Filme Queer Life

Harry Potter – It never ends

14. Juli 2011

Ich war 11, als ich das erste Harry Potter-Buch in meine Hände bekam. Ich sehe mich noch heute am Rand der Badewanne sitzen, wie ich mich, während das Wasser einlief, in den ersten Sätzen verlor, in einem Buch, gezogen zufällig aus dem Bücherregal einer Buchhandlung in der Kleinstadt, in der ich aufwuchs. Ich pries es vor meinen Freunden an und keiner verstand, warum ich es liebte. Der zweite Band kam heraus, ich saß wieder, als wäre es ein Ritual, am Badewannenrand und begann den neuen Band. Irgendwann, zwischen dem dritten und vierten Band, startete der Potter-Wahn. Jeder liebte es, jeder verlor sich darin. Nicht mehr nur ich, auf meinem Bett, meinem Sofa, oder in der Badewanne, liebte die Geschichten. Potter war eine großes Sache geworden, ein Wahn. Jetzt, über 10 Jahre später, hört er wohl auf, der Potter-Hype. Die Bücher sind geschrieben, die Filme sind gedreht. Es ist ein Stück Kindheit, das endet, aber nie aufhören wird.

Die Potter-Stars sind mit uns groß geworden, ich und viele andere mit ihnen. Unvergessen die Kinder während des ersten Teils im Kino hinter mir, die simultan das erzählten, was gleich passieren würde oder passieren müsste. Unvergessen die nächtlichen Premieren der Filme und das glückliche Torkeln nach Hause. Unvergessen die Buchhändler, für die ich Praktika absolvierte und Briefe an die Kunden verfasste, um ihnen die nächtlichen Buchverkäufe schmackhaft zu machen. Unvergessen der Moment in dem Dumbledore von Rowling geoutet wurde und wir anfingen zu spekulieren, ob nicht McGonagall lesbisch sei. Unvergessen der Tag, an dem ich, nach so vielen Jahren warten, gerade umgezogen, in Berlin stand, den neusten Band am Bahnhof auf Englisch kaufte und mit ihm in der Hand und dem Koffer in der anderen, in eine neue Phase meines Lebens startete. Unvergessen der Moment in dem wir alle über Coldmirrors Videos lachten und jetzt auf einsfestival lächeln, wenn wir zufällig zuschalten und sie sehen. Unvergessen der Moment Jahre später, in dem ich über den Alexanderplatz blickte, kurz vor Heiligtümer des Todes Teil 1, während meine Begleitung das Popcorn kaufte und ich mich an alles erinnerte, womit Harry Potter mich begleitet hatte.
Harry Potter war ein Teil meines Lebens, ein Teil meines Erwachsenwerdens, ein Teil von mir. Er belegt und hat vielen Menschen das beigebracht, wovon ich überzeugt bin: Im alltäglichen Leben liegt eine Menge Magie. Wir müssen sie nur sehen.
Die Buchrreihe hat viele, viele Menschen (wieder) zum Lesen gebracht, zum Träumen gebracht. Die Bücher mögen geschrieben, die Filme gedreht sein, aber diese Wörter, die sind weiterhin da, um von vielen Generationen nach uns gelesen zu werden.
Der letzte Potter-Film mag gerade in die Kinos gekommen sein und vielleicht das Ende sein. Aber zuende, wird es nie sein.


1 Kommentar

  • Reply ponchik 15. Juli 2011 at 17:41

    Das ist genau das, was in mir vorgeht und wie es bei mir auch angefangen hat. Ich bin einfach sprachlos und zutiefs gerührt.

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