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The L Life – Extraordinary Lesbians Making a Difference

18. Juli 2011

The most difficult part of being a lesbian was when I first came out and realized I was going to be out and be a professional lesbian. …it’s also the feeling that fueled my work in Dykes to Watch Out For. I was so determined to show that lesbians were humans and that their stories were worthy human stories deserved to be read by everyone. (Alison Bechdel)

Was Alison Bechdel hier über ihre Comics sagt, könnte als Motto vor dieser Buchveröffentlichung stehen. In The L Life: Extraordinary Lesbians Making a Difference versammelt Erin McHugh 26 „professionelle“ Lesben aus den USA, deren Lebensgeschichten es wert sind, erzählt zu werden. So liegt es in der Natur der Sache, dass hier vor allem nicht ganz so junge Frauen porträtiert werden. Seht her: Ein Bildband voller „Older Wiser Lesbians“!

„I am a geek“: Urvashi Vaid

In Interviews, Homestories und ganzseitigen Portrait-Fotografien (von Jennifer May) treffen wir einige unserer Heldinnen wie Bechdel, Jane „Sue Sylvester“ Lynch, die Filmemacherin Christine Vachon oder Pulp-Autorin Ann Bannon. Und wir lernen neben den Betty-Musikerinnen Amy & Elizabeth Ziff auch erfolgreiche Frauen aus Politik, Wissenschaft, Medien, Alltag kennen. Natürlich sind die Erlebnisse von Aktivistinnen verschiedener Generationen besonders beeindruckend – aber hier wird auch deutlich, wie Lesben sich in allen Bereichen durchkämpfen mussten bzw. noch immer müssen. Mit dem, was diese Lesben in ihrem Leben erreicht haben, sind sie nicht weniger als Vorbilder. Hiermit kann man die „It’s gets better“-Kampagne ein paarJahre weiter denken als bis zum Schulabschluss. Es wird eben nur besser, wenn wir es dazu kommen lassen. Nicht zuletzt hat McHugh sich für eine bewundernswerte Vielfalt von völlig verschiedenen Menschen entschieden, die somit ein breites Identifikationspotential bieten.

Elizabeth & Amy Ziff

When I get up in the morning and have to walk my dog and brush my teeth, I don’t think „Power to the Black People“ or „Where is my Rainbow Flag?“ or „Oh, yes, I’m going to write a check to Planned Parenthood in response to that horrible murder“. … I don’t have the luxury of dividing myself into separate parts, nor do I want to. I am a complex individual who is really wonderful because I am an African-American lesbian woman. (Marjorie Hill)

Doch keine Sorge, hier will uns niemand belehren. Die Texte sind kurz und knackig, nicht ohne Witz und Charme, kein Wunder bei solch smarten Frauen. Alles in allem ist The L-Life ein elegantes Geschenk oder Coffee Table-Buch, in dem man sich immer wieder fest lesen wird…

I never felt I got the faith and religion from the Catholic Church that I believe my mother got. I was very jealous of her. When feminism came along, I felt like that was the religion for me. (Kate Clinton)

Alison Bechdel

Bis auf einige Ausnahmen sind die Fotos leider etwas steif und schlicht geraten. Das liegt weniger an der Fotografin als am betont sachlichen Konzept des Buchprojekts. Die Ladys sind gut ausgeleuchtet meist in ihrer „natürlichen Umgebung“ eingefangen. Ein wenig zu oft sieht man das typisch amerikanische Cheese-Lächeln. Etwas lebendiger hätte ich mir das schon gewünscht, vielleicht um ein paar Archivfotos aus dem Leben und Wirken ergänzt. Doch schließlich können die einzelnen Abschnitte auch ein Anreiz sein, sich mit der einen oder anderen Person mal genauer zu beschäftigen – oder die Augen nach anderen Vorbilder (aus anderen Ländern) offen zu halten.

Einen Buchtrailer gibt es natürlich auch. „Old-fashioned in the best sort of way“…

Verlagsseite

Fotos by Jennifer May

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