die Jury das letzte Jahr wieder gut machen. Schließlich war die zweite Staffel um einiges unlustiger als die Erste. Ein paar Schnitte, Werbeblocks und Awards für Männer später sieht man Margulies dann Backstage, wo sie sich enige Glückstränen wegwischt. Da wurde mir ganz warm ums Herz. (Vielleicht lag das aber auch am Sekt.)

Bild: WireImage

Als nächstes an der Reihe: Miniserien. Die waren insofern interessant, als da sowohl Evan Rachel Wood als auch Kate Winslet für ihre Rollen in Mildred Pierce nominiert waren. Ohnehin räumt Mildred Pierce zusammen mit Downtown Abby richtig ab. Der Gewinner für Lead Actor verkündet bei seiner Siegesrede fröhlich, dass er einer der glücklichsten Kerle sei, allein weil er so viele Male „Sex“ mit Kate Winslet haben konnte. Wie schön für ihn! Selbige gewinnt wenig später dann ebenfalls und freut sich sichtlich über ihren Award. Allerdings nicht ohne ihrer Mutter zu danken: „Doesn’t matter how old you get, you will never stop needing your mom and I am still needing mine.“
Und meine Knie werden immer ein wenig weich, wenn Kate Winslet irgendetwas sagt. Vermutlich war das Kleid gestern Abend aber auch nicht ganz unschuldig daran.

Bild: WireImage

Übrigens: Kate Winslet hat jetzt einen Golden Globe, einen Oscar und einen Emmy. Um den EGOT-Titel (Emmy, Grammy, Oscar, Tony) führen zu können, fehlt ihr in ihrer Sammlung also nur noch ein Tony. Broadway, beware!

Zu diesem Zeitpunkt wurden meine Notizen immer kürzer, die Uhrzeit immer weiter fortgeschritten und die Werbeblöcke nerviger. Die Show begann sich dem Ende zuzuneigen, es fehlten nur noch drei Preise, die drei „wichtigsten“, die die Serien selbst auszeichnen. Der Award für die beste Miniserie/den besten Film ging an Downtown Abby.

Boardwalk EmpireDexterFriday Night Lights | Game of ThronesThe Good WifeMad Men

Mit 19 Nominierungen, so die Off-Stimme, war Mad Men die am meisten nominierte Serie und gewann das vierte Jahr in Folge den Preis für die beste Dramaserie, obwohl die Fantasy-Serie Game of Thrones als Favorit gehandelt worden war. Zu meiner Freude, nicht nur, weil ich Mad Men liebe: Game of Thrones ist mir viel zu brutal, inzestuös und Vergewaltigungen find ich auch nicht so prall.

Bild: Getty Images

Weniger Überraschungen gab es im Comedydepartment.

The Big Bang Theory | Glee | Modern Family | The Office Parks and Recreation | 30 Rock

Beim nun letzten Award des Abends, den Gwyneth Paltrow in einem „Kleid“ verlieh, an dem irgendwie der Teil um den Bauch herum fehlte, fiel dann auch der Teleprompter noch einmal aus.
Dass Parks and Recreation wieder einmal völlig ignoriert wurde, ist eine richtige Schande. Aber was soll ich sagen, natürlich gewann Modern Family. Wie könnte es anders sein.

Bild: Getty Images

Und dann war die Nacht zu Ende. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich warf mich morgens um 5 tot ins Bett warf und träumte von Kate Winslets Kleid.
Für euch gibt es jetzt, quasi als Belohnung, dass ihr den ganzen Post gelesen habt und als krönenden Abschluss, die besten Sprüche von Jane Lynch. Als Video zum selber Anschauen.

Die komplette Liste der PreisträgerInnen, findet ihr hier. Es gab noch viele andere tolle Momente und Highlights mehr. Wer den Sender hat, kann sich die Wiederholung des Awards noch einmal heute Abend um 20:15 auf TNT Serie ansehen. Ein paar der besten Moment hat bereits das NY-Magazine festgehalten.

3 Comments

  • Reply Mandy 19. September 2011 at 18:50

    „where high school students looook roughly twentyfoouuur!“ 🙂

  • Reply M.Wood 19. September 2011 at 22:29

    Hach Kate Winslet ?

  • Reply CK 20. September 2011 at 17:09

    Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung!
    War nämlich bisher zu faul, mich durch irgendwo anders durch die Berichterstattung zu wurschteln… 😉

    Hat jemand schon „Mildred Pierce“ gesehen? Lohnt sich’s zu gucken?
    Und bei ihrer Stimme kriegt Kate Winslet einen Tony ja wohl auch noch gebacken.

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