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Pyjama-Party: Ein Abend mit Schriftstellerinnen

12. August 2011

Heute wird es bei der Pyjamaparty historisch und englisch. Und zwar mit Filmproduktionen vom BBC. Der britische Fernsehsender hat lange seinen guten Namen auch dank hochklassiger Filmen mit lesbischem Inhalt bestätigt.  Das erstaunt wenig, ist die englische Fernsehlandschaft doch im Gegensatz zur deutschen um Einiges offener, was das Thema Homosexualität angeht. Viele Moderatoren und andere Gesichter der Fernsehlandschaft sind offen queer – und siehe an: Es stört niemanden.
Der BBC hat sich bereits drei Romane der lesbischen Engländerin Sarah Waters zur Brust genommen und drei davon gleich zur Miniserie werden lassen: Die Muschelöffnerin (Tipping the Velvet), Solange du lügst (Fingersmith) und Die Frauen von London (Night Watch). Selinas Geister (Affinity), wurde ebenfalls von einem englischem Sender (ITV1) verfilmt.

Aber heute wollen wir uns nicht diese, sondern zwei andere Filme + eine Miniserie anschauen: The Secret Diaries of Anne Lister, Daphne und die Serie Portrait einer Ehe.

Alle Protagonistinnen haben Einiges gemeinsam: Diese Engländerinnen sind nicht nur lesbische bzw. bisexuelle Schrifstellerinnen in Zeiten, in denen es schon schwer war, überhaupt als Frau zu schreiben und damit noch etwas zu verdienen. Die drei Geschichten beruhen alle auf wahren Begebenheiten.
Während Anne Lister in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte, lebte Daphne du Maurier sowie Vita Sackville-West und Violet Trefusis im frühen 20. Jahrhundert. Wir begeben uns also auf eine kleine Zeitreise.

Anne Lister (1830)

Beginnen wir bei Anne Lister. Der Film ist inspiriert durch ihr Leben, welches sie in codierter Form in einem Tagebuch niederschrieb. Er zeigt ihre Liebe zu Mariana Belcombe und ihren Kampf, als eine lesbische Autorin in dieser Zeit zu leben.

Maxine Peake als Anne Lister mag zuerst ein wenig ungewöhnlich erscheinen, da die Schauspielerin kein typisches Fernsehgesicht hat. Doch im Laufe des Filmes stellt sie sich als großartige Besetzung heraus. Genau wie Belcombe alias Anna Madeley, die schon in Selinas Geister die Hauptrolle spielte.
Zusätzlich zum Film enthält die DVD die Dokumentation Revealing Anne Lister von Sue Perkins. Wer Blut geleckt hat, kann sich auch gleich die Tagebücher von Lister besorgen, sie sind unter dem Titel I know my own heart bei Combined Academic Publishers erschienen. Eine Übersetzung gibt es bisher nicht.

Machen wir einen kleinen Sprung zu Daphe du Maurier, der Autorin des Erfolgsromane Rebecca und Die Vögel, welche von Hitchcock verfilmt wurden, sowie der Vorlage zu Wenn die Gondeln Trauer tragen. Rebecca erhielt 1941 gleich zwei Oscars.

Die junge Daphne du Maurier

Daphne spielt zur Zeit, in der du Maurier des Plagiatismus angeklagt wird und zu Gerichtsverhandlungen in die Staaten reisen muss. Hier lernt sie Ellen Doubleday und Gertrude Lawrence kennen; und hier verliebt sie sich…

Die Schauspielerin Geraldine Somerville ist inzwischen mit einer ganz anderen Rolle berühmt geworden: Sie spielte Harry Potters Mutter. Genauso gut spielt sie allerdings auch Daphne. So gut, dass einem die sexuell verwirrte Frau manchmal schon fast ein wenig auf die Nerven gehen kann. Das ist kein Wohlfühlfilm, hier gibt es kein richtiges Happy End, wir sehen nur ein Abbild von du Mauriers Leben. Aber ein schönes. Auch hier kann man unendlich weiterforschen, um mehr über diese Frau zu erfahren.  Die Biografien über sie beschäftigen sich natürlich auch mit ihrer Bisexualität.

Wenn an diesem Punkt der Abend ausgedehnt und eine ganze Nacht daraus werden soll, ist Portrait einer Ehe genau das Richtige. In der Miniserie von 1990 gibt es ein Wiedersehen mit Janet McTeer, die in Daphne bereits die Schauspielerin Getrude Lawrence gespielt hat. Hier haucht sie Vita Sackville-West, die auch mit Virginia Wollf einst eine Affäre hatte, Leben ein und nimmt uns mit in die 20er Jahre.

links: Violet Trefusis, rechts: Vita Sackville-West

Einen richtigen Trailer gibt es nicht, aber das hier ist auch ein..netter Einblick. Achtung, NSFW.

Portrait einer Ehe hat vier Folgen, jede ungefähr eine Stunde lang. Es sind traurige, allerdings auch wunderschöne vier Stunden, nach denen man noch mehr wissen will, von diesen beiden Frauen, ihrem Leben und ihrer Zeit.
Wie eigentlich bei allen Frauen dieser Filmnacht!

Der Film basiert auf dem Buch Portrait of a Marriage: Vita Sackville-West and Harold Nicolson, das von Sackville-Wests Sohn Nigel zusammen gestellt wurde. Das Buch gibt es momentan leider nur auf Englisch oder antiquarisch.

Die Anschaffung dieser Filme ist nicht gerade einfach oder billig: Sie sind in Deutschland bisher, bis auf Daphne, nur über Import zu erstehen und liegen preislich um die 20 Euro. Wer Freunde in Großbritannien hat, sollte sich an diese wenden: Alle hier vorgestellten Filme sind dort nicht teurer als 8 Pfund.

UPDATE: „Die geheimen Tagebücher der Ann Lister“ ist jetzt auch hierzulande günstig zu haben und das sogar mit deutscher Synchro! (ca. 13 Euro) „Daphne“ kostet derweil etwa 17 Euro.

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